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Ost und West · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1921) · p. Seite 199 - 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-07-01
Page
Seite 199 - 200 (sequence 4)
Language
German
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199 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 200 90. Oskar Marmorek in Wien, 1897. B. 91. Jozef Israels im Haag (1824-1911), 1904 zum 80. Geburtstage. S. Der Kupferstecher J e s i gilt in der Kunst des Grabstichels als einer der trefflichsten Nach* bildner Raffaels. Er muß aber auch ein selten gütiger Mensch gewesen sein; denn das Bronze* medaillon Nr. 86 gilt nicht nur dem vorzüglichen Zeichner und Stecher, sondern auch seinem „un* vergleichlichen Herzen". Warum der Geschichtsmaler U 1 m a n n auf dem erhabenen Bronzegußmedaillon Nr. 87 mit einem Fez auf dem Kopfe dargestellt ist, weiß ich nicht. Der Maler Ve r v e e r, der ,,von vielen geliebt und (nach seinem Tode) betrauert wurde", wird auf dem Medaillon Nr. 88 „genial" genannt und sein Beruf auf der Rückseite durch Maler* Utensilien und bekränzte Staffelei angedeutet. Das Porträt seines größeren Landsmannes Israels, des Begründers der modernen hollän* dischen Malerschule, ist uns aus den bekannten Abbildungen wohl vertraut. Die Rückseite des Medaillons Nr. 91 zeigt einen schwebenden Genius, der mit der linken Hand eine mit Lorbeerzweigen bekränzte Palette, mit dem rechten Arm ein Bündel Lorbeerblätter hält, aus dem bereits einige auf die Erde gefallen sind. An Stelle dieses allgemeinen Schemas hätten wir lieber einen Hinweis auf die köstlichen Genrebilder des Meisters gesehen. Die Medaille wurde ihm „von seinen Kunstgenossen in Nah und Fern" gestiftet. Wäre sie von jüdischer Seite ausgegangen, so hätte das Bild des Thora* Schreibers auf die Rückseite gehört. Marmorek in Wien hat als Architekt einen guten Ruf. Daß er aber auch auf dem Gebiete der Malerei zu Hause ist, erfahren wir aus dem Bronzegußmedaillon Nr. 90, auf dem Zirkel und Palette als Symbole erscheinen. Ein beachtenswertes Kunstwerk ist das große silberne Hohlmedaillon Nr. 89 für den Architekten Fleischer. Aus vertieftem Felde tritt das sehr erhabene Brustbild hervor. Fleischer ist der Er* bauer der Synagogen im 6. und 7. Bezirk Wiens, in Budweis, Krems und anderen Orten, die Synagogen in Nikolsburg und Lundenburg wurden von ihm renoviert. Unsere Medaille hat der Isr. Tempelverein für die Bezirke Mariahilf und Neubau in Wien „in huldigender Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um den Tempelbau" dem Ehrenmitgliede Fleischer bei der Einweihung der Synagoge am 1. September 1884 gestiftet. Auf der Rückseite der Medaille ist das schöne Gottes* haus abgebildet. 9. Musiker, Sänger. 92. Giuditta Pasta in Mailand (1798-1865), 1829 zu ihrer Ernennung zur ersten Kgl. Kammer* Sängerin. B. 93. Joseph Fischhof in Wien (1804-1857), 1851. S. 94. Siegfried Ochs in Berlin, 1882 zum 20 jährigen Bestehen des philharmonischen Chors. S. 95-96. Joseph Joachim in Berlin (1631-1907), 1902. B., S. 97. Hermann Levi in München (1839-1900), 1889' zum 50. Geburtstage. B. 98. Alfred Grünfeld in Wien, 1902 zum 50. Ge* burtstage. B. Pasta war eine der ersten dramatischen Sängerinnen, die nicht nur in Italien, sondern in allen Ländern gefeiert wurde. Wir besitzen nicht weniger als sechs verschiedene Medaillen, die ihr gewidmet wurden. Eine derselben, ein Bronze* gußmedaillon, rührt von David d'Angers aus dem Jahre 1828 her. Auch als Darstellerin war sie bedeutend. So heißt es von ihr auf einer Medaille: „sublime nel canto, unica nell* azione". Während F i s c h h o f sich als Pianist aus* zeichnete, war der Münchener Kapellmeister Levi (Nr. 97: Abb. 4) der hervorragendste Dirigent Wagnerscher Opern. Als er 1894 Generalmusik* direkter wurde, hatte der Sohn des damals noch lebenden Gießener Rabbiners das Bekenntnis zum einzigen Gotte Israels bereits abgeschworen. Treu blieb uns Ochs, der Gründer und langjährige verdienstvolle Leiter des Berliner philharmonischen Chors, nun nach Auflösung desselben Professor an der Charlottenburger Musikhochschule. 10. Schauspieler. 99. Elisa Rachel* Felix in Paris (1821-1858), 1846. B. 100-101. Adolf v. Sonnenthal in Wien (1834 bis 1909), 1881 zum 25 jährigen Künstler* jubiläum, 1904 zum 70. Geburtstage. S. 102. Ludwig Barnay in Berlin, 1890 zum 30jährigen Künstlerjubiläum. B. Wie Pasta auf dem Gebiete des Gesanges, so war Rachel als Schauspielerin die erste ihrer Zeit. Als Darstellerin der altklassischen französischen Tragödie hat sie bis heute nicht ihresgleichen ge* funden. Auf einer der bei uns vorhandenen drei Medaillen sind sämtliche von ihr gespielten Rollen aufgezählt. Gleich ausgezeichnet war Sonnenthal, der jedoch nicht nur in klassischen Rollen, sondern auch im modernen Schau* und Lustspiel hervorragte. Auf der Rückseite der ihm überreichten Medaille Nr. 100 (Abb. 5) ist die Stätte seines Wirkens, das Wiener Hofburgtheater, abgebildet. Zum 70. Geburtstage hat unsere Schwesteranstalt, das „Jüdische Museum*4 in Wien, die Silbergußplakette Nr. 101, seinem „Vizepräsidenten" gewidmet, eine Ehrung für den Meister, wie für das Museum.

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