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Ost und West · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1921) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1921)
Date
1921-03-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 3/4 März-April 1921 XXI. Jahrs:. DIE ANFÄNGE DES CHRISTENTUMS Von Simon Bernfeld. Das Verhältnis des Christentums zum Judentum1, wie jenes aus diesem hervorgegangen ist und sich zu ihm' schon in frühester Zeit in ausgesprochenen Gegensatz gestellt hat, ist bereits vielfach zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung und der literarischen Darstellung gemacht worden. Wir besitzen darüber eine vielsprachige, umfangreiche und kaum noch zu übersehende Literatur, ohne daß trotzdem gesagt werden könnte, daß dieses geschichtliche Problem völlig gelöst oder daß auch nur über die wichtigsten Punkte eine Uebereinstimmung in der Auffassung erzielt worden sei. Man kann dies vielleicht darauf zurückführen, daß schon die ältesten Quellen, die evangelischen Schriften, so viele Widersprüche aufzuweisen haben, und zwar nicht bloß in dem erzählenden Stoff, sondern auch in der Tendenz, d. h. in dem Verhältnis zum Judentum. Das ganze evangelische Schrifttum ist stark polemisch durchsetzt^ fast auf jedem Blatt begegnen wir in ihm eine Spitze gegen das Judentum. Aber ebenso häufig beruft es sich auf die Bibel, insbesondere auf die Propheten, durch die für die Wahrheiten der christlichen Lehre Beweise gewonnen werden sollen-und außerdem die Geschehnisse im' Leben Jesu als seit langem vorausgesagt erscheinen. Mit diesem widerspruchsvollen Verhalten gegen die Mutierreligion tritt das Christentum schon in der ältesten Zeit auf. Es hat diese Schwierigkeit bis auf den heutigen Tag nicht überwinden können. Die wissenschaftliche Forschunghat sich gerade in den letzten Jahrzehnten zu der Ueberzeugung durchgerungen, daß das Christentum geschichtlich auf dem Boden des Judentums steht und ohne dieses nicht verstanden werden kann. Man hat sogar einsehen müssen, daß das bloße Heranziehen des biblischen Schrifttums, wie es vornehmlich David Friedrich Strauß getan hat, zur kritischen Aufhellung des Urchristentums nicht genügt. Deshalb ist man in der letzten Zeit zur Erforschung des nachbiblischen Judentums oder, wie es in den Kreisen der christlichen Theologen heißt, des „Spätjudentums" übergegangen. Ein nach Objektivität strebender hervorragender Forscher, Emil Schürer, äußert sich darüber mit folgenden Worten: „Keine Tatsache der evangelischen Geschichte, kein Wort in der Verkündigung Jesu Christi ist denkbar ohne die Voraussetzung der jüdischen Geschichte und der ganzen Vorstellungswelt des jüdischen Volkes" (Geschichte des Jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi, 3./4. Aufl., Bd. 1 S. 1). Neben diesem wissenschaftlichen Bestreben geht aber, vornehmlich in der protestantischen Welt, eine andere entgegengesetzte Strömung, die nicht in der Forschung, sondern im Gefühl ihre Quelle hat. Das Christentum soll möglichst von seinem Ursprung losgetrennt und befreit werden. Was in ihm jüdisch ist, wird als rein äußerlich und zufällig hingestellt. Es soll hier nicht von jenen ge-i sprochen werden, denen es* unerträglich erscheint, daß Jesus als Jude von jüdischen Eltern geboren, wurde und immer in einer jüdischen Umgebung gelebt und gewirkt hat, wie auch die Apostel ihrer Geburt und . Erziehung nach dem jüdischen Volk •angehören. In dieser Gefühlsäußerung kommt die ■Rassenabneigung zum Ausdruck, die wissenschaftlich gar nicht verwertet werden kann. Aber selbst die Tendenz, die christliche Lehre vom Judentum loszutrennen, beruht in der Hauptsache auf der Abneigung gegen die Mutterreljgion, die. schon bereits von Kant in ziemlich schroffer Form ausgesprochen wird. Aus diesem Grunde hat man eine

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