Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 15 (1915)
- Issue
- Heft 1-5 (Januar-Mai 1915)
- Article
- Ephraim Keyser
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 9 - 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Karl Schwarz: Ephraim Keyser. 10 EPHRAIM KEYSER. Von KARL SCHWARZ. w*U r4& ,4 .^;-^4f^| m^^rk* >^; . :.H-i-;^.^rv ,i '■'M,. ^'^1^.^KVCÄ»^!V->^ Ephraim Keyser Grabdenkmal Baltimore Amerika ist ein Neuland für die Kunst. Das große gewaltige Reich jenseits des Ozeans ist eigent* lieh in jeder Beziehung das Tochterland der Alten Welt. Seine Urbevölkerung war nicht imstande, mit den Fortschritten der Welt vorwärts zu gehen — erst der Fremdling, der kühne Einwanderer, brachte dem Lande die neue Kultur. Das neue Volk, das drüben entstand, hat sich erstaunlich schnell entwickelt, alle Errungenschaften machte es sich zunutze, und in mancher Beziehung ist es uns voran* geeilt, so daß wir jetzt als die Lernenden den Ozean durch? queren und staunend das ge* waltige Leben und Treiben in den Riesenstädten der Vereinig* ten Staaten betrachten. Anders aber verhält es sich mit der Kunst; sie bedarf der Tradition, sie kann nicht auf frisch ausgejätetem Boden er* blühen. Wie der Baum nur dann seine schattenspendende Krone entfalten kann, wenn sich seine Wurzeln tief in das Erd* reich eingegraben haben, wie Ephraim Keyser sein Wachstum vom zarten Sprößling bis zum kernigen Stamm seine Zeit braucht, Jahre der Ruhe und kräftigen Nahrung, so bedarf auch die Kunst, in welcher Form sie sich auch aus* drücken möge, eine lange Zeit der Entwicklung. Europa hat in den Künsten das Erbe des Altertums aufgebaut; auf dem* selben Boden, den die Väter schufen, ernteten die Jungen. Amerika hingegen gründete seine Kultur auf den Trümmern eines Naturvolkes, dessen Kon? nen ungefähr auf der Stufe un* serer Ureinwohner stand. Das neue Amerika aberfühlte ebenso wie jedes andere Land das Bedürfnis nach Kunst. Was Wunder, wenn es zu Anleihen griff und seine Jünger zu uns herübersandte, damit sie an den hier angehäuften Schätzen und in den vorhandenen Schulen lernten und dann ihre Kenntnis in ihr Vaterland hinübertrugen! Infolgedessen ergibt das Bild der amerikanischen Kunst keine einheitlicheTendenz,es schwankt zwischen Altem und Neuem;