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Ost und West · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 255 - 256

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Porträts des kgl. westphälischen Konsistoriums der Israeliten
Date
1917-07-01
Page
Seite 255 - 256 (sequence 1)
Language
German
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255 Porträts des Kgl. Westphälischen Konsistoriums der Israeliten. 256 PORTRAETS DES KOL. WESTPHAELISCHEN KONSISTORIUMS DER ISRAELITEN. Mitgeteilt von Moritz Stern. Die wertvollsten Bildnisse, die durch die Stif* tung Albert Wolfs in den Besitz der Berliner jüdischen Gemeinde gelangten, sind sieben Miniatur* porträts, die auf einer Papptafel aufgeklebt waren und nunmehr in anderer Anordnung auf Passepar* tout* Karton eine Zierde der ersten Ausstellung der „Kunstsammlung (Wolfsche Stiftung)" bilden. Dar* gestellt sind die Mitglieder des Königlichen West* phälischen Konsistoriums der Israeliten. Diese jüdische Kirchenbehörde bestand von 1808 bis 1813 in Kassel. An der Spitze stand als „Präsident" der Geheime Finanzrat Israel Jacobson, weitere Mitglieder mit dem Titel „Kgl. Konsistorial* rat" waren die Rabbiner Berlin, Kalkar, Steinhardt, sowie die Schulmänner Fränkel und Heinemann, als Konsistorialsekretär fungierte der christliche Staatsratsadvokat Merkel. Wer sich über die Tätigkeit des Konsistoriums orientieren will, lese die zusammenfassende Dar* Stellung von Ludwig Horwitz „Die Israeliten unter dem Königreich Westfalen" (Berlin 1900). Ueber die einzelnen Mitglieder und die Wirksamkeit des Konsistoriums auf dem Gebiete des Schulwesens gibt die gründliche Arbeit von Felix Lazarus „Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten" (Breslau 1914) reichen Aufschluß. Ueber den Wider* stand, den die Anordnungen des Konsistoriums in den altjüdischen Kreisen erfuhren, findet man bei B. H. Auerbach „Geschichte der israelitischen Ge* meinde Halberstadt" (Halberstadt 1866) zuverlässige Zeugnisse. Wir beschäftigen uns im Folgenden nur mit den. Porträts. Sie sind sämtlich auf dem oben erwähnten' Karton, außerdem mit Ausnahme von Steinhardt und Heinemann auch einzeln in unserer Kunstsammlung vorhanden. Von Jacobson (1768—1828) waren uns bis* her zwei Bilder bekannt. Das eine erschien als Kupferstich in der von dem Konsistorialrate Fränkel herausgegebenen Zeitschrift „Sulamith", Jahrgang 2, Band 1 (Dessau 1808). Das andere wurde von Kohut „Geschichte der deutschen Juden" S. 721 als kleines Klischee reproduziert, nachdem es bereits vorher als kleine Photographie in der zweiten Auf* läge von Arnheims Schrift „Die Jacobson*Schule zu Seesen am Harz" (Braunschweig 1867) veröffent* licht worden war. Eine flüchtige, leider entstellte Wiedergabe der Photographie in Aetzung erfolgte in der Jewish Encyclopedia VII (New York 1904), S. 47. Der Kupferstich vor dem Titelblatte der „Su* lamith" ist ein ovales Brustbild (11,9:9,1 cm) mit den Angaben „F. Tielker del., C. Schule sc. 1808" und der Unterschrift: „Israel Jacobssohn, Geheim* Finanzrath und Präsident des Königl. Westphäl. Consistoriums mosaischer Religion". Wie aus diesem Wortlaut ersichtlich ist, geschah die Veröffentlichung zu einer Zeit des Jahres 1808, da Jacobson seinen Namen „Jacobssohn" noch nicht verändert hatte — der Namenswechsel wird im dritten Hefte des zweiten Jahrgangs der „Sulamith" S. 170 gemeldet — aber schon als Präsident des Konsistoriums be* zeichnet wurde. Auf das Bild wird in der Zeit* schrift S. 31 besonders aufmerksam gemacht. Die betreffende Notiz gehört zum ersten Hefte des zweiten Jahrgangs, das im Juli 1808 erschien. Der erste Band des Jahrgangs enthält zwar 6 Hefte, und man sollte annehmen, daß Heft 1 (S. 1—72) spätestens im Februar herauskam. Das ist aber nicht der Fall, denn auf S. 13 steht eine Verfügung vom 2. Juni und S. 15 ist von dem „vergangenen Wochenfeste" die Rede. Zum Präsidenten des Konsistoriums wurde Jacobson zwar erst am 19. Oktober 1808 von dem Minister Simeon ernannt. Aber es ist doch zu beachten, daß schon im Monat Februar eine Versammlung von jüdischen Delegierten sich in Kassel mit der Errichtung eines Konsistoriums beschäftigte und zum Präsidenten desselben Jacob* son wählte. S. 10 des erwähnten ersten Heftes heißt es: „Der würdige Herr Jacobssohn, welcher zum Präsidenten des Königlichen Consistoriums jüdischer Confession ernannt ward." Statt „ernannt" muß es „gewählt" heißen. Was die Bezeichnung des Konsistoriums be* trifft, so ordnete das Kgl. Dekret vom 31. März 1808 allgemein an: „Es soll in unserer Stadt Cassel ein Konsistorium für die jüdische Religion errichtet werden." Dementsprechend ist in der Verfügung vom 19. Oktober, durch das der Minister Simeon die Mitglieder des Konsistoriums ernannte, von dem früheren Dekret die Rede, „qui cree un Con* sistoire pour la religion juive." Im deutschen Texte der Verfügung ist freilich die citierte Stelle mit „Consistorium jüdischer Confession" übersetzt, und so charakterisiert auch die obige Notiz der „Sulamith" das Konsistorium. Jacobson selber war für das Beiwort „mosaischer Religion", darum teilte er am 28. Oktober den ernannten Mitgliedern des Konsistoriums mit, daß „nunmehr das Consistorium des mosaischen Glaubens die rechtskräftige Existenz erhalten" habe (Konzept für den Konsistorialsekretär Merkel in der Bibliothek der jüdischen Gemeinde Berlin, Akten betr. das Konsistorium zu Kassel 1808—1814 Nr. 2) und schlug unter gleichem Datum dem Minister ein Amtssiegel mit der Inschrift vor: „Königlich Westfälisches Konsistorium Mosaischer Religion". Ob der Vorschlag nicht angenommen wurde oder ob Jacobson, was wahrscheinlicher ist, die Bezeichnung selber änderte, ist nicht bekannt. Vom 19. Dezember 1808 ab, da das Konsistorium seine erste Sitzung abhielt, lautete der Titel offiziell: „Kgl. Westphälisches Konsistorium der Israeliten". Das im Juli in der „Sulamith" veröffentlichte Bild hat in der Unterschrift noch die Bezeichnung „mosaischer Religion." Es ist von dem für den westphälischen Hof tätigen Maler und Kupferstecher Franz Karl Tielker (gest. um 1824) gezeichnet und von C. Schule gestochen. Jacobson ist nach rechts gewendet und trägt ein Käppchen oder eine Kappe auf dem Kopf und einen mit steifem Kragen ver* sehenen, etwas zu engen Hausrock, der unten mit zwei Knöpfen geschlossen ist, während oben zwei Knöpfeoffen stehen, so daß ein weicher, weißer Hemd* kragen, sowie ein weißes Halstuch sichtbar sind. Das Ganze ist das Bild eines freundlich blickenden, zufrie* denen, wohlhabenden und wohllebenden Bürgers, dem man nichts von der hohen, finanziellen Stellung ansieht, die er einnahm, und eben* sowenig von der Energie und Intelligenz, die sich sonst in den Gesichtszügen von Reforma*

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