Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 193 - 194 (sequence 1)
- Language
- German
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193 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 194 DIE ZWEITE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTSAMMLUNG DER JUEDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN Von Moritz Stern. III. 4. Gelehrte, Dichter, Schriftsteller. 38—39. Jacob Abraham und Sohn [Abraham Abrami son]: Moses Mendelssohn in Berlin (1729 bis 1786), um 1770, S. Nachbildung 1829, Elfen, bein auf Zinn. 40. Moses Mendelssohn, um 1775. Eisen. 41. Ludwig Börne in Paris (1786-1837), 1836 zum 50. Geburtstage. B. 42. Moritz Gottlieb Saphir in Wien (1795 bis 1858). M. 43-45. Heinrich Heine in Paris (1799-1856)» 1906 S„ 1912 B. 46. Hermann Goldschmidt in Paris (1802-1866), 1868 zur Entdeckung der 100 Planeten zwischen Mars und Jupiter. Seine christlichen Kollegen, die Astronomen I. R. Hind und R. Luther, sind mitporträtiert. S. 47. Adolph Meyer in Berlin (1829-1894), 1892. B. 48. Salomon Hermann v. Mosenthal in Wien (1821-1877), nach seinem Tode. B. 49. Joseph Piza in Hamburg (1824-1879), nach seinem Tode. S. 50. Ludwig August Frankl v. Hochwart in Wien (1810-1894), 1880 zum 70. Geburtstage. S. 51. Otto Hirschfeld in Wien, 1885 zu seinem Abschiede von der dortigen Universität. B. 52. Max Donebauer in Prag (1838—1888), nach seinem Tode. S. 53. Eduard Forchheimer in Wien, 1890 zum 70. Geburtstage. S. 54. Eduard Bacher, Moriz Benedikt, Adolph Werthner in Wien, 1890 zum 25 jährigen Be* stehen der „Neuen Freien Presse". B., vergoldet. 55. Moriz Benedikt in Wien (1835-1920), 1896 zum 40 jährigen Schriftstellerjubiläum. B. 56. Emin Pascha (1840-1892), 1891. S. 57. Theodor Gomperz in Wien, 1892 zum 60. Ge* burtstage. S. Die Mendelssohn* Medaille Nr. 38 des Berliner Medailleurs Abraham (Abb. 1) hat nicht allein durch die saubere Ausführung der Vorder? und Rückseite, sondern noch mehr durch ihre Porträtdarstellung besonderen Wert. Der Kopf des Weltweisen erscheint hier neben der Chodo* wieckischen Zeichnung am naturgetreuesten. Leider fehlt dem Gesichte im Profil durch den Mangel des Augenglanzes die rechte Beseelung. Die Rück* seite zeigt einen Totenkopf, auf dem ein Schmettere ling mit ausgebreiteten Flügeln nach rechts kriecht. Die Überschrift Phaedon weist auf das gleiche betitelte, im Jahre 1767 erschienene Buch Mendels* sohns und das diesem beigegebene Titelbild hin, auf dem Sokrates mit Totenkopf und fliegendem Schmetterling dargestellt ist. Doch welcher Forte schritt in der Vervollkommnung der Zeichnung von jenem Schädel des Titelkupfers zu dem von Abraham medailliertem! — Eine genaue Wieder* gäbe der Abrahamschen Arbeit ist das Brustbild Mendelssohns, das 1829 zur Feier seines 100. Ge* burtstages in Elfenbein auf englischem grauen Zinn ausgeführt wurde, ovales Medaillon in ver* goldetem Bronzerahmen (Nr. 39). Nicht viel später als Abraham seine Medaille prägte, kann das große Eisenmedaillon Sahlers Nr. 40 gegossen worden sein.. Es lehnt sich im Porträt eng an das Abrahamsche Vorbild an, nur daß bei Sahler das Kinn mit dem Bart nicht so spitz und das Gesicht nicht so mager, sondern voller erscheint. Auch ist der Backenbart mehr gekennzeichnet. Der Totenkopf mit Schmetterling wurde infolge des fehlenden Raumes nur zur Hälfte wiedergegeben. Ausgezeichnet ist das große Bronzeguß* medaillon Nr. 41 mit dem Kopf Börnes in sehr hohem Relief. Es rührt von keinem Ge* ringeren als David d'Angers her, der eine ganze Reihe solcher Porträt*Reliefmedaillons geliefert hat. Während so Börne noch vor seinem Tode medailliert wurde, ist seinem Schicksalsgenossen Heine kein gleiches Los beschieden gewesen. Wie ihm erst spät ein öffentliches Denkmal ge* setzt wurde, so haben sich auch die Medaillen* künstler erst im 20. Jahrhundert seiner angenommen. Die Zeichnung von H. Kautsch Nr. 43 (mit dem Geburtsjahr 1797!) zeigt uns den Dichter in ge* beugter Haltung auf einem Lehnstuhl sitzend, auf der Rückseite der Medaille einen über Wolken schwebenden Genius, darunter die Heinesche Klage: „Aus meinen großen Schmerzen mach* ich die kleinen Lieder". Die beiden anderen Me* daillen von Luise Staudinger (Nr. 44) und E. Herter (Nr. 45) bringen die Brustbilder des Dichters. Durch den künstlerischen Entwurf fesselt die Rückseite der Staudingerschen Medaille: Vor einem ornamentierten Hintergrunde, in dessen Mitte eine Tafel eingelassen ist mit den plastisch hervor* tretenden Dichterworten: „Mein Lied war Lust und Feuer, hat manche schöne Gluten angefacht", legen zwei knieende nackte Frauengestalten ein Rosengewinde nieder.