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Ost und West · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. Seite 71 - 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Die Eröffnung des Rubinstein-Museums in St. Petersburg
Date
1901-01-01
Page
Seite 71 - 72 (sequence 1)
Language
German
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71 Miscellen. — Aphorismen. 72 Die Eröffnung des Rubinstein-Museums in St. Petersburg. Am 20. November, dem Todestage Anton Rubinsteins, wurde vom Senator Gerke im Beisein der angesehensten Vertreter der Petersburger Musikweit im Konservatorium das Rubinstein - Museum eröffnet. Es enthält vorderhand ca. 300 Gegenstände, darunter Portraits, Büsten, Medaillen, Zeichnungen, Diplome, Adressen und dergleichen Schriften mehr, welche sich auf die künstlerische Karriere Rubinsteins beziehen. Es fehlen darunter noch viele. Dokumente, die sich in Petersburg selbst befinden, deren Eigentümer jedoch im Auslande weilen. Höchst wertvoll ist die Sammlung von Manuskripten und Partituren, unter denen sich auch solche finden, von denen man bisher keine Ahnung hatte. Die Leipziger Verlagsanstalt von Barth. Senff sandte dem Museum als Geschenk eine Sammlung von Auflagen, welche einen "Wert von 3000 Rubel repräsentieren. Auch der Verleger Ricordi aus Mailand sandte eine ansehnliche Zahl bei ihm verlegter Werke. Am wenigsten sind Autographen vorhanden, weil ihre Besitzer sich von denselben nicht trennen wollen. Unter der mit Blattpflanzen geschmackvoll dekorierten Büste Rubinsteins hielt Senator Gerke die Gedächtnisrede für den Verewigten, und zum Schluss verlass der Direktor des Konservatoriums, Herr Bernhard, ein Glückwunschtelegramm der Grossfürstin Jekaterina Michailowna, welche die hohe Protektorin des Konservatoriums ist. # An den Wassern Babels. (Zu der Abbildung auf Seile 17/18 dieses Heftes.) In einem längeren Aufsatze über Eberlein's Skulpturen in der „Weiten Welt" erblickt der Verfasser in der Gruppe „An den Wassern Babels" eine symbolische Darstellung der jüdischen Diaspora. Es sind Königsmenschen der altjüdischen Zeit, Verkörperungen des aus dem Stammlande verdrängten Israel. In finsterer Geschlossenheit, das Haupt erhoben, schaut das Weib dunkel vor sich hin, die stolzen Glieder reckend in dem Bewusstsein unendlicher, ihrem Stamme ein ewiges Leben sichernder Fruchtbarkeit. Lieblich ihr beigegeben lehnt neben der Mutter ein Knabe (der auf diesem Bilde nicht zur Geltung kommt), schon früh gebeugt unter seines Stammes Geschick, der Heimatlosigkeit. Als ein Monument heiligen Schmerzes überragt die beiden der geblendete, gefesselte Königsgreis Zedekia, zum Hohn den Herrscherreif um die Stirn gelegt, hinter der die kühnen Gedanken zucken, gleich Flammen, die die Welt erleuchten wollen. Die machtlose Hand-tastet nach der Harfe, um einzustimmen in das Klagelied, das eintönig über die Wasser hallt, das nicht verstummen wird, so lange der Stamm Juda heimatlos und verfolgt über die Erde irrt. APHORISMEN. Man ist nicht Jude aus freier Wahl. Jecler Jucle ist der Erbe einer Vergangenheit, die nach Tausenden von Jahren zählt. Grand-Rabbin Zadoc Kahn (Paris). * Der laueste Jude kann sein Judentum nicht abthun — seine ungeborene Seele nahm das Joch der Lehre auf sich vor dem Berge Sinai. Zangwi.ll. # Nie ist eine grössere sittliche Veränderung mit einer Nation vorgegangen als mit der englischen in den Jahren, die zwischen der Mitte der Regierung Elisabeth's und dem Zusammentritt des Langen Parlamentes liegen. Ein Buch brachte diese Veränderung hervor, und dieses Buch war die Bibel. John Richard Green (Geschichte des englischen Volkes. Kap. 8: „Die Puritaner"). ■* Das Ghetto grüsste die Sabbatbraut mit stolzen Gesängen und einfachen Festen. — Ringsum suchten in den Schenken ihre andersgläubigen Nachbarn Zerstreuung, und ihr trunkenes Gebrüll scholl durch die Strassen. Da und dort klang das Schreien einer geprügelten Frau durch die Luft. — Aber kein Sohn des Bundes war unter denen, die da tranken und ihre Weiber schlugen. — Die Juden bleiben eine auserwählte Rasse, ein eigenes Volk, das Fehler genug hat, aber wenigstens von den gröberen Lastern erlöst ist. — vSie bilden eine kleine menschliche Insel, die der Genius einstiger Ingenieure den "Wassern des Kriminalismus abgerungen hat. Zangwill (Kinder des Ghetto). * Little Billy's hübsches, freundliches Gesicht verriet durch eine kaum merkbare Färbung die entfernte Möglichkeit eines israelitischen Vorfahren. Es war nur ein leiser Anflug jenes kraftvollen, trotzigen, unbezwinglichen, unverlöschbaren Blutes, welches in stark verdünnter, homöopathischer Dosis von unbezahlbarem Werte ist. . . . Ein Glück für die Welt und besonders für uns selber, dass den meisten von uns, wenigstens ein Tröpfchen dieses kostbaren Blutes

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