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Ost und West · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1919) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
None (sequence 9)
Language
German
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OSTS ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 1/2 Januar —Februar 1919. XIX. Jahrg. HEBRAEISCH. Daß die Juden, insofern sie solche sein und bleiben wollen, die hebräische Sprache pflegen müs-sen, nie zulassen dürfen, daß sie unter ihnen ganz in Vergessenheit gerate und ihnen „fremd" werde, ist erst in der neueren Zeit in Frage gestellt worden, im Zeitalter der Emanzipation und Gleichberechtigung. In früheren Epochen war dies etwas so Selbstverständliches, daß es nicht nöi'ig schien, betont zu werden. Wohl wurde festgesetzt, daß der Jude das ,,Schemä" in jeder Sprache^ die er versteht, bekennen darf, aber daß jeder Vater sein Kind im Hebräischen zu unterrichten verpflichtet ist, war ausgemacht. Zu allen Zeiten und in allen Ländern haben die Juden die Sprache ihrer Vorfahren, die Sprache der Thora, der Propheten und der wichtigsten Urkunden ihrer Lehre als das höchste Heiligtum ihrer Gemeinschaft betrachtet. Schon .im zweiten vorchristlichen Jahrhundert war das Hebräische einerseits vom Aramäischen, andererseits vom Griechischen aus dem alltäglichen Verkehr der breiten Massen verdrängt .worden. Die Thora und die Propheten mußten dem Volke durch Uebersetzungen zugänglich gemacht werden; allein der öffentliche Vorleser war angehalten, jeden Vers zuerst in der Ursprache vorzutragen und nach dem Rezitieren der Uebersetzung ihn in der Ursprache zu wiederholen., Dadurch wurde die Vertrautheit mit dem Urtext" und seinem Idiom im Volke lebendig erhallen. 'Wohl wurde das Hebräische vom Markte des Lebens verdrängt, es zog sich in das Gebiet des rein Geistigen zurück und wurde 13die Sprache, der heiligen Dinge". Hier aber führte es ein sehr intensives, reiches Leben, entfaltete eine unvorhergesehene Schöpferkraft und trieb" immer neue Blüten. Das „Heilige" umfaßte so ziemlich alle Gebiete des Geistigen, und darum erstarrte das Hebräische niemals zu einer Kirchen- oder Liturgiesprache, die nur einer Kaste verständlich ist. Immer blieb es Volkssprache, denn das Volk in allen seinen Schichten hatte Anteil daran und legte stets die besten und edelsten Schätze seines Geistes in ihr nieder, um sie den kommenden Geschlechtern zu überliefern. Man pflegte das Hebräische zu den „toten" Sprachen zu rechnen; diese Bezeichnung gehört der vulgären Weisheit an; die Linguistik hat sie längst aufgegeben, sie weiß, daß eine Sprache, die nicht mehr gesprochen wird, darum nicht aufgehört hat, lebendig zu sein. Beim Hebräischen kommt noch hinzu, daß die ethnisch zusammengehörige Gemeinschaft fortexistiert, die es in den Urzeiten geschaffen und die sich zu ihlm immer bekennt, es an niemanden ,,abgetreten" und nie aufgehört hat, es ■ als ihr Eigentum zu betrachten und an ihrer Fortentwicklung zu arbeiten. Immer wurde die Unkenntnis des Hebräischen von den Juden als ein Mangel empfunden, der durch persönliche oder allgemeine Umstände und Schwierigkeiten entschuldigt werden konnte, aber der Entschuldigung bedurfte. Erst seit der Epoche der Emanzipation wurde; die Kenntnis des Hebräischen zuerst als überflüssig, dann als störend und gewissermaßen als Zeichen der Rückständigkeit betrachtet. Zweierlei Motive haben dazu beigetragen. Erstlich betrachtete man es als einen Widerspruch; bürgerliche Gleichberechtigung zu fordern und dabei einen besonderen geistigen Inhält zu besitzen, eine, alte und reiche Tradition, die in einer eigenen Literatur und einer eigenen Sprache aufbewahrt, wurde. Dabei übersah' man, daß die besondere Religion einen viel bedeutenderen, entscheidenderen geistigen Inhält darstellte, als die hebräische Sprache und :hre Literatur. Wenn demnach der Sonderfeöitz eines

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