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Ost und West · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1921) · p. Seite 7 - 8

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
Article
Jakob Steinhardt
Date
1921-01-01
Page
Seite 7 - 8 (sequence 1)
Language
German
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7 Jakob Steinhardt 8 JAKOB STEINHARDT. Von Dr. Karl Schwarz. Die Ereignisse des Weltgeschehens im Verlaufe der letzten Jahre haben manchen sich auf sich selbst besinnen lassen. Viele, die bisher unstät umherirrten, fanden ihren Platz. Je stärker die Not, je drückender die Last, je aussichtsloser das momentane Geschick, desto heller wurde es in den zu Boden Geschmetterten, desto klarer JAKOB STEINHARDT Aus dem Mappenwerk Sabbat (Holzschnitt) Berlin Jüdische Motive" im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin leuchtete ihr Ich empor, und desto intensiver fühlten sie bisher unbekannte Kräfte in sich er* starken. Das große Vclkserlebnis dieses Weltkrieges ist das spontane Erwachen der jüdischen Seele. Unzählige, die nichts mehr von ihrem Judentume wußten, fanden sich in ihm wieder und erblühten dadurch zu ungeahnter Kraft und zu frischem Lebensmut. Heute ist diese Welle der Begeisterung durch alle Länder gedrungen. Die Jugend hat sich, kühn entschlossen, voll Enthusiasmus der neu ent* falteten uralten Fahne angeschlossen, das Alter wurde mitgerissen, und in dieser allgemeinen Er* hellung, in diesem Freudentaumel, erkannten sich Brüder und Schwestern, fielen die Masken einer Talmikultur und öffneten sich die Herzen gegen* einander. Es ist ein großes Erleben, das wir an unserem Judentum gewahr werden, ein Beleben des starr gewesenen Körpers, ein Aufzucken und ein Sich* aufbäumen in allen Fasern dieses weitverzweigten Baues. Und aus der Reihe derer, die den neuen Ruf vernommen, erheben sich ungeahnte Meister: Staatsmänner und Diplomaten, Gelehrte und Lehrer, Künstler der verschie* densten Artjund Hand* werker aller Berufe. Schaut euch die Werke der jungen jüdischen Künstler an, und ihr werdet in ihnen eine neue Welt wiederfinden; ihr werdet staunen über die kraftvolle bildne* rische Macht und über die Seele, die euch dort entgegenglüht. Einen dieser kraft* vollen Künder, einen dieser Propheten dieses jungen Judentumes zeige ich euch hier. Er dringt hinab in die Tiefen des Lebens, er zeigt uns die, die ein verkümmertes Dasein in trostloser Um* gebung führen, Verachtete ihrer Mitbürger, Ge* knechtete ihrer Lands* leute. Menschen, denen das ganze Leben in Dumpfheit dahin* schleicht, und die nichts weiter kennen, als das bischenSonnenschein,das der unerschütterliche Glaube an ihre Väter in ihre Seelen träufelt. Nehmt die Blätter dieses Künstlers zur Hand, um zu erkennen, wie stilles Dulden, wie stummes Ertragen ausschaut; wie es den Menschen zerschleißt und zermürbt, wie es ihm Falten ins Gesicht meißelt und das Auge verschleiert, wie es die Bewegungen hart und eckig macht und den Nacken beugt, wie es die Sonne kaum in die niederen Hütten strahlen läßt, und wo sich alles, ja alles in Dunkel hüllt. Versteht ihr die Worte dieses Künstlers? Hört ihr den Aufschrei seiner Seele? Merkt ihr das grollende Zittern, das ihn bei dieser Arbeit befällt, fühlt ihr das Leid, das er gewaltig herausschreit ob der Knechtschaft der Brüder und Schwestern und des dumpfen Loses, das sie immer noch um^

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