Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 15 (1915)
- Issue
- Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
- Article
- Ephraim Keyser
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 13 - 14 (sequence 3)
- Language
- German
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13 Karl Schwarz: Ephraim Keyser. 14 vers Marmorstatue der sich eine ganz vorzügliche Beherrschung der Technik wie des Materials, ein durchaus natürliches plastisches Empfinden. Die großen Vorbilder, die ihm seine Bahn wiesen, sind leicht zu erkennen; vor allem ist es die Florentiner Schule, in deren Geist er ein* gedrungen. Die Bronzegruppe „Titanias Ritt'' weist auf Benvenuto Cellini, die „Psyche" im Museum zu Cind* natti führt uns zu Thorwaldsen und auch zu Schadow. Eine ganz andere Sprache redet sein gewaltiges Baron * de * Kalb? Denkmal. Wie ein Held aus friderizianischer Zeit mit dem langen Rock und dem Dreimaster stürmt der Major mit gezo* genem Degen voran; sein Blick ist zur Seite gewendet, als sporne er mit lautem Zurufe seine Truppen zum tapferen Vorgehen an. Kraft und Entschlossen* heit spricht aus diesem Manne — und der Künstler, der dieses Werk geschaffen, beweist, daß er nunmehr den größten Auf* gaben selbständig gewachsen ist. Neben den vielen Denk* mälern, Büsten, Statuetten und anderen Kompositionen interes* sieren uns besonders die Grab* mäler Ephraim Keysers, die auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde zu Baltimore vereint sind. Im Gegensatz zu unseren Friedhöfen ist es in Amerika Ephraim Keyser Grabdenkmal gestattet, die Gräber mit figürlichem Schmucke aus* zugestalten, was natürlich dem Künstler ein ganz anderes Arbeitsfeld eröffnet, als die strenge Ge* bundenheit, die ihm unsere Bestimmungen aufer* legen. Neben der tief empfundenen poetischen Auf* fassung, der schlichten Einfachheit und ruhigen Zurückhaltung ist es vor allem auch die architek* tonische Gebundenheit, die diese Werke hervorhebt. Zumeist sind es in den einfachsten Linien gehaltene Granitblöcke, in die große Bronzeplatten mit den Reliefdarstellungen eingelassen sind; nur einmal — auf dem Grabesobelisken des Rabbi Hochheimer — begegnet man einer Porträtwiedergabe, sonst sind es allegorische Figuren, Frauengestalten, die die Trauer und Ergebung, den Glauben und die Hoffnung symbolisieren. Von besonderem Liebreiz ist die Jünglingsgestalt der Hoff* nung auf dem Grabmale Stein. Alles in allem zeigt diese kleine Zusammenstellung die Vielseitigkeit des Künstlers, dessen Gestaltungsreichtum über alle Ausdrucksmöglichkeiten verfügt und dessen Wirken und Schaffen dazu berufen ist, seinem Lande die Segnungen der Kunst zu vermitteln und sie in der Neuen Welt zu ver* tiefen und weiter zu verbreiten. Baltimore ERZIEHUNO ZUM HASS. In dem Waffengeklirr dieses Krieges fällt es den Musen nicht ein, zu schweigen; sie schimpfen, sie keifen, sie fluchen. Ferner beschäftigen sie sich damit, Tischtücher zu zerschneiden, Stäbe zu zerbrechen. Ganze Trümmerhaufen von beschädigtem wertvollen Hausgerät aus der Wirtschaft der europäischen Kulturvölker liegen herum. Und doch gäbe es jetzt wahrlich Besseres zu tun. Poesie und Kunst vermögen am besten unter allen Ausdrucksmitteln des Menschen das intime Seelenleben der einzelnen Völker in seiner Sonderart den Fremden zu erschließen, diese daran teilnehmen zu lassen und so gegenseitiges Verständnis 'und Sympathie zu wecken. Erzieherin zur Harmonie und zur Liebe sollte die Kunst sein. Haß gibt die Natur, die rohe und .'die grobe Wirklichkeit, durch deren Veredlung und Umformung zu (einem höheren Gebilde der Mensch allein * sein Menschentum bewährt. Die Poeten, die doch angeblich auf der Menschheit Höhen wandeln, scheinen aber ihren eigenen Schöpfungen keine große Wichtigkeit beizumessen, wenn sie einzig und allein die Stimmungen und Wallungen des Augenblicks in sie hineinlegen, Stimmungen und Empfindungen, die menschlich begreiflich und verzeihlich sind, denen aber die Poeten selber in Stunden der Erleuchtung4, da ihr Bestes in ihrem Innern zu ihnen spricht', gewiß keine Ewigkeitsdauer wünschen und erhoffen. Die Poeten können sich freilich mit einem Hinweis auf die Weisen, die Männer der Tat und des Gedankens, entschuldigen, die in dieser Zeit allen Halt und jegliches Verantwortlichkeitsgefühl verloren zu haben scheinen. Wenn ein Mann von so hohem sozialen und geistigen Rang wie Lord Beresford auf einer öffentlichen Versammlung in die Welt hinausruft: „Wir müssen Deutschland derart vernichten, daß es gezwungen ist, sein ganzes nationales Dasein von Grund aus wieder aufzubauen, sein Leben von vorne anzufangen", so spricht daraus ein so infernalischer, ruchloser, kalter, versteinerter Haß, daß man nur Abscheu und Entsetzen darüber empfinden kann. Im Privatleben wird ein halbwegs ehrenhafter Mensch sich schämen, solche Gefühle einem Nachbar gegenüber zu hegen, auch wenn er den bittersten Kampf mit ihm auszufechten hätte. Wenn solche Gefühle in ihm auftauchen!, wird er sie zu begraben, wenigstens zu mildern suchen. Aber was einem Einzelmenschen gegenüber ehrlos wäre, hält Lord Beresford für erlaubt, wahrscheinlich sogar für besonders -ehrenvoll, wenn man den Einzelnen mit 65 Millionen multipliziert. Ein großer Forscher, wie Sir William Ramsay, ein Mann, (der die menschliche Erkenntnis bereichert hafy spricht: „Ich fürchte, daß das Entsetzen der ganzen