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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 897 - 898

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Die Fruchtbarkeit der Juden
Date
1913-11-01
Page
Seite 897 - 898 (sequence 2)
Language
German
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897 Dr. H. Hoppe. Königsberg i. Pr.: Die Fruchtbarkeit der Juden. 898 mehr gilt dies von den Grossstadlbewohnern, ans denen sich die Juden zu mehr als der Hälfte zusammensetzen. Aber die Juden mit diesem Hinweise trösten oder beschwichtigen zu wollen, kommt mir gerade so vor, als wenn man mit Onkel Braesig die Armen damit beschwichtigt, dass man sagt, die Armut komme von der Pauverte her. Es wird doch nicht das mindeste für die Juden dadurch gebessert, dass die bedenkliche Herabminderung der Geburtenziffer (und andere soziale Schäden), die sie in weit höherem Masse als die übrige Bevölkerung zeigen, daher rühren, dass sie eine unnormale soziale Schichtung und Zusammensetzung haben, sowie dass sie Städtebewohner oder Grossstadtbewobner sind, daher deren Schäden an sich tragen, und dass sie nur mit den Grossstadtbewohnern verglichen werden dürfen. Das ist ja eben die Misere, an der die Judenheit krankt, dass sie zum grossten Teil Städte- und Grossstadtbewohner sind, und dass hei ihnen die Landflucht und die Konzentration in den Grossstädten immer noch zunimmt. Es ist daher noch eine Verschlimmerung der Zustände zu befürchten, und der von Theilhaber prophezeite „Untergang der deutschen Juden'" ist wirklich als eine gar nicht abzuweisende Möglichkeit ins Auge zu fassen, wenn eben die Zusammenhäufung der Juden in den Grossstädten und so die damit verbundenen Volksschäden, das Junggesellentum, das Zweikindersystem sowie die nebenbei noch zu erwähnenden Mischehen und Taufen, die bei den Juden auch wieder besonders in den Grossstädten blühen, ferner Syphilis, Alkoholismus, Selbstmord usw., ebenfalls vorzugsweise Grossstadlcrsdieinungen, weiter zunehmen, lien Juden fehlt eben vollständig oder fast vollständig die ländliche Bevölkerung, die bei den Nichtjuden über die Hälfte der Bevölkerung bildet, den christlichen Städtern immer wieder frisches Blut zuführt und durch ihre noch verhältnismässig reiche Kinderproduktion — denn auf dem Lande, besonders bei den kleinen Besitzern, ist Kindersegen noch erwünscht —die mangelhafte der Grossstadtbewohner einigermassen wenigstens wieder ausgleicht. Den Juden fehlt das Reservoir vom Lande, und es würde noch schlimmer um sie stehen, wenn nicht die Einwanderung der in Einfachheit und kleinstädtischen Verhältnissen grossgewordenen und an den guten jüdischen Traditionen festhaltenden Ostjuden wäre, die so für die Juden des Westens wenigstens zum 'Feil das ländliche Reservoir ersetzen. Wenn S e g a 11 in einer andern neueren Publikation (Stand der jüdischen Bevölkerung in Deutschland iL, Bayern. ' Zschr. Dem. 1912, 13) behauptet, dass die zahlreichen Kindertaufen in Bayern und in Preussen mit daran schuld seien, „dass die absolute Zahl der jüdischen Geburten so herunter geht"', so ist S e g a 11 sehr im Irrtum, denn selbst wenn die Kindertaufen ziemlich bald nach der Geburt erfolgen — im allgemeinen vergehen doch darüber mehrere Wochen — so werden sie nicht als christliche, sondern als jüdische Geburten gerechnet, da bei der Anmeldung der Geburt auf dem Standesamt, die in den ersten Tagen nach der Geburt zu erfolgen hat, das Kind nach der Religion der Eltern eingetragen wird, gleichgültig, welcher Religion es hinterher zugeführt wird. Die Geburtsrate der Juden wird also durch die Kindertaufen obsolut nicht vermindert. Dagegen vermindert die gewaltig zunehmende Zahl der jüdischen Mischehe n die Zahl der jüdischen Geburten so wo! il absolut als relativ, indem der eine Teil der Eltern ja noch zur jüdischen Bevölkerung gehört, während die Kinder aus Mischehen überhaupt besonders gezählt werden, die hier in Betracht kommende Geburtenrate aber das Verhältnis der Zahl der Kinder aus rein j ü d i s c h e n Ehen zur Zahl aller Juden darstellt. Die Mischehenkinder vermehren also, selbst wenn sie dem Judentum verbleiben, die jüdische Geburtenrate überhaupt nicht, während die in Mischehen lebenden Juden der Zahl der Juden zugerechnet bleiben und den Nenner der Geburtenrate vergrössern, die Geburtenrate also vermindern. Sehr bedeutend ist jedoch die dadurch bewirkte Verminderung nicht. Denn selbst wenn man. die Zahl der Kinder aus jüdischen Mischehen ganz zur Zahl der Kinder aus rein jüdischen Ehen zählt, obgleich nur die Hälfte hinzugezählt werden dürfte, und in Wirklichkeit kaum ein Viertel dem Judentum verbleibt, so würden in Preussen durchschnittlich 1881/85 10 574, 1006/09 7/i35 jüdische Geburten resultieren gegen 10 100 und 6843 aus rein jüdischen Ehen oder eine Abnahme um 3130 —30,5% gegen eine Abnahme um 3257— 3,2,3%. Bedeutend ist also der Unterschied nicht. Es bleibt auch so eine Abnahme der Geburten um fast ein Drittel trotz Zunahme der Juden von 365 000 auf 412 000 oder um ll/i%. Die Taufen, die Segall, wie die Mischehen, zu den inneren Ursachen der Herabminderung der Geburten rechnet (Bor. Verhältn., 17), vermindern nur, wie die Auswanderung, die Zahl der jüdischen Bevölkerung und damit natürlich auch indirekt die absolute Zahl der jüdischen Geburten, nicht aber die Geburtenrate. — Fassen wir alles zusammen, so können wir nur sagen, dass die dauernde bis in die letzte Zeit zu beobachtende beträchtliche Abnahme der Geburten der deutschen Juden in erster Linie und zum grössten Teil durch die absichtliche Beschränkung der Kinderzahl, den Neomalthusianismus, zum'teil auch durch das zunehmende Junggesellentum, vielleicht auch durch das llinaufrürken des lleiratsalters, ausserdem zu einem geringen 'teil durch die Zunahme der Mischehen und in manchen Perioden vielleicht auch hoch durch eine starke Auswanderung zu erklären ist, dass aber die Binnenwanderungen an und für sich belanglos sind und nur insofern einen Einfluss auf die Geburtenrate haben, als sie vorzugsweise in die Grossstadt führen, die den Mauptnährboden für den Ncomalthusianismus, das Junggesellenleben und die Mischehen bilden, dass die Taufen schliesslich keine Einwirkung auf die Geburtenrate ausübt, wenn sie auch selbstverständlich, wie jede unnatürliche Verringerung der Bevölkerung, die absolute Zahl der Geburten herabsetzen müssen. Um eine Krankheit zu heilen, ist es vor allen Dingen nötig, über ihre Ursachen klar zu sein, damit man in den Stand gesetzt wird, die Ursachen, so weit es möglich ist, zu bekämpfen. Wer den Kranken über die wahren Ursachen hinwegtäuscht, um ihn zu beschwichtigen, erweist ihm den allersehlechtesten Dienst. Der Kranke ist die Judenheit, speziell die Judenheit des Westens. Ich glaube, die Ursachen der Krankheit in ruhiger Abwägung aller Verhältnisse klar dargelegt zu haben. Es ist die wichtigste Aufgabe, die der deutschen Judenheit für die nächste Zeit obliegt, unverzüglich und mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften gegen die aufgedeckten Ursachen anzukämpfen und auf Mittel und Wege zu sinnen, wie man hier Abhilfe schaffen kann, um den drohenden „Untergang der deutschen Juden" aufzuhalten.

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