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Ost und West · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1919) · p. Seite 119 - 120

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
Article
Boris Keith
Date
1919-05-01
Page
Seite 119 - 120 (sequence 2)
Language
German
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119 Boris Keith 120 glühenden Strahlen des Südens über den schatten* losen, staubigen Markt, auf dem die „ Zeremonie des Empfangs vor sich gehen soll. Lichter und Bilder verzerren sich unter soviel Sonhenglanz. Grelle, krasse Flecken erstehen auf allen Körpern. Farben, Linien und Formen verwischen sich, laufen auseinander und werden zu einem lichtdurchs: schwängerten Chaos. Die Augen schmerzen von so viel Wärme und Reiz. Der Knabe, der sein Bild anblickte, fand in diesem Augenblick, daß die Töne zerflossen, die Reflexe widerlich, das Gesicht des Emirs zur klag* liehen Karikatur geworden. Entsetzt sah der Knabe, daß die Stunde und die Beleuchtung seinen Werken ungeeignet waren. Heiße Scham und trotziges Sichaufbäumen, der Stolz eines jugendlichen Künstlers überkam ihn. Wie ein Verbrecher brach er aus dem Kreis der neuen Freunde aus und schlich auf leisen Sohlen davon. Durch pfadlose Wälder jagte er hungernd und entmutigt zu seinen wilden Bergen zurück. — .. .. Später ging Boris Keith doch seinen weiten Weg. In der Unrast des modernen Juden genügte ihm das weite Rußland bald nicht mehr. .München und Genf lockten. In Paris wurde er Mitglied der Societe -des Beaux Arts et des Lettres, nachdem er bereits in Rußland die Staatsmedaille und dann in Genf zweimal den 1. Preis in der Akademie bekommen hatte. Das Jugenderlebnis symbolisiert sein Leben und seine Kunst. Seine Art füllt der Kampf aus 'p:- ,u Ipp.. p£fji \: -; .. . ■-'^[yH--,/: ,: : ■ ä f. ';...■,.>' 'iß.:.-. > -*»g^f^ *.•);/.. .; ■ W:!■,■;..; ' . v,; ■ _. \ti> - ' ' VA $ ' '<•' ':' fr >■';'■.''. ■ ' '- 'Ik'...'; f 6 /fc«r ■ 'H-. f :\ %;Jfj ■ ••.•*•:.•. f" -;' '•; .■ - . - ■ & ' " :■' : V BORIS KEITH Bei 'Nacht Berlin mit dem Licht und das Streben, die Farben in der Beleuchtung zu verteilen. Es ist, als ob das Erlebnis seinen Lebensweg beeinflußt hätte. Am liebsten malt er, wo wir im Zuviel oder Zuwenig des Lichts die Schwingungszahl der Strählen und damit ihre Art nicht mehr instinktir erfassen. Nur zögernd fand Keith diese Aufgabe. In feinsinnigen Nachtstimmungen malt er Licht und, was noch erstaunlicher ist, Farben hinein. Nicht die ver* schiedenen Nüancierungen des Schwarz. Er bricht mit dem System, wonach die Nacht dunkel und das Licht hell ist. Auch die Schatten bekommen neben dem Glamz Eigenart und Tönung in Farbe. Und noch mehr. Wir sehen eines seiner Bilder. Irgendwo klimmt eine Laterne an einer verschlafenen Ecke des Städtchens und wirft flackernde Kringeln, unruhige Schatten, die aus den Häusern der stillen Gasse ins Weite hinausgleiten odler auf den breiten Steinen des Steiges aufprellen und davonhüpfen- Wie ein langsames Erloschen, ein Ersterben des letzten Restes menschlicher Arbeit wirkt das Licht- Diese zitternden Lichtbewegungen bei Tag und Nacht haben bereits vor Keith viele andere gesehen und festgehalten, in liniärem Sinne vielfach besser sogar. Aber Keith sieht das Farbenspiel der Licht? quellen stärker, seine Netzhaut hat den Abglanz schärfer erfaßt, den der kärgliche Lichtkegel der einsamen Laterne gibt — jenes Grüne und Gelbe und Weiße, das Gespenstervolle und Märchenhafte der Welt, an der wir so oft achtlos vorübergehen. All die Reflexe einer Welt eines geisterhaften Helldunkel. Bäume,' Giebel, Häuser saugen sich voll von dem Rest der Strahlen, den die ärmliche Petroleumfunsel hergibt. Die matten Lichter mengen sich mit dem Anstrich, der uns bei Tageshelle weiß dünkt, und gibt ein vers wischtes, wundersames, un* sagbares Gemisch, das nur der Physiker, der die Spektralanalyse und die Keimsche Farbenlehre bes herrscht, mit genauen Farbwerten und sworten zerlegen, kann. Bei Rem* brandt, dem Altmeister, sind die Stimmungen der Nacht schattenhaft, unüber* trefflich abgetönt, ruhig, gesättigt Keith ist erfüllt von dei feinen Empfin? dung, von nervöser Un? ruhe, die wir stellenweise bei Liebermanns Farben* punkten wiedertreffen. Die Nacht ist ihm der wechsele

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