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Ost und West · 1920-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1920) · p. Seite 290 - 291

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1920)
Article
Zu Benno Elkans Denkmal "Den Opfern"
Date
1920-11-01
Page
Seite 290 - 291 (sequence 3)
Language
German
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290 Das Forschungsinstitut für die Wissenschaft des Judentums 291 durch sich selbst; stumm, aber eindringlich. Dies Kunstwerk ist nichts anderes und nichts weniger, als die restlose und reinste Gestaltwerdung seines seelischen und sittlichen Gedankens. Nicht flach naturalistisch und nicht mit irgend einem „Stil" experimentierend. Das Problem der Form scheint mit müheloser Selbstverständlichkeit bewältigt, in dennoch einmaliger, unnachahmlicher Lösung. Aus eisemhartem, nordischem Granit wie für eine Ewigkeit gemeißelt, steht dieses Kriegsdenkmal da, — ein zeitüberdauerndes Sinnbild unseres neuen Wollens. — Der Dank für diese politisch wie künstlerisch kühne Tat gebührt, nächst dem Künstler, Benno Elkan, den Stiftern, Frankfurter Bürgern, und dem Magistrat der Stadt, der für das Denkmal diesen bevorzugten Platz zur Verfügung stellte. H.K.Z. DAS FORSCHUNGSINSTITUT FUER DIE WISSENSCHAFT DES JUDENTUMS*) Von David Hartwig Baneth DER GEDANKE DES FORSCHUNGSINSTITUTS Von mehreren Seiten ist in den letzten Jahren der Ruf nach einer neuen Festigung, einer Neuorientierung, ja im einen oder andern Sinne einer Neubegründung der Wissenschaft des Judentums erhoben worden, und diese Bestrebungen haben bereits in weiteren Kreisen einen solchen Widerhall gefunden, daß der Grundstein zu einer „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" durch Begründung eines Forschungsinstituts gelegt werden konnte. Die Bedeutung der Tatsache, daß das deutsche Judentum — im Verein mit Gliedern der noch tiefer geschwächten russischen Judenheit — gerade in schwerster Zeit die Kraft zu einer solchen Schöpfung auf geistigem Gebiete gefunden hat, ist in der vorigen Nummer von „Ost und West" gebührend gewürdigt worden. Wie aber erklärt sich diese auffallende Erscheinung? Ist es denn die theoretische Forschung, was uns heute not tut? Besitzen wir nicht bereits einen so großen Schatz geistiger Werte, daß es nur darauf ankäme, diesen Schatz durch hohe, mittlere und elementare Schulen zu verbreiten, ihn zum Eigentum aller unserer dem Judentum noch nicht verlorenen Schichten zu machen? Und wenn das erforderliche Lehrermaterial noch nicht bereit steht, genügt es nicht, die vorhandenen Rabbiner- und Lehrerseminare auszubauen und zu vermehren? Wozu also der reinen Wissenschaft gewidmete Institute, deren Forschungsergebnisse im einzelnen doch nur selten von Interesse für die Allgemeinheit, geschweige denn von Bedeutung für ihr Sein scheinen? Die Tatsache, von *) Im Anschluß an den in der letzten Nummer von „Ost und West" erschienenen Aufsatz „Die- Akademie für die Wissenschaft des Judentums und ihre Aufgaben" wollen die folgenden Zeilen versuchen, Ziele und Wege des Forscluingsirfstituts für die Wissenschaft des Judentums von anderer Seite her zu beleuchten. der wir ausgingen, heischt eine Beantwortung dieser Fragen im positiven Sinne, wenn anders ernsthafte Bewegungen stets der Ausdruck eines wirklich vorhandenen Bedürfnisses, einer empfundenen Lücke in der Gegenwart sind. Die Antwort ist in zwei Richtungen gegeben. Einmal handelt es sich — und dies mag wohl der erste Gedanke gewesen sein1.) — um einen mehr äußerlichen Notstand, der nur einen begrenzten Teil der Wissenschaft des Judentums zu betreffen scheint, dessen Beseitigung aber doch eine Reorganisation ihres Ganzen zur Voraussetzung hat. Es gilt, die Einseitigkeit der christlich - theologischen Anschauung vom Judentum zu überwinden, welche in unseren eigenen Reihen immer mehr Platz greift und zerstörend wirkt — zu überwinden nicht durch Entgegensetzung einer jüdisch-theologischen Einseitigkeit, wie sie gerade bei denkenden Juden bisher unserer wissenschaftlichen Produktion den Kredit genommen und den Glauben an das eo ipso überlegene Urteil der christlichen Theologen nicht ohne Grund genährt hat, sondern durch vertiefte, von innen heraus orientierte und aus umfassender Kenntnis der jüdischen Quellen schöpfende, doch keine Beziehung nach außen vernachlässigende Erforschung des Judentums unter Wahrung strengster, gegen uns selbst rücksichtsloser Objektivität. Nur wenn unsere Wissenschaft der christlichen methodisch mindestens ebenbürtig, in Beherrschung des Stoffes aber überlegen ist, kann sie das Vertrauen gewinnen, welches zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins notwendig ist. Der zweite Punkt betrifft den Kern des jüdischen Bildungsproblems. Hierbei handelt es sich 3) Franz Rosenzweig, Zeit ists. . . Gedanken über das jüdische Bildungsproblem des Augenblicks (Berlin- München 1918), S. 19.

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