Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1901)
- Article
- Ost und West
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 3 - 4 (sequence 2)
- Language
- German
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3 „Ost und West". 4 tums und einer stillen Arbeit für allgemeinen Kulturfortschritt die gute Eigenart unserer Rasse entfaltet. Ein solches Leben kann aber erst dann voll aufblühen, wenn die tiefe Entfremdung, die innerhalb des Judentums zwischen den einzelnen Gruppen und Schichten eingetreten ist, überwunden wird, und einer einheitlichen Gemeinschaft die Wege gebahnt werden. Es ist unabweislich notwendig, die allzu locker gewordenen Bande des Judentums aufs neue zu festigen, die früheren Werkzeuge jüdischer Solidarität wieder hervorzusuchen, und, so sie stumpf oder unansehnlich geworden sind, durch bessere und schönere zu ersetzen. Daher halten wTir es für eine der grössten und vornehmsten Aufgaben, die ein jüdisches Organ sich stellen kann, Ost und West — nicht nur die geographisch, sondern auch die kulturell auf verschiedenem Boden stehenden Elemente des Judentums einander wieder näher zu bringen durch Hervorhebung alles dessen, was uns eint oder einen kann, durch den Hinweis auf die gemeinsame Vergangenheit und besonders durch den Hinweis auf die heutigen Bestrebungen und Leistungen der Juden, in denen sich, bei aller Verschiedenheit, doch die gleichen ererbten Eigenschaften äussern. Jüdische Solidarität, berechtigtes jüdisches Selbstbewusstsein wollen wir fördern, indem wir die Kenntnis von allem jüdischen Wollen, von allem jüdischen Können, von allem was die Judenheit berührt, in so weite Kreise unserer Stammesgenossen tragen, wie es uns nur möglich ist. Wir wollen ein Organ schaffen, welches den Juden der Notwendigkeit überheben soll, Themata jüdischen Interesses nur aus der zahllosen Menge anderer herauszufinden. Dem modernen Juden, welcher die meist eine engere Richtung vertretenden jüdischen Zeitungen nicht liest, dessen jüdisches Interesse aber doch gross genug ist, ihn 'jeden Aufsatz jüdischen Inhalts, den er in der allgemeinen Presse findet, mit erhöhtem Interesse lesen zu lassen — diesem wollen wir eine Gelegenheit bieten, zwischen den Umschlagseiten jedes einzelnen unserer Hefte einen möglichst umfassenden Ueberblick über jüdische Thätigkeit auf allen Gebieten, jüdisches Leben in allen Ländern zu gewinnen. Künstlerische, wissenschaftliche und litterarische Beiträge der besten Autoren, eine vornehme Ausstattung und reicher Bilderschmuck sollen „Ost und West" Eingang verschaffen bei allen Juden deutscher Zunge, und der neuen Zeitschrift einen Platz sichern in jedem jüdischen Hause. ifu^ JJs-^> %t*rs feir^ Jfs-^\ %t^\ Ht^s :}t**\ #s^»\ :fs^^ 3«-^ «K^s ifa*^ «f^s tfs-*^ tfs-* DER EWIGE JUDE. Von Ben Israel. In Flammen der heilige Tempel stand Am Toten Aleere — ein totes Land. Da nahm er den Wanderstab zur Hand Und verliess die heiligen Stätten; Ihn führt' ein Gedanke, der nie ihm schwand: Die Thora, die Tbora zu retten! Und ging und ging von Land zu Land, Den Blick voll Hoffnung gen Osten gewandt, Verhöhnt, getreten, gefoltert, verbannt: Doch siehe! Trotz Henker und Ketten Unsterblich reckt sich die sehnige Hand, Die Thora, die Thora zu retten! Hosianna! Der Tag der Erlösung erstand: Bald kehrt er zurück ins Gelobte Land. Und das Haupt, das nirgends Ruhe fand, Auf der Tempelmauer gebettet, Benetzt er mit Thränen den heiligen Sand — Die Thora, die Thora gerettet!