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Ost und West · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. Seite 73 - 74

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Aphorismen / Dumaurier
Date
1901-01-01
Page
Seite 73 - 74 (sequence 2)
Language
German
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73 Aphorismen. — Revue der Presse. 74 in den Adern fliesst, ob wir es nun wissen und man es uns ansieht, oder nicht. Tant pis pour les auires. Dumaurier (Trilby). # Das ebräische Volk ward von seinem Ursprünge an als ein genetisches Individuum, als ein Volk betrachtet. Der sterbende Stammvater sprach zu seinen Söhnen für die ganze Reihe zukünftiger Zeiten; ja, ehe der Sohn des Stammes geboren war, geschah schon der ganzen zukünftigen Welt die Verheissung. Als es in vielen Tausenden um den Berg Sinai gelagert, dastand, sprach der Gesetzgeber im Namen, seines Gottes zu ihm, als zu einer Person, die dieses Gottes Knecht und gerettetes Kind sei; und da er vor seinem Lebensende dies Gesetz wiederholte, liess er das Volk als einen Mann geloben. Daher der hohe, weitschallende Ton des Patriotismus in den ebräischen Psalmen und Propheten. "Wo und in welcher Sprache sein Nachhall ertöne: er ergreift das Herz; ein Publikum wird lebendig. Man Findet sich in einer Versammlung, in der einer für alle steht, alle für einen. Auch seitdem Israel unter allen Nationen zerstreut ward, ist dieser Prophetenton eines Nationalpublikums nicht verhallt. Alle seine Gesänge und Gebete sprechen noch zu Gott mit der Stimme eines verlorenen Kindes, eines gedemütigten Knechtes. Wenn ein Geist der Poesie, der Lehre, der Ermahnung in diesem Volke wieder aufleben sollte, so kann er nicht anders, als in solchem Ton zum Volke singen und reden. Herder: Vom Publikum der Ebräer. REVUE DER PRESSE. „Allgemeine Zeitung des Judentums" bespricht die Aufregung, welche der Gedanke eines deutschen Judentages in der fortschrittlichen Presse Deutschlands hervorgerufen hat, und schreibt im Anschlüsse daran: ,.Ueber das Zustandekommen des Judentages ist noch nichts Authentisches festgestellt, aber es erscheint ziemlich sicher, dass eine grosse Organisation der deutschen Judenheit zur Vertretung ihrer Gesamtinteressen — also gerade das, was jenen Blättern am meisten Schrecken verursacht hat — doch zu stände kommen wird. Ob aus dieser Organisation ein allgemeiner Judentag hervorgehen wird, das zu entscheiden, dürfte dann spätcr Sache "der Majorität innerhalb jener Organisation sein. Die Malmungen, Warnungen und Drohungen der kleinen demokratischen Blätter aber werden die Entstehung jener Organisation jedenfalls nicht hindern". Die „Schlesische Zeitung" bringt aus der Feder ihres römischen Korrespondenten einen Artikel über die italienischen Juden mit der Statistik der jüdischen Einwohnerschaft der verschiedenen Städte. An erster Stelle steht Rom mit 7800 Juden. Es folgen Turin (4700), Livorno (4100), Venedig (2780), Florenz (2000), Mailand (1900) etc..... „Das glückliche (!) Genua hat sogar nur 580". Jm ganzen zählt Italien 40 915 Juden. Trotz dieser geringen Ziffer sind 15 Juden Mitglieder der zweiten Kammer. „Jewlsh Comment" (Baltimore) citiert aus der bekannten amerikanischen Zeitschrift „Leslie's "Weekly" eine interessante Studie über das Thema: „Welches ist die Herkunft der hervorragendsten Männer des britischen Weltreiches?" Zu Grunde gelegt ist die Regierungszeit der Königin Victoria, und die Liste 'von bedeutenden Persönlichkeiten enthält etwas über 3000 Namen. Von diesen sind 1754 Engländer, 445 Schotten, 254 Irländer, 45 aus Wales, 31 Anglo-Inder, 27 Juden (in England geborene), 19 Anglo- Franzosen, 18 aus West-Indien, 16 aus anderen Kolonien und einige kleinere Gruppen. Einen bemerkenswerten Beweis für die Bedeutung der jiidischen Rasse liefert die Thatsache, dass auf dieser Liste die Juden neben den Schotten im Verhältnis zur Bevölkerung sich an erster Stelle befinden. Hieran wird die Betrachtung geknüpft, dass man bei ähnlicher TTntersuchung der entsprechenden Zustände anderer Länder wahrscheinlich — und in den Vereinigten Staaten sicherlich — zu ähnlichen Resultaten kommen würde. Die „Jüdische Gazette" (die wöchentliche Freitag- Abend-Ausgabe des Jüdischen Tageblattes, das in jüdisch-deutscher Sprache in. New-York erscheint) bringt einen interessanten Aufsatz, betitelt: Der Jude als Arbeiter. Unter anderem führt der Artikel folgende Zahlen für die jüdische Arbeiterschaft Englands an. In London allein befinden sich über 10 000 jüdische Schneider, über 11 000 Kürschner und Mützenmacher, 9000 Cigarren- und Cigarcttcnarbeiter, sowie über 1500 Tischler. Für Leeds sind 9500 Schneider und Schuhmacher, für Manchester sind 5000, für Glasgow 6000 Arbeiter derselben Kategorien angegeben. Noch interessanter als diese Ziffern dürfte unseren Lesern die Erwähnung sein, dass der Aufsatz mit einem Citat von Schiller eingeleitet wird, der überhaupt in der Jargon- Litteratur wohlbekannt ist. Zur Charakteristik dieser jüdischdeutschen Blätter und ihres Leserkreises fügen wir noch hinzu, dass sich Notizen über Hauptmanns Stücke, Zeppelins Luftschiff und vieles andere darin finden. Die beiden genannten Zeitungen haben etwa das Format der Frankfurter Zeitung und eine Auflage von über 35 000! „Woskhod" (Petersburg) teilt mit, dass die Regierung die Absicht hat, eine Anzahl grösserer Dörfer im sogenannten Ansiedel ungs-Ravon in Städte umzuwandeln, um dadurch die

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