Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
- Article
- Neuzeitliche Menorah-Formen
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 563 - 564 (sequence 2)
- Language
- German
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563 Rabbiner Dr. Abraham Salomon Frank. 564 Stücken von besonderem Kunstwert; leider ist aber festzustellen, daß auch bei diesem Gegenstände «ine Art Industrie im Laufe der Jahre Platz griff und künstlerisch minderwertige Erzeugnisse auf den Markt warf. Endlich wäre noch ein gut gemeintes Industrieerzeugnis des letzten Jahrzehntes zu er* wähnen: eine Messingmenorah, ganz im Stile des Jerusalemer Leuchters, aber mit beiderseits vier Seitenarmen, und so klein, daß eben noch dünne Kerzchen in den Näpfchen Platz finden. Der Verfasser, der die Wechselbeziehungen zwi* sehen altjüdischer und christlich * mittelalterlicher Kunstübung zum Gegenstande seiner Forschungen gewählt, hat Versuche angestellt, wie die alte Kults form der Hausmenorah neuzeitlich zu gestalten wäre. Die Kriegszeit wies gebieterisch auf das Eisen als Stoff der Bearbeitung hin. Um nun mit diesen Versuchen auch Lehrzwecke zu verbinden, hat der Verfasser die von ihm entworfenen Zeich* nungen dem Direktor der staatlichen Fortbildungs* und Gewerkschule Herrn Floethgen in Posen überlassen mit der Anfrage, ob diese Entwürfe etwa in den z. Z. für Kriegsbeschädigte eingerich* teten Lehrgängen als Modelle Bearbeitung finden könnten. Durch das freundliche Entgegenkommen des genannten Herrn Direktors entstanden nun* mehr die beiden im Bilde vorgeführten Leuchter unter fachmännischer Leitung des Werkstätten* meisters Herrn Van na, der sein großes kunst* gewerbliches Können in diesen Arbeiten nicht minder bewies als seine Lehrbefähigung gegenüber den kriegsbeschädigten Handwerkern. Die beiden Stücke, die jedem Wohnräume zur Zierde gereichen dürften, sind etwa 30 cm breit und 25 cm hoch. Formell ist das eine Stück dem salomonischen Leuchter verwandt. Die Schwierigkeit, acht Kerzen anstelle der durch die sechs Arme bedingten gleichen Anzahl Lichträger aestetisch befriedigend anzuord* nen, wurde durch Einschalten je einer Rankenreihe nächst dem Mittelschaft behoben. Durch Aufreihen der acht Kerzenhalter auf einen gemeinsamen, wagerechten Steg wurde nicht nur eine konstruktiv sondern auch formalistisch erwünschte obere Ab* schlußlinie geschaffen. Das zweite Beispiel zeigt bewußte Anklänge an die Form eines der kost* barsten siebenarmigen Leuchter mittelalterlicher Herkunft: an das gigantische Kunstwerk in der (jetzt evangelischen) Oberkirche zu Frankfurt a. d. Oder. Ranken mit dazwischen angebrachten Wappenschildern tragen hier die wagerechte Schiene, auf der die Lichtbehälter zwanglos gereiht erscheinen. Die alte, gute Handwerkskunst wird immer mehr durch unschöne, kitschige Industrieware an die Wand gedrückt. Der Verfasser glaubt mit der Mitteilung dieser Entwürfe die Anregung dafür zu liefern, daß wieder weitere Volkskreise die Erzeug* nisse des Kunstgewerbes beachten mögen; die Ghettojuden Polens haben z. B. hierin höchst Be* achtenswertes geleistet. Es gilt also nur da anzu* knüpfen, wo die neuzeitliche, durch nichts gerecht* fertigte Geringschätzung des Handwerkes leider den Jahrhunderte alten Faden handwerklicher Ueber* lieferung jäh zerrissen hat. RABBINER DR. ABRAHAM SALOMON FRANK. Von Rabb. Dr. D. Leimdörfer. Israel trauert um den Verlust eines weithin, bekannten geistlichen Patriarchen, dessen Wiege in Holland gestanden, dessen Schule in Deutschland und dessen Arbeitsfeld und Wirkungsstätte in Oesterreich und Deutschland für die Gesamtjudenheit der Welt gewesen ist. Es ist dies Rabbi Abraham Salomon Dr. phil. Frank, geboren am 22. Februar 1839 in Oudbeyersland in Holland, studiert am Gymnasium zu Arnheim, dann am theologischen Rabbinerseminar in Breslau unter Zacharias Frankel und Heinrich Graetz und promoviert an der Universität Leipzig, gewirkt als Geistlicher der jüdischen Gemeinden Saaz in Böhmen, Linz in Oesterreich, und von 1876 bis 1917 als erster Rabbiner in Cöln. Am 27. Cheschvan 5678, d. i. 11. November laufenden Jahres im 78. Lebensjahre eines überaus segensreichen, verdienstvollen Lebens schlummerte er hinüber in die Ewigkeit. Was Frank seiner Gemeinde Cöln gewesen, ein treuer Vater und Führer, Lehrer und Erzieher, Freund und Wohltäter, welche großen Institute zur Erhaltung des religösen, ethischen und sozialhumanitären Lebens innerhalb dieser ansehnlichen Gemeinde er ins Dasein gerufen und bereichert hat, das hat der Mund seines Vorstandes und Amtsbruders an seinem Grabe gekündet. Der Macht seiner Persönlichkeit gelang es, zahlreiche Anstalten und Asyle für Waisen, Kranke und Altersschwache zu gründen und zu fördern und das Handwerk unter den Juden am Rhein wesentlich zu unterstützen, als Strafanstaltsgeistlicher dem siozialethischen Verfall zU steuern, an der Spitze des Verbandes der deutsch-israelitischen Literaturvereine der jüdischen Wissenschaft zü dienen und besonders daheim bei Alt und Jung für den [Ausbau der Ideen der jüdischen Religion und der Wissenschaft wie für deren Pflege stets mit Eifer wärmstens einzutreten.