Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1918)
- Article
- Minna Lewi
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 381 - 382 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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381 Minna Lewi. 382 MINNA Von Professor Minna Lewi ist ein Talent, dessen Qualitäten entdecktwerden müssen. Sie hat eine ausgesprochene Vorliebe für das Intime, Zarte, Unscheinbare, und eine ebenso ausgesprochene Abneigung gegen alles Rauschende, Flunkernde, gegen alles Hübsche, Augenfällige. Künstler dieser Art haben es in den meisten Fällen sehr schwer, Anerkennung und Bei* fall beim lieben „großen" Publikum zu finden. Meist sind sie auch im Leben, als Menschen, zu* rückhaltend, schüchtern, verstehen es nicht, für sich Reklame zu machen, sich in den Vordergrund zu drängen, das breite Publikum zu gewinnen. Nur die wenigen, die ein geübtes Auge und ein verfeinertes Kunstverständnis zu ihnen führt, wissen ihren vollen Wert zu schätzen und behalten sie lieb und teuer. Das sind aristokratische Künstler, obwohl sie in den Allüren gleich wie in der Wahl der Stoffe und deren malerischen Behandlung durchaus demokratisch sind. Alle Kunst, insofern sie echt, ist nämlich ihrem Wesen nach aristo* kratisch, wendet sich an die Besten und Erlesensten, und sie ist in Stotfwahl und Behandlungsweise sachlich, und darum demokratisch. Sie nimmt den Stoff, der ihr einer künstlerischen Formung wert scheint, überall wo sie ihn findet, und formt ihn so, wie ihr inneres Gesetz es gebieterisch fordert. Sie sucht das Cha* rakteristische herauszuarbeiten,es in ewige, unvergängliche Formen zu bannen. Dieses Charakteristische eben steht jenseit von allen Klassen* und Standes*, sogar von allen Bildungsunterschieden, findet sich am Bauern und Arbeiter, am Einfältigen und Unwissenden ebenso, wie an den gesellschaftlich und kulturell Höchst* stehenden. Diese beiden Eigenschaften scheinen mir die Hauptmerkmale des reichhaltigen und mannigfachen Schaffens von Minna Lewi zu sein. Sie liebt das Licht und die Farbe, behandelt beide aber unge* wohnlich diskret, mit weiblicher Grazie und Anmut und zugleich mit männ* licher Herbheit und Strenge. Dabei ist sie von peinlicher Exaktheit und unge* wohnlicher Sicherheit in der Zeichnung. Es ist ein wahrer Genuß, sich in ihre kleinen Bilder zu vertiefen. Im Chaos LEWI. C. Wei ß. einer Ausstellung können sie nur schwer zur vollen Geltung kommen, hat man sie aber entdeckt, so : fühlt man das Bedürfnis, sie in sein Arbeits* zimmer zu nehmen, sie dort festzunageln, um sie stets um sich zu haben und sie immer von neuem betrachtend zu genießen und sich an ihnen zu erfreuen. So sind ihre feinen und stillen Interieurs, so ihre Landschaften, ihre Ra* cfierüngeK und Federzeichnungen. Das kompo* sitorische Element ist bei ihr meist das Licht und sein Gegenspiel, der Schatten, mittels deren sie das Menschenantlitz und das Spiel der Mienen unge* wohnlich lebensvoll und wirksam zu behandeln ver* steht. Dieser Vorzug im Können scheint sie be* sonders auf das Bildnis hinzuweisen. Auf diesem Gebiete dürften ihr große Erfolge beschieden sein. Darauf lassen ihre anderen Bilder schließen. Auch wo der lebendige Mensch bei ihr nur Staffage ist, w:m ^^^fmwmM ' 5^',r' / Mß&zzim? &'£*Jr*m /&t' ^»Sr-- .WS*.; ■ ,{^g|| '■riv MINNA LEWI BERLIN Mutter und Kind (Oelbild)