Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1920)
- Article
- Dr. Arthur Hantke
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 15 - 16 (sequence 1)
- Language
- German
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15 Dr. Arthur Hantke 16 DR ARTHUR HANTKE. Im Januar dieses Jahres hat der Führer des deutschen Zionismus, Dr. Arthur Hantke, seinen Wohnsitz nach London, dem heutigen Mittelpunkt der zionistischen Bewegung, verlegt. Mit ihm scheidet eine Persönlichkeit aus dem jüdischen Leben Deutschlands aus, deren Bedeutung weit über den Kreis der zionistischen Partei hinausragt, weshalb auch wiran diesem für das deutsche Judentum bedauerlichen Ereignis nicht ohne Beachtung vorübergehen können. Weit entfernt von jeder parteimäßigen Engherzigkeit, hat Dr. Arthur Hantke allen jüdischen Angegenheiten warmes Interesse und Mitarbeit gewidmet, und seine streng sachliche und versöhnliche Art hat oft auch da noch ein Zusammenarbeiten ermöglicht, wo unüberbrückbare Gegensätze zu bestehen schienen. Seine ausschlaggebende Stellung im deutschen Zionismus verdankt er neben seinen reichen Kenntnissen und Erfahrungen und sympathischen Charaktereigenschaften wohl auch dem Umstände, daß er seine ganze Zeit und Arbeitskraft ehrenamtlich seinem Lebensideal,- der zionistischen Arbeit, widmete. Dieses tat er schon zu einer Zeit, als das Eintreten für zionistische Ideale die gesellschaftliche Stellung und die Berufsaussichten eines jungen jüdischen Rechtsanwalts noch sehr stark zu gefährden geeignet war. Daß dies heute nicht mehr der Fall ist, daß der Zionismus auch bereits im Berliner Westen „salonfähig'' geworden ist, ist zum nicht geringen Teil auf das Wirken Dr. Hantkes zurückzuführen. Für ihn selber bedeutete aber Dr. Arthur Hantke noch die Hingebung an die zionistische Arbeit ein sehr großes persönliches Opfer. Bei seiner außergewöhnlichen Arbeitskraft und Tüchtigkeit und den erforderlichen Familienbeziehungen wäre er, wenn er den vorgeschriebenen Weg gegangen wäre, wohl heute einer der gesuchtesten Berliner Anwälte, Justizrat und Aufsichtsrat soundso vieler Aktiengesellschaften, und was einem jungen jüdischen Rechtsanwalt sonst noch alsZukunftshoffnung vorschweben mag... Er zog es vor, sein Leben und sein reiches Können seinem jüdischen Lebensideal zu widmen, und dafür müssen wir ihm alle, welche Stellung wir auch sonst zu den zionistischen Bestrebungen einnehmen mögen, Dank wissen. Das Ausscheiden einer derartigen Persönlichkeit bedeutet für das gesamte jüdische Leben Deutschlands einen schweren Verlust, am meisten aber natürlich für die zionistische Partei, der er seine ganze Lebensarbeit gewidmet hat. Seine hervorragende Arbeitskraft wird jetzt an einer änderen Stelle dringender gebraucht, denn der Schwerpunkt der zionistischen Arbeit ist — wie so manches andere — durch den Krieg und seine Folgen von Berlin nach London verlegt worden. Auf diesen Ort, an dem die Schicksale von Ländern und Völkern geschmiedet werden, sind zurzeit auch die Blicke und Hoffnungen von Millionen leidender Juden gerichtet. Möge es Dr. Hantke vergönnt sein, das1 auf ihn gesetzte Vertrauen auch an seiner neuen Wirkungsstätte in vollem Umfange zu rechtfertigen.