Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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mD/W* ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 10. Oktober 1913. XIII. Jahrg. ZIONISMUS. Der X. Zionisten-Kongress, der vor zwei Jahren in Basel stattgefunden hat, bildete eine bedeutsame Wendung in der Entwicklung des Zionismus. Der Sieg der praktischen Zionisten war entschieden, und die Leitung der Partei ging in ihre Hände über. Dieser Sieg bedeutete, dass der Zionismus die Episode des Judenstaats und des Charterismus bereits überwunden hat und zu der alten Bewegung der „Chowawe-Zion" zurückgekehrt ist. Wir möchten hier nicht untersuchen, welche Berechtigung und welchen Wert der politische Zionismus besass, ob er überhaupt je das Ziel hätte erreichen können, das er sich gestellt; aber jedenfalls hat sich die übergrosse Mehrheit der zionistischen Partei schon längst von diesem Ideal losgesagt und vielleicht nur wenige träumen noch von der »öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte" des jüdischen Volkes in Palästina, die durch den politischen Zionismus erreicht werden könnte. Die Rückkehr des Zionismus zu der praktischen Arbeit der „Chowawe-Zion", aus der sie hervorgegangen ist, steht nun als Tatsache fest. Aber indem man den alten Weg, den man nie hätte verlassen sollen, wieder betrat, hat man es nicht bedacht, dass jetzt zwei wichtige Reformen dringend nottun. In erster Reihe zeigte sich, dass die Organisation der zionistischen Partei auf ihren politischen Charakter, den sie bislang hatte, zugeschnitten war. Für die praktische Arbeit in Palästina ist sie nicht nur überflüssig, sondern auch störend. Bei einer politischen Bewegung kommt es sehr viel auf die Volksmassen an und auch auf das Hervortreten dieser Massen. Hin-" gegen erfordert die praktische Ansiedelungsarbeit eine ruhige, bedachtsame und stets abwägende Leitung. Ein öffentlicher Kongress, auf dem viel gesprochen und noch mehr unbedachtsam gestritten wird, eignet sich durchaus nicht für ein Werk, das mit vielen Schwierigkeiten und Hindernissen zu kämpfen hat.*) Der zweite wichtige Punkt betrifft den Anschluss des Zionismus an die gesamte Judenheit. Das Bestreben der „Chowawe-Zion" rief bei keinem Juden Widerspruch hervor; es fehlte nur bei vielen das Interesse für das jüdische Ansiedelungswerk im heiligen Lande und dies musste durch eine wirksame Propaganda geweckt werden. Der politische Zionismus hingegen ist in der grossen Mehrheit der Judenheit, zumal in Westeuropa auf heftigen Widerstand gestossen — einmal, weil man ihn für eine Utopie hielt, für einen Traum, der sich niemals würde verwirklichen lassen, dann *) Das zionistische Organ „Hazefirah", dessen Redakteur und Herausgeber Nachum Sokolow (Mitglied des zionistischen Aktions-Comites) ist, bringt in seiner Nummer vom 19. September die folgende Meldung: „Der Wiener Zionistenkongress hat mit einem Male in den arabischen Zeitungen Syriens einen grossen Sturm hervorgerufen. Fast, sämtliche arabische Blätter in Damaskus und Beiruth haben, wie auf Befehl, grosse Artikel veröffentlicht., in welchen auf die grosse Gefahr hingewiesen wird, die dem arabischen Volke vom Zionistenkongress droht, der gekommen sei, um ihr, der Araber Land, Palästina, zu erobern". „Die Zeitung „Karmel" schlägt auch die Abhaltung eines antizionistischen Kongresses in Sichern vor. Dieser Vorschlag wurde in den Kreisen der Araber mit grossem Enthusiasmus aufgenommen und wird auch, vorausgesetzt, dass die Regierung hierzu die Erlaubnis erteilt, zur Durchführung gelangen".