Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 8 (August 1918)
- Article
- Löwe [Illustration]
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 261 - 262 (sequence 1)
- Language
- German
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261 Neue Bahnen in der hebräischen Sprachforschung, 262 LEO KATZ Löwe (Wandgemälde) WIEN NEUE BAHNEN IN DER HEBRAEISCHEN SPRACHFORSCHUNG. Von Simon Bernfeld. Vor mehr als dreißig- Jahren, im fahre 1886, veröffentlichte Friedrich Delitzsch eine umfangreiche Streitschrift unter dem Titel „Prolegomena eines neuen Hebräisch-Aramäischen Wörterbuches zum Alten Testament", die in Fachkreisen große Beachtung fand. In der Form war diese Streitschrift eine scharfe Kritik, die Delitzsch an den älteren Auflagen des viel verbreiteten und viel benutzten „Hebräischen und Aramäischen Handwörterbuches über das Alte Testament" von Gesenius übte, inhaltlich aber trat er darin mit einer These ■auf, die bisherige Methode der hebräischen Sprachforschung aufzugeben und eine neue zu wählen. Er wies nämlich darauf hin, daß. die AsSyriologie, zu deren Hauptvertretern Delitzsch selbst zählt, von großer Bedeutung nicht nur für die Bibelkunde, sondern auch für die Erforschung des Hebräischen sei. Man hatte Sich seit etwa zwei Jahrhunderten, seit Schurfens, daran gewöhnt,, im Hebräischen alles aus dem Arabischen zu erklären, was vielfach zu einer geradezu halsbrecherischen Etymologie führte, indem man oft zur Erklärung des hebräischen Wortes ein solches aus dem Arabischen heranzog, das in dieser Sprache genau das Gegenteil von dem bedeutete, was es in der Bibel, wie aus dem Zusammenhang zu ersehen war, besagen sollte. Dies wies Delitzsch an der Hand zahlreicher Beispiele unwiderleglich nach. Der Schaden, den diese falsche Methode in der Bibelkunde verursachte, erscheint unübersehbar. Denn bei biblischen Worten, deren Sinn aus dem Zusammenhang leicht erkennbar ist, kann man die bezeichnete Etymologie als eine müßige Spielerei hinnehmen. Es kommen jedoch im biblischen Schrifttum manche Worte nur ziemlich selten vor, und bei einer falschen etymologischen Deutungergaben sich oft absonderliche Sprachbilder, die hei jedem unbefangenen Leser ein Kopfschülteln hervorrufen mußten. Man pflegte sich in solchen Fällen damit zu helfen, daßi man diese Wunderlichkeiten in der biblischen Sprache auf Rechnung der „orientalischen Fantasie" setzte. Delitzsch hob nun hervor, daßi sich vieles aus dem Assyrischen viel besser und ungezwungener erklären lasse, wodurch erst die biblischen Sprac'hbilder einen rechten Sinn erhalten. Ich möchte hier gleich anführen, daß diese Forderung- Delitzschens in der Hauptsache um einige Jahrzehnte älter ist.