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Ost und West · 1920-09-01 · Heft 9-10 (September-Oktober 1920) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 9-10 (September-Oktober 1920)
Date
1920-09-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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Osts» ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT \/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 9/10 September-Oktober 1920 XX. Jahrg. DIE AKADEMIE FUER DIE WISSENSCHAFT DES JUDENTUMS UND IHRE AUFGABEN DIE AKADEMIE ALS FUEHRERIN DES GEISTIGEN LEBENS Mit hoher Freude wird es in der ganzen, nicht nur in der deutschen Judenheit begrüßt werden, daß in Berlin eine Akademie für die Wissenschaft des Judentums im Entstehen begriffen ist, sich bereits konstituiert und ihren Arbeitsplan entwickelt hat. Mitten in dem unermeßlichen Elend und der Not des Zusammenbruchs, und trotz der drohend von allen Seiten aufsteigenden antisemitischen Hochflut, richtet sich die Judenheit auf und greift wie mit einer Reflexbewegung zu ihrer urewigen Rüstung des Geistes, gleichwie Rabbq.n Jochannan ben Zakkai in der Stunde des Untergangs daraut bedacht war, die Akademie von, Jamnia zu retten, gleichwie die Deutschen in der Zeit schwerster Bedrängnis die Berliner Universität gründeten, und neuerdings, in diesen Jahren tiefster Erschöpfung und äußerlichen Rückgangs und großer innerer Wirren drei neue Pflegestätten der Wissenschaft ausgebaut und' errichtet haben. Es liegt ein großartiger, heroischer Zug darin, daß eine Volksgemeinschaft, über die materielle Not hinweg, trotzig den Glauben an das Geistige bewahrt und aus ihm neue Lebenskraft trinkt. Dieser Glaube hat noch niemals getrogen. Deutschland war von Anbeginn die Hauptpflegestätte der Wissenschaft des Judentums, und dieser Umstand sicherte der deutschen Judenheit die Führung innerhalb der gesamten jüdischen Gemeinschaft. Historische und geographische Tatsachen haben dieses Ergebnis gezeitigt. Die zentrale Lage Deutschlands bewirkte, daß die Strömungen vom Westen, vom Osten und vom Süden sich hier begegneten und kreuzten und einander befruchteten. In Deutschland waren im 18. Jahrhundert volkreiche jüdische Gemeinden, die in lebhaftem Verkehr mit dem Osten standen, wo die großen Judenmassen lebten. Die gewaltige kulturelle Ueberlegenheit Deutschlands, welche Russen und Polen, erstere seit Peter dem Großen, letztere seit Mitte des 18. Jahrhunderts, dankbar anerkannten, und der sie nachstrebten, kam auch den Juden zugute, und dies um so mehr, als ihre Umgangssprache ihnen die Erzeugnisse der deutschen Geistesarbeit le'icht zugänglich machte. Das Aufblühen der historischen und philologischen, namentlich der semitolögischen und biblischen Studien in Deutschland, nicht zuletzt aber die deutsche Philosophie seit Kant und Hegel, förderten den in den Wirrnissen der Emanzipationskämpte erwachten und' immer mehr erstarkten Drang nach Selbsterkenntnis, der schon sehr früh zum rein wissenschaftlichen Interesse ausreifte; auch die Kämpfe für und gegen die Reform boten hüben und drüben Anlaß zu tiefschürfenden wissenschaftlichen Untersuchungen, die alsogleich über die Tendenz hinaus objektive Wege einschlugen. All das übte eine große Anziehungskraft auf alle wachen und regsamen Geister unter den Juden, namentlich der östlichen Länder. Die gewaltigen aufgespeicherten 'Massen von althergebrachter ^Gelehrsamkeit wurden im Tiegel deutscher Kritik und deutscher Methode zu moderner Wissenschaft umgeschmolzen. Die Namen der Städte Berlin, Frankfurt a. M., Breslau, Lemberg, Brody, Zolkiew, Tarnopof, werden in der Geschichte der Wissenschaft des Judentums unauslöschlich prangen. Dem Organisationstalent der deutschen Juden verdankt, ebenso wie die jüdische Publizistik, so auch der erste Verein zur Förderung des jüdischen Schrifttums sein Entstehen. Die ersten Lehrstätten für den wissenschaftlichen Betrieb der aut das Judentum Bezug habenden historischen und philologischen Disziplinen entstanden in Deutschland;

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