Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Brief aus Sofia
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 975 - 976 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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975 Brief aus Sofia. 976 stattfinden, die im letzten Kriege auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Die Bürger werden hiermit eingeladen, die Ge- ' dächtnisfeier durch ihr Erscheinen zu ehren* Sofia, 15./28. Oktober 1913. Der Bürgermeister: J. V. D. Geschoff. Die Gemeinde hat sich natürlich beeilt, der Stadt den Tempel zur Verfügung zu stellen und hat die Anordnung der Zeremonie mit der Behörde gemeinsam geleitet. Der Ministerpräsident Radoslawof, Vertreter des Hofes, der Stadt und der Armee sowie zahlreiche Notable haben mit den Angehörigen der Gefallenen der Trauerfeier beigewohnt. Vor allem wurde die Anwesenheit des Präsidenten des Heiligen Synod, Monsignore Wassili, Metropoliten von Rustschuk bemerkt; die Bedeutung seines Besuchs der Synagoge werde ich weiter unten besprechen. Zu Beginn des Gottesdienstes sang der Chor einige liturgische Gesänge, dann folgte eine von Dr. Ehrenpreis in bulgarischer Sprache gehaltene Trauerrede, der Vortrag eines Psalms, die üblichen Totengebete und ein Schlussgesang. Am Vorabend dieser Feier war der Grossrabbiner auf Beschluss des Konsistoriums zum Präsidenten des Heiligen Synod gegangen, um ihn zu fragen, ob diese geistliche Behörde es nicht für angezeigt halte, gelegentlich des Beilisprozesses eine Erklärung des Inhalts zu veröffentlichen, dass die bulgarische Kirche nicht an die Fabel glaube, nach der die Juden zu ihrem Osterfest Christenblut verwenden. Monsignore Wassili antwortete, der Heilige Synod wäre von der Absurdität dieser Verleumdung überzeugt, die von Zeit zu Zeit immer wieder gegen die Juden vorgebracht würde und er selbst wäre bereit, bei irgend einer anderen Gelegenheit die gewünschte Erklärung .zu veröffentlichen; augenblicklich müsste er aus politischen Rücksichten davon abstehen. Darauf fragte der Grossrabbiner, ob Monsignore Wassili ihm die Erlaubnis gäbe, in seiner am Sonntag vor christlichem Publikum in der Synagoge zu haltenden Ansprache zu sagen, dass der Heilige Synod jede Beschuldigung des Ritualmords missbillige. „Gewiss autorisiere ich Sie, dies auszusprechen," antwortete Monsignore Wassili, „und um IhrenWorten noch grösseren Nachdruck zu geben, werde ich selbst der Trauerfeier am Sonntag beiwohnen." Und so geschah es. Die jüdische Gemeinde empfing also gestern in ihrer Synagoge das Oberhaupt der Regierung und das Oberhaupt des Heiligen Synod, der die höchste kirchliche Behörde des Landes bedeutet. KNABENSCHULE ZU TEHERAN. Von dem Schulleiter der Knabenschule in Teheran erhielt das Central-Comite folgenden Bericht: Verehrter Herr Präsident! Ich hatte Ihnen bereits die Mitteilung gemacht, dass neun Schü'er unserer Schule das von der Französischen Gesandtschaft erteilte Reifezeugnis für Elementarstudien erhalten haben. Die Ferien habe ich dazu benutzt, Anstellungen für die jungen Leute zu suchen und erlaube mir, Ihnen das Ergebnis zu melden: Albo Nehoray ist in der Regierungssclmle, dem sogenannten Polytechnikum, aufgenommen worden, um dort das Studium der Medizin zu beginnen, Ascher Zebaria wird seine Studien fortsetzen. Machiah Elasar, David Soiiman und Haham Eliau sind beim Persischen Haupt-Schatzamt angestellt worden. Joseph Azis Levy ist bei der Zentralpostverwaltung eingetreten und J. Eskenasi hat irn Lehrerseminar zu Paris Aufnahme gefunden. Die beiden Schüler Sani Schimon und Haim Joseph sollten ebenfalls beim Hauptschatzamt angestellt werden, hatten aber, ihrer grossen Jugend wegen, nicht ins Innere des Landes gehen wol.en, wo die ihnen angebotenen Stellungen frei waren. Ich werde mich bemühen, sie bei anderen Behörden unterzubringen. Bisher war noch kein Jude im Verwaltungsbetrieb der Regierung angestellt gewesen und ich bin stolz darauf, unseren Schülern zu diesen Aemtern verhol en und den Weg für andere gebahnt zu haben. M. Tarragano. Neue immerwährende Mitglieder. Die immerwährende Mitgliedschaft in der Alliance Israelite Universelle hat erworben: Frau Rosa Sachs, geb. Ginsberg, Berlin, Brückenallee 1, ferner Herr Dr. Arthur G o 1 d-s c h m i d t, Berlin, Kurfürstenstr. 114. Eingänge l>ei dem Bezirks-Comite Bayern. Folgende Lokal-Comites haben Mitgliederbeiträge an das Bezirks Comite entrichtet: Nürnberg Mark 4126.—, Bamberg Mark 404.90, Beiersdorf Mark 35.—. Bei dem Bayrischen Bezirks-Comite pro 1913 eingegangene Beiträge und Spenden: Aschal'fenburg294.62, Augsburg mit Memmingen, Kempten, (Dettingen 1090.—, Baiersdorf 35.—, Bamberg iind Lichtenfels 404.90, Bayreuth 125.25, Cronheim 10.—, Erlangen 45.—, Heidenheim 20.—, Kitzingen 60.—, Marktbreit 15.—, Nördlingen 59.80, Wilhermsdorf 95.— Mark. Im Lauf des Jahres 1913 sind aus folgenden Ortschaf ten Beiträge und Spenden eingegangen: Aachen 5. —, Ahlem 6.—, Alzev 20.—, Apolda 15.—, Argenau 10.—, Arys 5.—, Bamberg 306.60, (für 1912) Bayreuth 9.80, Bernburg 10.— Bereut 5.—, Beuel 5.—, Beuthen 10.—, Biebrich 10.—, Bischheim 55.—, Bleicherode 140.—, Bodenfelde 15.—, Braunschweig 128.60, Bremen 5.—, Bremgarten 6.80, Breslau 10.—, Brieg 65.—, Budapest 8/78, Bütow 7.—, Cammin 15.—, Cannstatt 94.30, Cassel 713.—, Chemnitz 315.—, Cleve 5.—, Coburg 199.—, Cöpenick 10.— Cosel 10,—, Crailsheim 121.80, Culmsee 20.—, Danzig 217.—, Darmstadt