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Ost und West · 1921-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1921) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
Date
1921-09-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 9/10 September —Oktober 1921 XXI. Jahrg. PROBLEME DES JUDENTUMS Von Simon Bernfeld Das jüdische Volk, das älteste unter den jetzt lebenden Kulturvölkern, ist in den Jahrtausenden seines geschichtlichen Daseins vielfach Zeuge großer Ereignisse gewesen. Es hat gesehen, wie gewaltige Reiche entstanden und vergingen, wie Völker die Höhe der Macht erklommen, um entweder von ihr allmählich hinabzusinken oder rapide zusammenzubrechen. Es war die Tragik des jüdischen Volkes, daß es nicht bloß zuschauender Zeuge solcher Ereignisse blieb, sondern von ihnen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und oft mehr dabei zu leiden hatte, als die aktiven Teilnehmer an jenen Geschehnissen. Dies verleiht der jüdischen Geschichte einen gewissen Zug der Wehleidigkeit. Jehuda ha-Levi gibt auf die Frage: Warum das jüdische Volk so empfindlich sei, die Antwort: Israel sei das Herz der Völker, ein besonders empfindliches Glied am Organismus der Menschheit. Die Vorkommnisse der letzten Jahre haben die Richtigkeit dieses Ausspruches bestätigt. Dem späteren Geschichtsschreiber bleibt es vorbehalten, dieses besonders traurige Kapitel der Geschichte des jüdischen Volkes hinzuzufügen. Mitten in den Kämpfen, in denen sich die Judenheit zumeist passiv verhielt, hat das Judentum aktiv an allen geistigen Bewegungen teilgenommen. Dieses bildet ein erhebendes Kapitel in der jüdischen Geschichte, das allerdings noch immer nicht die gebührende Würdigung gefunden hat. Bei der geistigen Beweglichkeit, die das jüdische Volk auszeichnet, konnte es nicht ausbleiben, daß es alle kulturellen Erscheinungen mit Aufmerksamkeit beobachtete, alle Strömungen der Zeit verfolgte und sie mit dem Judentum in Verbindung brachte. Es mußte sich mit ihnen auseinandersetzen, das Gute, vor ailem das Notwendige in den Bereich seines geistigen Lebens aufnehmen, und das Schädliche, seinem inneren Wesen Widersprechende zurückweisen oder gar bekämpfen. Im Streit der Meinungen, insbesondere auf dem religiös-ethischen Gebiet, gab das jüdische Volk seine Passivität auf, oder richtiger f seine Lebensäußerung bedingte ein stetes Anziehen oder Abstoßen, je nachdem die an ihm vorübergehenden Erscheinungen ihm zusagten oder seinen ethischen Postulaten widersprachen. Die hervorragendsten Männer des jüdischen Volkes haben sich mit allen geistigen Problemen des Lebens, mit allen Zeitfragen, welche die Gemüter bewegten, eingehend beschäftigt. Im frühen «Altertum hat Philo in Alexandrien das Judentum vom Standpunkt der damals herrschenden Kultur, vom Standpunkt des Hellenismus, zu beleuchten und zu werten unternommen. Er hat keineswegs versucht, wie mitunter irrtümlich angenommen wird, das Judentum mit dem Hellenismus in Einklang zu bringen, denn ersteres galt ihm als eine unumstößliche göttliche, d. h. ewige Wahrheit, die er nur im Licht der ästhetischen Bildung seiner Zeit aller Welt klarlegen wollte. Seinem Beispiel sind später die jüdischen Religionsphilosophen gefolgt, wobei verschiedene Methoden zur Anwendung gelangten. Alsa hervorragendster und kühnster unter ihnen *gilt Maimonides, der aber in keiner Weise das Judentum durch die Philosophie stützen wollte, sondern vielmehr vom Standpunkt der aristotelischen Philosophie ausging, von deren Richtigkeit und Wahrheit er unerschütterlich überzeugt war, und das Judentum mit ihr in Einklang zu bringen sich bemühte. Maimonides bildet hierin einen schroffen Gegensatz zu Philo, der, obwohl er nur schwache Kenntnisse des Judentums besaß und die Bibel nur in der griechischen Uebersetzung kannte, im Grunde genommen tiefer im Judentum wurzelte als der große Religionsphilosoph des Mittelalters. Man muß die Einleitung: des

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