Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1921)
- Article
- Josef Israels
- Date
- 1921-07-01
- Page
- Seite 183 - 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2583875-2584101-2584105-2607369--18246-2607398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
183 Josef Israels 184 genossen findet, eine Kultur, die wohl nur zu erklären ist, wenn man Israels sowohl als den eingesessenen Holländer als auch als den an* gestammten Juden richtig bewertet. Er war 1824 geboren, kam aus den kleinsten Verhältnissen und verbrachte seine Jugend in dem Amsterdamer Ju* denviertel. Er sollte zuerst Rab* biner werden und empfing durch seinen Unterricht die Lehren einer alten Tradition, die den Blick tief in das Innere menschlichen Denkens l'und Fühlens leiten. In der mittel* alterlichen Enge des Ghetto sah er schicksalbe* ladene Menschen, begegnete er wur* zelfesten Cha* rakteren und weit* abgewandten Tys pen, sog er den Hauch einer ur* alten Kultur in sich ein und ward so, ehe er selbst hinaustrat ins Le* ben, in den Grundfesten sei* nes eigenen We* sens gestählt und gehärtet. Drau* ßen aber fand er dann den großen JOSEF ISRAELS Meister seiner Selbstbildnis Kunst, das Vor* bild seines Schafifens, denjenigen Künstler, dem einst in denselben Gassen dieselben Gestalten begegnet waren, der sie wie kein anderer vor oder nach ihm wiederzugeben verstanden. Diesem großen Landsmann folgte er nach, ihn suchte und bewunderte er allerorten, ihn verstand er auch wie kaum ein anderer: Rembrandt blieb ihm das höchste Vorbild. Dieses Suchen nach dem Unendlichen und Rätselhaften, das Durchblinken des Dunkels, dieses Beseelte und Erhabene alier Menschlichkeit — das sind die gleichlautenden Grundakkorde dieser beiden klassischen Holländer. Bei Israels klingt noch mehr Lyrik mit, er ist mehr Romantiker, neigt, zum Senti* mentalen und stimmt alles auf Innigkeit ab. Wennman'sich sein reiches Schaf* fen vergegenwär* ■ tigt, so staunt man über die Kraft, mit der sich dieser Künstler fortent* wickelthatEr ver* fiel nicht in eine seichte Sentimen* talität, sondern er * klomm durch sein immenses Kön* nen, seinenScharfblick für die ihn umgebende Kunst und eine rück* sichtslose Selbst* kritik eine Hö* he des künstle» rischen Ausdruk* es, daß seine Wer* ke als die bedeu* tendsten Schöps fungen der hollän* dischen Malerei und vielleicht als letztes Glied der glorreichen Tradi* tion dieses Landes ihre nie schwin* dendeGeltungbe* halten werden. — .Seine Kunst erlahmte selbst im höchsten Alter nicht; ja, sie verklärte sich immer mehr und ward zum Ausdruck reiner Menschlichkeit Das Selbst* bildnis, das wir diesen Zeilen beigeben und das er aus Anlaß seines 85. Geburtstages dem Bezalel in Jerusalem zum Geschenk gemacht hat, nennt Liebermann „einen ganzen echten Israels: ganz und gar vergeistigt, Seele gewordene Malerei".