Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Herausgegeben und redigiert - - von LEO WI N Z. Alle Rechte vorbehalten. Heft 11/12 November - Dezember 1918. XVIII. Jahrg. AN UNSERE LESER. Infolge der wiederholten und außerordentlichen Erhöhung der Herstellungs* und der Versand* kosten unserer Zeitschrift können auch wir uns der zwingenden Notwendigkeit nicht länger entziehen, den Bezugspreis vom 1. Januar 1919 ab zum ersten Male zu erhöhen. Die J a h r e sgebühr wird fortab betragen: für die einfache Ausgabe (durch die Post) M. 6.—, für die mittlere Ausgabe (unter Streifband) M. 8.—, für die Kunstdruckausgabe M. 16.—. Das Inhaltsverzeichnis zu den Jahrgängen 1917/18 von „Ost und West" erscheint in Kürze und wird unseren Lesern auf Verlangen unentgeltlich zugestellt. Der Verlag. VOELKERBUND UN Wohl kein Ereignis der Weltgeschichte hat die Gedanken so tief aufgewühlt und die besten Köpfe zu ernstem Nachsinnen über das Leben und die Ziele der Völker und Staaten angetrieben, wie der gegenwärtige Krieg, — ebenso wie er alle schreiblustigen Federn und alle leichtbeweglichen Zungen in Bewegung gesetzt hat. Bergehoch hat sich die „Kriegsliteratur" in den letzten viereinhalb Jahren aufgetürmt. Meere von Tinte und Druckerschwärze hat sie verschluckt. Von diesen hohen Bergen werden nach einigen, Jahren ein paar kleine Hügelchen zurückbleiben, aber diese werden aus wahren Edelsteinen zusammengesetzt sein. Doch auch diese werden erst geschliffen werden müssen, um in voller Leuchtkraft zu erstrahlen. Es war ja unvermeidlich, daß Gedanken von bleibendem Wert eingebettet werden mußten in Hüllen von flüchtigen Stimmungen und Bemerkungen, die der Augenblick eingab und die hastig wechselnden Ereignisse dem1 Beobachter gewaltsam aufdrängten. Was der nächste Tag bringen würde, wußte niemand. Aber was aus dem ganzen Lauf der Ereignisse sich als ein Dauerndes heraus kristallin sieren müßte, das ahnten tnur wenige: Zu diesen wenigen gehört Wi 1 he 1 m: Jerusalem', in dessen Buch „Der Krieg im Lichte der Gesellschaftslehre" (Stuttgart, Ferdinand Erike) der 'Gedanke des Volker b undes ausgesprochen und wissenschaftlich begründet wurde/ lange bevor ) STAATENWUERDE. er zum politischen Programm der Friedensstifter im1 Westen geworden war. Das ganze Buch bildet einen Versuch, „das erschütternde Erlebnis des Weltkrieges mit Hilfe der soziologischen Methode dem' Verständnis näher zu bringen", betrachtet also die Dinge' nicht vom augenblicklichen partei- oder nationalpolitischen Standpunkt, sondern sucht sie aus dem' Bau der menschlichen Gesellschaft und der Natur des Menschen zu verstehen. Doch zuvor einige Worte über den Verfasser. Seit dem' Wiederaufleben des philosophischen Interesses in Europa haben auf den Gang der Entwicklung mehrere jüdische Denker als Forscher und Deuter, sowie als selbständige Gedankenschöpfer ■einen tiefgehenden Einfluß geübt. Das gebildete jüdische Publikum weiß leider von ihnen in den meisten Fällen nur wenig, aber auch sie wissen vom Judentum meist sehr wenig, oft wollen sie davon nichts wissen, gestehen nur widerwillig ein, daß sie . dem jüdischen Volk entstammen, ihm ihre Begabung, oft auch starke und entscheidende Aufregungen der jüdischen Gedankenwelt verdanken. Man erinnere sich z. B. an Theodor und Heinrich Gomperz, an den jüngst verstorbenen Georg Simmel oder an Henri Bergson. Diese Abwendung von allem Jüdischen) sagt man uns häufig zur Entschuldigung, geschehe aus allgemein menschlichen Motiven, die. Philosophie stehe über allen, konfessionellen, nationalen und Stammesunterschieden, ein großer Denker gehöre der ganzen Welt. Diese