Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 15 (1915)
- Issue
- Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
- Article
- Palästina während des Krieges
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 43 - 44 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Viktor Weißmann: Palästina während des Krieges. 44 Die Farmen leiden nur wenig unter der Krisis. Milch, Gemüse and Weizen ist reichlich, auf allen Betrieben vorhanden und die Arbeit geht bei wesentlich eingeschränkten Budgets ihren Gang. Fast überall konnte das vor dem Kriege aufgestellte Wirtschaftsprogramm durchgeführt werden. Die Lage der jüdischen Arbeiter in den Kolonien ist zurzeit leidlich gut. Mit Hilfe der amerikanischen Hilfsgelder und der lokalen Komitees der einzelnen Kolonien konnten bisher überall die bestehenden Arbeiterküchen g-estützt und, ■ wo notwendig, neue eingerichtet werden. Infolge der türkischen Mobilmachung mangelte es eine Zeitlang" an arabischen Arbeitskräften in den großen jüdischen Kolonien und viele Kolonisten sahen sich veranlaßt, mehr Juden in ihren Betrieb aufzunehmen. In der letzten Zeit hat sich leider die wirtschaftliche Situation' dadurch' außerordentlich kompliziert, daß) ganz Palästina, von Gaza bis Tiberias, von u n ge h e u r e n Heuschrecke nsc Ii wärmen heimgesucht worden ist, die die ganze bisherige Ernte zu zerstören drohen. Bisher ist der von den Heuschrecken verursachte Schaden zwar gering und die Regierung und die jüdischen Kolonien haben sehr energische Schritte zu ihrer Bekämpfung unternommen. Der A g r o n o m A a r o n s o h n, der Leiter der Jüdischen Landwirtschaftlichen Versuchsstation, ist von D j e m a 1 Pascha offiziell beauftragt worden, die Bekämpfung der Heuschrecken in ganz Syrien und Palästina in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Es ist aber schwer vorauszusagen, ob es gelingen wird, die jungen flügellosen Heuschrecken, die schon in den nächsten Wachen auskriechen werden und die durch ihre ungeheure Zahl und Gefräßigkeit alles, selbst die Pflanzungen, vernichten oder schwer beschädigen können, erfolgreich zu bekämpfen. Infolge des Auftretens der Heuschrecken sind die Weizenpreise stark in die Höhe gegangen. Während bisher Weizen 25 bis 28 Pranken pro 100 Kilo kostete, zahlte man Anfang April in Jaffa 35 Pranken und mehr für 100 Kilo. Auch die vorhandenen Vorräte anderer Lebensmittel, die für die Volksemährung1 unbedingt erforderlich; sind, sind so stark zur Neige gegangen, daß die jüdische Bevölkerung mit Sehnsucht auf das Lebensmittelschiff wartete, das die amerikanischen Juden ausgerüstet haben*). Wenn die Anleihe für die Orangenplantagen zustande kommt, wenn es gelingt, Petroleum ins Land zu bringen, um während der heißen Jahreszeit die Bewässerung der Plantagen durchzuführen, und wenn es gelingt, die Heuschreckengefahr abzuwenden, dann kann eine dauernde und nicht wieder gutzumac h ende Schädigimg der jüdischen Arbeit in Palästina vermieden werden. Dann aber muß auch die in den verschiedenen {Ländern Europas und Amerikas angeregte Hilfsaktion für Palästina mit aller Energie durchgeführt werden, um dem palästinensischen Judentum auch über diese Zeit der schweren Krisis hinwegzuhelfen. Es sind ungefähr 200 000 Mark monatliche Zuschüsse nötig, um dieses Ziel zu erreichen**). *) Der amerikanische Kegierungsdampter Vulkan, den die Kegierung der Vereinigten Staaten dem jüdischen Hilfswerk zur Verfügung gestellt hat, ist am 2J. Ajn-il in Jaffa eingetroffen. **) In Deutschland haben der ..Bezalel, Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und Nachbarländern", der ..Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien", die „Gesellschaft für Palästinaforschung", die ..Jüdische Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina", der ..Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", das „Breslauer Palästina-Komitee", der ..Verein zur Förderung jüdischer Ackerbaukolonien Am Jordan.