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Ost und West · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1918) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
Date
1918-05-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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ösF^kesr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5/6 Mai-Juni 1918. XVIII. Jahrg. HERMANN COHEN. Von Rabbiner Dr. J. Lewkowitz, Berlin. Mit Hermann Cohen, dem Marburger Philosophieprofessor,- der vor kurzem im Alter von 76 Jahren gestorben ist, hat die jüdische Welt eine markante Persönlichkeit verloren, die für die geistige Kraft und den sittlichen Idealismus des jüdischen Stammes weithin sichtbares Zeugnis abgelegt hat. Wenn man gegen die jüdische Intelligenz der Vorwurf erhebt, daß: sie zweifelsüchtig und auflösend ist, nicht aufbauend, sondern zerstörend wirkt, so ist Cohens) philosophische Lebensarbeit ein Kampf gegen alle sophistische Skepsis gewesen, ein zuversichtlicher und entschlossener Versuch, die Gültigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis1 in ihrem methodischen Fortschritt gegen jeden Zweifel zu sichern. In ihm lebte ein unerschütterlicher Glaube an die schöpferische ,Kraft des menschlichen Denkens, und er besaß, den Mut und das konstruktive Vermögen, ein System der Welterkenntnis zu entwerfen, das alle Gebiete der Wirklichkeit in sich schließt. Darum sind ihm Plato und Kant Führer geworden, die beiden Philosophen, die den Nachweis erbracht haben, daßi nicht die sinnlich wahrnehmbare Welt die vom Menschen unabhängige letzte Wirklichkeit bildet und der menschliche Geist nur die Eindrücke wiederspiegelt, die er von ihr empfängt, sondern das Denken erst die, Wirklichkeit schafft. Cohen repräsentiert so den Typus eines entschiedenen und sclbstgewissen Rationalisten. Für ihn gibt es'nur einen Weg zur Wahrheit: wissenschaftliches, methodisches Denken. Gegen alles irrationale im Menschen, gegen die rätselhaften Mächte des Fuhlens, die geheimnisvolle Fähigkeit genialer Intuition, gegen alles bildhafte Denken künstlerischer Phantasie war in ihm ein unüberwindliches Mißtrauen wachsam. Nur das Denken vermag die Wahrheit zu finden, weil es die Wirklichkeit, 'die Welt der Begriffe, selbst hervorbringt. Damit ist aber dem Erkennen auch seine ewige Grenze gezogen. In die vom menschlichen Denken unabhängige metaphysische Welt dringt kein Strahl der Erkenntnis. In seiner intellektuellen Grundhaltung, seiner Stellung zum Erkenntnisproblem wiederholt sich demnach in Cohen die Form des Kantischen Geistes. Sie besitzen beide dasselbe Vertrauen zur menschlichen Denkkraft und dieselbe Resignation. Sie kämpfen beide gegen Skepsis und Empirismus und gegen den Hochmut der menschlichen Vernunft, die es unternimmt, der Welt in .das Innerste ihres Wesens zu blicken. Nur ist dem jüdischen Denker der Verzicht auf die metaphysische Erkenntnis leichter [geworden. Er scheint die Schopenhauerscbe Behauptung" von dem metaphysischen Bedürfnis des Menschen Lügen zu strafen. Das metaphysische Reich hat für ihn keinen Reiz, sein Denken bewegt sich ausschließlich in der wissenschaftlichen Welt der Begriffe. Vom Standpunkt eines solchen einheitlichen und konsequenten Rationalismus aus hat Cohen die Kantische Philosophie aufgefaßt und umgebildet. In dem System des Königsberger Philosophen sind Denken und Anschauung, logische, psychologische und metaphysische Elemente vieldeutig verbunden. Die selbständige Leistung Cohens scheint mir nun darin zu liegen, daß er aus der Kantischen Philosophie alles ausgeschieden hat, was nicht rein logischer Art ist. Das gilt in gleicher Weise von der Erkenntnistheorie, wie von der Ethik. Damit gewinnt das Kantische System erst seine letzte methodische Einheit. Auf

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