Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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PSP?W€ST ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^/ FÜR^DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 9 September 1918. XYII1. Jahrg. SEIN ODER NICHTSEIN? vi. DER SCHUTZ GEGEN DEN „ZERSETZENDEN" JUEDISCHEN GEIST. Man hat uns also eingeschärft, daß die moderne Kulturwelt, und besonders Deutschland, in Gefahr stehe, durch den Judengeist, sei er nun „mammonistisch" oder „zersetzend", in den Grund gebohrt zu werden. Gegen den crsteren. wird die unblutige Austilg*ung der Juden durch Vertilgung des Judentums empfohlen. Gegen den letzteren aber hat M ax S c h e 1 e r ein ungleich subtileres Mittel ersonnen. Ihm gilt es, daß der Staat sich des Einflusses1 des ■ Judengeistes erwehre, der in Deutschland so überhand genommen, daß er. sogar die Außenwelt zum Haß gegen die Deutschen aufgestachelt habe. „Haben denn die Juden,"' fragt Scheler, „mehr Einfluß bei uns, als bei unseren westlichen Nachbarstaaten?" Darauf antwortet er mit einem Ja und einem Nein. Da sie prinzipiell vom' Offiziers- . und - Verwaltungsberuf ausgeschlossen sind, so haben sie" \,viel, viel weniger verantwortlichen Einfluß, - aber sie haben sehr viel unverantwortlichen, weniger sichtbaren Einfluß als in Frankreich und in England", nämlich infolge der überaus dichten Zusammendrängung im mittleren und höheren Kaufmannsberuf, sowie in „den geistigen freien Berufen der Wissenschaft, Kunst, der Presse, des politischen Führertums, ' der Rechtsanwaltsohaft usw." Die' Zurückdrängung vom Offiziers- und Verwaltungsberuf bewirke, versichert Scheler, bei den Juden ein „nicht unberechtigtes Gefühl des inneren, ra c h e heischenden, zum mindestenstark auf alle negativen Werte des Landes eingestellten Beleidigtseins unserer Juden, — doppelt gefährlich durch den berechtigten welthistorischen Stolz des hochbegabten Volkes, dessen . Gottesidee Europa eroberte". Dem ist abzuhelfen durch ,,eine andere Verteilung" der Juden über das Ganze der deutschen Arbeit", die eintreten würde, wenn man die Juden zum höheren Verwaltungsdienst, Offiziersberuf usw. zuließe, dadurch Avürde der „verantwortliche Einfluß, an Stelle des übermäßigen, unverantwortlichen" treten. Zugleich verschwände bei den Juden jenes gefährliche innere racheheischende Beleidigtsein, das auf alle negativen. Werte eingestellt ist (d. h. viel zu viel Kritik übt und zersetzend wirkt). Man sieht, zwei-an Höhenlage (und Richtung so grundverschiedene Geister verordnen gegen den Judengeist beinahe dasselbe Medikament, nur in verschiedener Zubereitung, die Ingredienzien sind in abgeänderter Reihenfolge gemischt. Beide stört es arg, daß die Juden sich üb er mäßig, an der Politik beteiligen. Aber wenn Scheler es ihnen .verargt, daß, sie in der Wissenschaft und -der Kunst Führerrollen innehaben, so kann man sich darob verwundern. Und es dürfte ziemlich aussichtslos sein, die jüdischen Führer in Kunst und Wissenschaft von diesen anstößigen Beruf särten abzulenken, indem man ihnen die Laufbahn des Offiziers und Verwaltungsbeamten erschließt. Auffällig ist es, da,ß ein Philosoph, wie-Scheler, die .Führerschaft in Kunst, Wissenschaft und Politik nur als Beruf, nicht als B e r u f u n g ansieht. Nicht ganz verständlich ist auch seine Auffassung der V e r a n t w o r 11 i ö'hk e i t. Er meint, ein Vcrwaltungsbeamter oder Offizier trage eine höhere Verantwortlichkeit, als der in einem freien, wirtr schaftlichen oder geistigen Beruf tätige Mann. Man kann nicht glänzender seine Eignung zürn' Staatsphilosophen bekunden, als dies Scheler tut, indem er die Begaffe der Verantwortlichkeit und