Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1917)
- Article
- Dr. August Neander [Illustration]
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 11 - 12 (sequence 1)
- Language
- German
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11 Die Brüder Henschel. 12 DIE BRUEDER HENSCHEL. Von S. K i r s c Ii s t e i n. Bis in die neueste Zeit Iiinein hat allgemein das Vorurteil geherrscht, daß die geistige Aktivität und Energie der Juden, insofern sie sich nicht in ihrem religiösen Schrifttum auslebte, sich haupt* sächlich auf die wirtschaftliche Tätigkeit beschränkte, die darauf gerichtet war, materiellen Besitz zu häufen und zu vererben. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts aber ist innerhalb des jüdischen Volkes eine große Anzahl bedeutender Forscher, Gelehrter und Denker er* standen, die auf allen Gebieten der Wissenschaft einen glänzenden Namen er* erworben haben, so daß das eingangs gekennzeichnete Vorurteil allmählich nachzu* lassen beginnt, wenn es auch noch lange nicht geschwun* den ist. Auch auf dem Gebiete der bildenden Kunst haben Juden Werke von Weltruf hervorgebracht, in einzelnen Richtungen sogar führende Stellungen errungen. Nichts* desto weniger kann man, so* gar noch unter uns Juden selber, nicht selten die Mei* nung hören, daß in früheren Zeiten der jüdische Geist der künstlerischen Betätigung völlig abgewandt war. In* dessen entspringt auch dieses Vorurteil, wie die meisten anderen, einer leider weit verbreiteten Unkenntnis der Tatsachen. Sogar schon im 16., 17. und 18. Jahrhundert gab es nämlich unter den Juden zahlreiche Maler, Kup* ferstecher, Bildhauer, Schnit* zer und andere Künstler, deren Leistungen weit über das Niveau des Alltäglichen hervorragten. Leider sind sie infolge ihrer Konfession und infolge der damaligen Gedrücktheit der Lage der Juden nicht voll zur An* erkennung und zur Geltung gelangt und ihre Namen ge* rieten sogar bei ihren eige* nen Glaubensgenossen in Vergessenheit. Ebenso ist es unbekannt, daß eine der neuesten reproduktiven Künste, die Lithographie, starke Anregungen von Seiten jüdischer Meister erhalten hat. Als ein typisches Beispiel jüdischer Künstler, die trotz ihrer bedeutenden Leistungen der Vergessenheit anheimfielen, mag die hier fol* gende Skizze über die Brüder Henschel dienen. In den meisten Nachschlagewerken wird man ver* geblich ihre Namen suchen. Auch ihre Bilder, obgleich sie ein Stück Berliner Leben zwischen 1810 bis 1830 wiederspiegeln, sind nur wenigen Kennern bekannt, und dieseWenigen wissen nicht, daß die Urheber der ^■^■jf /&>s C^&y/sStf /ey yt Qߣ^^,iMß(J Z: ^&^/^e?^^n/t. _____t6m,'2&/&&*i*H>r. 3^„ 3&,Jfä, Steindruck der_ Brüder Henschel, Berlin