Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Ein neuer Kunstsalon
- Date
- 1917-09-01
- Page
- Seite 403 - 404 (sequence 2)
- Language
- German
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403 Ein neuer Kunstsalon. 404 Neben Wolfsfeld, der vor kurzem mit dem Professortitel ausgezeichnet wurde, erscheint den Lesern dieser Zeitschrift Joseph Oppen* h e i m e r mit seinem bereits a. O. (O. u. W. Juli* heft 1911) besprochenen und abgebildeten Boudoirstückchen als alter Bekannter. Auch Hugo Krayn (O. u. W. Maiheft 1913) ist mit einem interessanten Zyklus neuer Lithogra* phien ver* treten, die gegenüber den früheren Arbeiten eine immer mehr sich entwik* kelnde Groß* zügigkeit und Freiheit erkennen lassen. Die von Jacob Plessn er gesandten plastischen Werke be* gegneten uns bereits des öfteren, nur mit dem ei* nen Unter* schied, daß die Klein* plastik des biederen Bäuerlein nunmehr in Holz ge* schnitzt, noch über* zeugender die drastische Formenge* bung wieder* gibt. ArnoldZadikow wirkt in seinen Kriegs* piaketten immer gewaltig, Margot Lipmann mit einigen Radierungen überzeugend. Ernst P i c k a r d s großes Golusbild kennen wir bereits aus der großen Kunstausstellung; der geübte Porträtist erweist sich auch hier — wie in dem Bildnis eines Majors — als ein tüchtiger Charakterdarsteller und Typenpräger. Eine Neuerscheinung dagegen ist Michel F i n g e s t e n,der mit einer großen Anzahl graphischer Blätter hervortritt, die ein durchaus ernstes Kunst* streben erkennen lassen. Zunächst überwiegt bei Davfid Haltrecht: Stilleben ihm noch das Literarische, das ihn zu gewaltsamen und etwas gefährlichen Kompositionen verleitet. Auch fehlt ihm bisweilen noch das Haushalten im beschränkten Raum der graphischen Platte, da es ihn zu monumentaler Gestaltung drängt. Immerhin aber kennzeichnen ihn die mannigfaltigen Arbeiten als einen hohen Zielen entgegenstrebenden Künstler. Das Ehe* paar Wolff zeigt sein verschieden geartetes Können in einigen Bei* spielen. Fritz Wolffs ge* übte Zeichen* feder, die lange Jahre im Dienste August Scherls stand und durch die Karrikaturen im „Weltspie» gel" allbe* kannt ist, übt auch hier wieder ihre bezwingende Komik, wäh* rend seine Gattin, Else Wolff, mit zwei weib* liehen Bild* nissen und zwei Frucht* Stilleben die in Frankreich . erworbenen Kenntnisse nicht verleug* nend ihre farbenreiche L e w i erfreut Interieurbilder, Palette leuchten läßt. — Mina durch ihre fein abgestimmten Bernstein*Landsberg s Radrennen gehört entschieden zu den besten Werken dieser Aus* Stellung. Gertrud Flatow*Drucker ist mit einigen Landschaften vertreten. Diese drei Künstle* rinnen laden zu näherer Bekanntschaft ein; ihre Arbeiten verdienen besondere Beachtung, was uns gelegentlich zu ausführlicheren Berichten Anlaß geben wird. Wiederum sind es einige aus dem Osten stammende Künstler, deren Entwicklungsgang das