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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 565 - 566

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Rabbiner Dr. Abraham Salomon Frank
Date
1917-11-01
Page
Seite 565 - 566 (sequence 2)
Language
German
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565 Rumänien und seine Juden. 566 Was er an dem Gedeihen der Alliance Israelite Universelle gearbeitet hat, das hat „Ost und West" im März 1907, Heft 3, seinen Lesern mitgeteilt. Seit demlRabbinatsantritt 1876 gehörte Frank dem Cemral- Comitee der Alliance an; auf dessen Wunsch wurde ihm die Nachfolgerschaft des seligen Kollegen Dr. Landsberg-Liegnitz übertragen. Er hat die deutsche Uebersetzung und den Versand der Berichte für Deutschland und das Ausland, eine mühsame Arbeit, hingebungsvoll besorgt und in Wort und Schrift ist er für das Wiederaufleben der Alliance Israelite tätig gewesen, insbesondere in Deutschland. Franks Tätigkeit als Priester des Friedens, seine Beziehungen zu vielen der angesehensten Kirchenfürsten und Staatswürdenträgern, wie er als wirklicher Repräsentant der jüdischen Religion in Köln Kardinäle veranlaßt hat, dem Antisemitismus in Rheinland und Westphalen mannhaft und erfolgreich entgegenzutreten, d|as zu schildern, würde den Rahmen eines kurzen Nekrologes weit überschreiten. Das war Kiddusch ha Schern. Der Kaiser und seine Regierung haben Franks patriotisches Wirken anerkannt und ihn zum Dank für seine Verdienste um Vaterland und Vaterstadt mit Ehren und Würden ausgezeichnet. Das ist alles bekannt. Heute möchte ich noch als langjähriger Vertrauter und Freund des edlen hochgesinnten Mannes zur Würdigung seiner Persönlichkeit hinzufügen, daß er ein Weiser, gewesen, weise nicht bloß als tüchtiger Kenner von Bibe3,TalmudunddenrabbinischenWissenschaften,nicht nur als Meister des Wortes, der bedächtig, sinnreich, geistvoll und in der Form schön, in der Diktion rein und fließend, und im Vortrag packend gesprochen, ein Weiser auch, der im Sinne Lessings eintrat für Milde, Versöhnung und Duldsamkeit nach außen unter allen Konfessionen und nach Innen zwischen allen Richtungen. Das Wort der heiligen Schrift: „Abraham war alt, kam in die Tage und Gott hat ihn mit allem gesegnet", kann auf ihn voll angewendet werden, auch er erreichte ein hohes Alter, sein Wissen und Können wurzelte im Alten, den ehrwürdigen Traditionen des alten Judentums, alt an Jahren, erfahren und reif an Weisheit der Alten, kam er in die Tage, „ba bajjamim", d. Ii. ging er 'mit den Tagen, mit der Zeit, hatte er Auge,' Ohr und Herz für das Zeitbedürfnis, für das, was die Tage der Jetztzeit erheischen. Mit den Alten alt, war er mit der Jugend jung, und beim .Festhalten an dem ehrwürdig Alten lauschte er auch im Unterricht und im Seelsorger wirken auf die Pulsschläge der Zeit und des Lebens, und beides zusammen ergab den Segen in Allem, in der Familie, an der Seite einer edlen Gattin, vortrefflichen Söhne, in der Gemeinde, in Staat und Gesellschaft. Noch einen Zug darf ich nicht außer acht lassen: Franks unversiegbaren Humor bis ins hohe Alter hinein, sprühender Witz, geistvolle Gleichnisse gewannen ihm alle Kreise überall. Zur Charakteristik Abraham Franks möchte ich zum Schluß dieser Skizze, auf den vorhin betonten Einheits- und Versöhnungsgedanken zurückkommend, noch das Wort des Midrasch Rabba anführen: „Matbea schel Abraham abinu saken u sekenah mizzad seh, bachur u bethulah mizzad seh." Die Münze unseres Vaters Abraham trug ein Wappen: auf der einen Seite ein Greis und eine Greisin, auf der anderen ein Jüngling und eine Jungfrau. Ein schönes Bild für einen Patriarchen, der auf ein und derselben Münze das Alter und die Jugend vereint trägt — hohes Alter und blühende Jugend — des hohen Alters Ehrwürdigkeit, Erfahrung, Weisheit und Reife vereint mit den Zügen schaffensfroher, dem Leben zugewandter Jugend — das war auch Deine Münze, mein seliger Freund, Rabbiner Dr. Abraham Salomon Frank — Dein Andenken zum Segen! RUMAENIEN UND SEINE JUDEN. Von Dr. S. Schiffer. IX. DIE VORFRUECHTE DER EMANZIPATION. Wie wir gesehen haben, stand kurz nach dem Berliner Kongreß die Sache der rumänischen Juden so, daß die Signatarmächte unnachgiebig schienen, während die Bukarester Staatsmänner versicherten, die Judenfrage sei eine rein innere Angelegenheit, die sie auf eigene Faust lösen wollten. Inzwischen hatte man in Rumänien mit der Verwirklichung des Willens von ganz Europa auf eigene Weise begonnen. Daß man ein Schriftstück unter den Juden kreisen ließi, in welchem diese durch Massenunterschriften feierlich erklären sollten, sie verzichteten auf ihre durch den Kongreß aufgezwungene Emanzipation, wird nicht wundernehmen in Anbetracht der oben gekennzeichneten Strömungen, die im Lande herrschten. Ebensowenig ist es verwunderlich, daß die Juden diese Zumutung höflich, aber entschieden ablehnten. Zwei Wochen nach Unterzeichnung des Berliner Vertrages, am 26. Juli 1878, befahl der Ministerrat den Verwaltungsbehörden, „alle der Gesellschaft schädlichen Individuen" zu verhaften und außer Landes zu verweisen, auch wenn sie mit regelrechten Pässen versehen waren. Das war eine Auffrischung der Verordnung von 1872, wonach Juden, die nicht eine bestimmte Summe als' Besitz aufweisen konnten, oder augenblicklich be-

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