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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Date
1920-05-01
Page
None (sequence 5)
Language
German
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fjspjÄBe ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GEi FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5/6 Mai-Juni 1920 XX. Jahrg. ISRAEL IN WAFFEN. Wenn ein Jude oder ein Judenfreund etwa aus der Zeit Mendelssohns heute aufstünde, so würde er sich vor Staunen nicht fassen können. Dazumal traten einige erlauchte) Geister, zuerst in Deutschland, dann in Frankreich, mit dem unerhört kühnen Gedanken auf, der Staat, der allmächtige, alles Leben beherrschende und regulierende Staat solle in den Juden menschen - gleiche Wesen anerkennen und ihnen vom dem, was man damals bürgerliche "„Rechte" und „Freiheiten" nannte, wenigstens einen Schimmer zubilligen. Das hieß, man solle sie von dem Zwang befreien, den gelben Lappen an der Brust und den spitzen Hut auf dem Kopfe zu tragen, an jedem Stadttor wie das liebe Vieh den Leibzoll zu entrichten, Sondersteuern zu zahlen, in hermetisch verschlossenen engen, dumpfen Gassen zu wohnen. Die Kühnsten gingen so weit, zu verlangen, man solle ihnen "den Zutritt zu den öffentlichen Schulen gestatten und sie zur Ausübung der Handwerke und Künste sowie zum Betreiben des Ackerbaues zulassen, wovon sie seit Jahrhunderten durch strenge Gesetze ferngehalten worden waren. Ein Heer von Gegnern erhob sich, um diese grundstürzenden Forderungen zu bekämpfen, Bataillone von Gründen wurden ins Feld geführt, um zu beweisen, daß die Forderungen unmöglich verwirklicht werden könnten, ohne daß die Welt in ihren Grundfesten zu wanken anfinge. Das wichtigste der Argumente, welches i ogar von den wohlwollendsten unter den Gegnern immer, wieder ^heryorgekehrt wurde, lautete: die Juden seien ihrer ganzen seelischen und körperlichen Beschaffenheit nach' ungeeignet, Waffen zu führen, also nicht imstande, das Vaterland zu verteidigen. Wer nicht Waffen zu führen und das Vaterland zu verteidigen imstande ist, habe nicht nur keinen Anspruch, auf gleichem Fuß mit den anderen behandelt zu werden, sondern sei überhaupt ein minderwertiger Mensch, dazu bestimmt, in den dunklen Niederungen ein halb vegetatives, halb animalisches Leben zu führen, in die höheren Regionen des vollberechtigten Kulturlebens dürfe er sich nicht hinauf wagen. Man hielt dem entgegen, daß die Juden ja ehemals an allen kriegerischen „Tugenden" den tapfersten Völkern - nicht nachstanden, daß eine gewaltige Militärmacht, wie das römische Reich, seine ganze Kraft aufbieten mußte, um mit ihnen fertig zu werden, also müsse ihre jetzige militärische Untaugiiehkeit eine Folge ihrer Entrechtung sein und würde bei entgegengesetzter Behandlung stufenweise weichen. „Auf dieses Experiment wollen wir uns nicht einlassen," antworteten die Gegner. „Vielleicht gelingt's, wahrscheinlich ist das nicht. Vorderhand liegen die Sachen so, daß, wer nicht die Waffen führen kann, auch kein Vollbürger sein darf." Es dauerte nicht allzu lange und die Juden hatten Gelegenheit, auf dem Schlachtfelde ihren Mann zu stellen; man mußte zugeben, daß der jüdische Soldat vor dem Feind nicht minder brauchbar war als sein nichtjüdischer Kamerad. Immer mehr wurden die Juden zum Militärdienst ^genommen", und dem folgte, oft in sehr weitem Abstand, die Gewährung eines kleinen Zipfels von Bürgerrechten. Am jgroteskesten und widersinnigsten vollzog* sich dieser Prozeß im zarischen Rußland1). Aber in den sechziger und siebziger Jahren" des vorigen Jahrhunderts war die „physische und psychische Untauglichkeit der Juden zum Militärdienst" aus der Reihe der Argumente x) Vergleiche die Schilderung der Grausamkeiten in „Ost und West", Jahrg. 1916, Heft 2/3.

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