Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1913)
- Article
- Der Shylock von Krakau
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 965 - 966 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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965 Felix Saiten: Der Shylock von Krakau. 966 Szene aus dem Filmdrama „Der Shylock von Krakau" von Felix Saiten. alles [Erdenkliche, das mit dem frommen jüdischen Leben zusammenhängt (Freitag-Abend, Versöhnungsfest, Beerdigung u. a.) zu zeigen, und zweitens, um Schildkraut zu allerlei Künsten und Kunstmätzchen Gelegenheit zu geben. Dieser grosse Schauspieler ist aber so stark, dass er tatsächlich überall mit seinem tragischen Pathos durchdringt. Wie er in würgender Not eine Treppe niederkeucht, wie er, sich zerpflückend, mit Gott kämpft, wie er sich an seinen Feinden rächt, wie er, zu grauem Schmerz erstarrt, vom Kirchhof kommt, das sind alles unvergessliche Dinge, die man erlebt haben muss und um derentwillen man dem „Autorenfilm" schon manches nachsieht. — Beate Ehrens starkes Temperament, Lia Rosens vornehme Kindlichkeit und des Regisseurs Carl Wilhelms gut markierte Lebemännlichkeit trugen zum Erfolg wesentlich bei. — Unverhältnismässig besser als die Struktur des Stückes sind die in diesem Heft wie- Szenc aus dem Fiimdrama dergegebenen Bil- .von Felix der; das ergreifendste Bild steUtv; Schildkraut dar, wie er nach der Flucht seiner Tochter die Treppe herunterstürzt. Er wird sie nicht mehr finden, das weiss er, da hat ein Schuft, dem er Geld geliehen, sein Kind geraubt, auch das weiss er, —in seinem Gesicht ist die Ohnmacht und der Schrecken eines wildbewegten, unmessbaren Volkes zu lesen. Er greift ans Herz, er greint in die hässliche Welt hinaus, — wir kennen dieses unvergleichliche Gesicht vom echten Shylock her, vom Shylock des Deutschen Theaters. — Auf den anderen Bildern sehen wir neben Schildkraut nur „Figuren", Menschen, die auf die Platte kommen wollen. Die Szene in der Synagoge wirkt in der Bewegung nicht so gut wie in der Abbildung. Die leeren Gebärden an dieser reinen Stätte machen sogar einen peinlich en Eindruck; nur der schöne Jüngling auf der linken Seite erinnert an die zarten Gestalten des edelsten und echtesten aller jüdischen Maler, an die Menschen „Der Shylock von Krakau« Gottliebs. Saiten. Arno Nadel.