Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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OSF« ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT V FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 11(12 Noyemfoer — Dezember 1917. XVII. Jahrg. HEERESDIENST UND VATERLANDSDIENST DER DEUTSCHEN JUDEN IM KRIEGE. Von Dr. A. Kahn. Si vis pacem, para bellum — das gilt leider auch für den Burgfrieden, man kann ihn nur. erhalten oder wieder herstellen, wenn man über ein wohlausgerüstetes Arsenal geistiger Waffen verfügt, die man zur gegebenen Stunde hervorholt und gewandt zu gebrauchen versteht. Beim Ausbruch des Weltkrieges und eine geraume Weile nachher glaubte wohl niemand, daß die deutschen Juden es nötig haben würden, sich gegen den Vorwurf des mangelnden Patriotismus zu wehren. Aber bald kam es anders. Der Judenhaß ist doch eine viel zu bequeme Waffe im Parteikampf, als daß man auf die Dauer ihn entbehren möchte. Nur zu bald wurden denn auch die alten Schlag wort e hervorgeholt, neu herausgeputzt und in die Massen geworfen. Zu allererst wurden die Juden als ,,Drückeberger" hingestellt; es wurde aufs genaueste herausgerechnet, daß' unter den Gefallenen und Verwundeten die Juden um einige Zehntel Prozent weniger vertreten sind, als ihrem Anteilan der Bevölkerungsziffer entspricht. Dann fand man heraus, daß die Juden in den Kriegswirtschaftsgesellschaften und hinter der Front viel zahlreicher vertreten sind, als sie es, ihrer Bevölkerungsziffer gemäß', sein sollten. Schließlich wurden die Juden für die Lebensmittelknappheit und die Teuerung verantwortlich gemacht: sie äßen der christlichen Bevölkerung die Nahrungsmittel weg und sie seien es, die die größten Kriegsgewinne einheimsten; sie seien es, die ein Interesse an der Verlängerung des Krieges1 haben. Das verdichtete sich zu dem Stichwort: „Der Krieg wird nicht eher aufhören, bis der letzte Jude Millionär geworden ist" — ein Wort, das seiner knappen Fassung wegen geeignet ist, in der breiten Volksmasse von Mund zu Mund zu gehen. Gleichzeitig wird verbreitet, daß „die Juden und ihre Presse" die Flaumacher seien, die auf einen vorzeitigen Frieden hinarbeiten, auf einen Hunger¬ oder Verzichtfrieden. Ueber den Widerspruch, der in diesen beiden Behauptungen liegt, setzt man sich leichten Herzens hinweg*; jede für sich ist vorzüglich geeignet, den Haß gegen die Juden anzufachen und kann als Ablenkungsmittel für die Unzufriedenheit der Massen -treffliche Dienste leisten. So wird im stillen die Munition für einen neuen antisemitischen Feldzug vorbereitet, der zum passenden Zeitpunkt mit aller Kraft unternommen werden soll. Es ist darum mit Dank zu begrüßen, daß vor kurzem zwei Schriften erschienen sind, welche diesen ganzen Komplex von Fragen lichtvoll und auf Grund eines reichen, aus ersten Quellen geschöpften Materials behandeln. „Konfessionelle Militärstatistik" von R. E. May (XIII. Ergänzungsheft zum Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, Tübingen, Verlag von J. C. Mohr, 1917) und „Die deutschen Juden im Weltkriege" von Karl Hilmar (Selbstverlag des Verfassers, Berlin W. 35, Flottwellstr. 7). Um die lautgewordenen Verdächtigungen des Patriotismus der deutschen Juden zu entkräften, hat bekanntlich das preußische Kriegsministerium statistische Erhebungen über die Juden im Heere ange-