Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
- Article
- Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 139 - 140 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2584087-2584090-2607726--17481-2607794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
139 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges. 140 Frau Henriette May Schriftführerin des „Jüdischen -Frauenbundes" Frau Minna Schwarz Vorsitzende des Frauen-Vereins der Berliner Logen und II. Vorsitzende des Verbandes der Frauen-Vereine der U. O. B. B-Logen bestehenden, teils in zu diesem Zwecke neugegründeten. Die Errichtung von Kinderstuben, die sich der Pflege der Jüngsten bis zum schulpflichtigen Alter annahm, war eine zweckmäßige und notwendige Forderung. Die Beschäftigung vieler Frauen durch Strickarbeit, •die die Abteilung für Frauen und Jugendfürsorge übernahm und für das Rote Kreuz ausführen ließ, brachte Arbeit und Verdienst für viele, besonders ältere Frauen. Wenn wir die Summen hören, die für Stricklohn gezahlt wurden, erkennen wir mit staunender Bewunderung den Umfang dieser Unternehmung. Lieferungen von Näharbeiten im großen Maßstabe für Geschäfte und militärische Betriebe wurden eingerichtet und alle diese geknüpften Verbindungen wären nicht möglich gewesen, ohne den unendlichen Fleiß unserer damit . beschäftigten Frauen, die sich diese Aufgabe zur Pflicht gemacht. Nicht Almosen, nein, tüchtig ausgeführte lohnende Arbeit half den Vielen, die nun für sich und die Ihren einzustehen hatten, mit Mut und Zuversicht vorwärts. Ueberaus wertvoll war die Einrichtung einer gleichen Zwecken dienenden Organe hing zum großen Teil der Erfolg einer geordneten Hilfeleistung ab. In den Sprechstunden, von den Vorsteherinnen der einzelnen Bezirke anfangs täglich, später zwei- und mehrmals wöchentlich abgehalten, kamen all die Frauen, deren Männer im Felde standen und die mit der Linierstützung nicht auskamen oder für die erst Unterstützung geschaffen werden mußte. Es wurden Geldmittel gewährt, ferner Lebensmittelscheine, wöchentliche Unterstützungen, Gutscheine für die Kleiderkammer der Kommission. Rat wurde erteilt, Anregung gegeben. Um den Müttern die Ausübung einer lohnenden Arbeit zu ermöglichen, wurden die Kinder untertags jba Heimen und Horien untergebracht. Teils in schon Lehrnahstube. Wo bisher liebende häusliche Fürsorge sich Vieler angenommen, ihren Tagen die ernste Sorge ferngehalten hatte, da trat nun mit einemmal der Zwang zur Selbsthilfe heran. . Sie haben aber nichts Bestimmtes und nichts Gründliches gelernt, und ohne dieses bestimmte Können ist nichts Wertzolles zu erziehen. Die Lehrnähstube nun bildete die Frauen im Zuschneiden und Nähen gründlich'aus. Sie gab gegen das geringgemessene Lehrgeld von M. 5.— monatlich und Entlastung durch die Unterbringung der Kinder den Lernenden die sichere Gewähr, ihr Brot teils durch Errichtung von eigenen Nähstuben, teils durch lohnende Näharbeit im einzelnen, ihr Leben sich selbst durch Verdienst ausreichend gestalten zu können. Bei der Knappheit der Verarbeitungsstoffe wurde es mit der Zeit schwerer, den lohnenden Verdienst aufrechtzuerhalten. Doch wurden andererseits durch den „Vaterländischen Hilfsdienst" viele neue Arbeiisquellen erschlossen, und die Kriegshilfskommissiön der jüdischen Gemeinde hielt ihre schirmende Hand über den Armen Frau Rabb. Dr. Seligmann, Frankfurt a. Jvl., Leiterin der Zentral- Auskunftsteile des Frauen-Verbandes der U, O. B. B.-Logen Frl. Sidonie Werner, Hamburg II. Vorsitzende des „Jüdischen Frauenbundes" Frau Julie Salinger (Mitglied der Sachs. Volkskammer) Presseleiterin des Verbandes der Frauen-Vereine der U. O. B. B.-Logen