Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
- Article
- Felix Ernst Peiser
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 131 - 132 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Felix Ernst Peiser 132 FELIX ERNST PEISER [ Mit dem am 25. April unerwartet verschiedenen ordentlichen Honorarprofessor der semitischen Sprachen an derKönigsberglerUniversität Dr. Felix f rnst P eise 17 ist einer der bekanntesten Orientalisten heimgegangen. Geboren 1862 in Berlin als Sohn des Verlagsbuchhändlers Wolf Peiser, studierte er an der dortigen Universität zuerst klassische Philologie und Geschichte, um sich dann den semitischen Sprachen und speziell, angeregt von Eberhard Schräder, der Assyriologie zuzuwenden. Er vollendete seine Studien in Leipzig bei Fleischer und dem damals jungen Friedrich' Delitzsch. Nach vierjähriger Privatdozentur in Breslau, wo er manchen Hörer des Rabbinerseminars in die Assyriologie einführte, habilitierte er sich' an der Universität Königsberg, wo er erst verhältnismäßig spät eine ordentliche Honorarprofessur erhielt. Seine wichtigsten Veröffentlichungen liegen auf dem Gebiete des babylonischen Rechts. Ein Teil derselben, darunter auch1 die erste wissenschaftliche Bearbeitung des codex Hammurabi (1904), jst in gemeinsamer Arbeit mit Joseph' Kohler entstanden. Später hat er sich auch mit Studien zur alttestamentlichen Textkritik beschäftigt, als deren Resultat seine Arbeiten zu den Propheten H a b a k - Ivuk (1903) und Hosea (1914) erschienen. Er versucht in denselben, den ursprünglichen Text unter Ausscheidung aller späteren Glossen zu rekonstruieren. Wenngleich er hier mit seiner Kritik weit über das Ziel hinausschoß, hat er doch durch die methodische Darstellung aller nur denkbaren Formen der Glossierung prinzipiell Wichtiges geleistet. Am bekanntesten wurde sein Name als Redakteur der 1898 von ihm begründeten Orientalistischen Literaturzeitung, die er seitdem ununterbrochen bis zu seinem Hinscheiden unter «erheblichen pekuniären Opfern herausgab. Neben einer Fülle eigener wertvoller kleinerer Arbeiten, die er in derselben niederlegte, verstand er es, einen ganzen Stab von tüchtigen und zum Teil hervorragenden Mitarbeitern aus allen Ländern und Bekenntnissen zusammenzubringen. Auch die Wissenschaft vom Judentum, speziell die hebräische und aramäische Sprachwissenschaft fand dort eifrige Pflege. Als kritisches Organ, das schnell und unparteiisch über alle wichtigeren Erscheinungen auf dem Gebiete des vorderen Orients berichtete, war die Zeitschrift im In- und Auslande gleich angesehen. Eine gewisse Schärfe des Tones, die namentlich in den ersten Jahrgängen sich bemerkbar machte, war der natürliche Ausfluß der Enttäuschungen, die das Leben Peiser in reichem Majße brachte, und die ihren Ursprung teilweise in dem Widerstand der älteren Orientalistenschule gegen die Anerkennung der Assyriologie als selbständigen Lehrfaches, teilweise in seinem Festhalten am Judentum ihre Erklärung finden. Trotzdem Peiser weder zum religiösen noch zum nationalen Judentum irgendwelche inneren Beziehungen hatte, wies er als ausgeprägter Charakter alle Zumutungen/ durch Abfall sich die Karriere zu erleichtern, mit Mannesstolz zurück. Neben seinem Hauptarbeitsgebiet wandte er sich im letzten Jahrzehnt mit besonderem Eifer der Erforschung der Vorgeschichte Ostpreußens zu, leitete persönlich' mehrere Ausgrabungen, und wurde schließlich Vorsitzender der Altertumsgesellschaft Prussia. Bei der Trauerfeier sprach' Rabbiner Dr. Perl es, der Peiser als Freund und Mitarbeiter an seiner Zeitschrift nahestand, und hob als seine Haupteigenschaft in Anknüpfung an Spr. Sal. 28,20 die Treue hervor, die der Heimgegangene als Gelehrter und Dozent, als Mensch und Jude in gleicher Weise bekundete. - Der folgende Redner, Geheimrat Prof. Bezzenberger, dessen Nachfolger Peiser in der Leitung der Prussia war, rühmte seine Verdienste um die Gesellschaft und würdigte auch seine menschlichen Eigenschaften, durch welche er eine in der Gegenwart seltene Erscheinung darstellte. Zum Schluß sprach Prof. Bergsträsser als Fakultäts- und Fachkollege und gab ein Bild von seinen Leistungen auf orientalistischem Gebiete. Aus allen drei Reden klang die aufrichtige Trauer um den edlen, ehrlichen und selbstlosen Forscher, dessen Andenken bei all seinen Bekannten nicht erlöschen wird. Kennzeichnend für Peisers geistige und seelische Eigenart ist nachstehende kleine Episode, die Schreiber dieser Zeilen vor 20 Jahren aus seinem eigenen Munde erfuhr. Ein alter hiesiger Univeritätsprofessor fragte ihn einmal, woher es käme, daß alle Zeiten, alle Völker und alle Individuen* die gleiche Abneigung gegen die Juden zeigten. Es könnten sich doch nicht alle gegen die Juden verschworen haben, es müsse also doch an ihnen selbst liegen. Worauf die Antwort erfolgte: „Gewiß, Herr Geheimrat. Die Juden haben eben eine Kultur von etwa 4000 Jahren, und Sie haben eine Kultur von höchstens 400 Jahren. Das ist der Haß der Parvenüs gegen die Adligen/' Angesichts einer solchen Aeußerung muß man sich fragen: Hat dieser Mann wirklich, wie er immer behauptete, keine innere Gemeinschaft mit dem Judentum gehabt oder gehörte er nicht vielmehr zu denen, die nach Roseggers treffenden Worten bei Gott schwören, daß sie an keinen Gott glauben? F. P.