Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 8 (August 1913)
- Article
- Abel Pann (Pfeffermann)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 609 - 610 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Dr. Leo Glacser-Paris: Abel Pann (Pfeffermann). 610 A. PFEFFERMANN-PANN. Adam und Eva. PARIS. sie leben doch zumeist in einem Kulturmilieu, das ihnen den Weg zeigt, es gilt nur, sich diesen zu bahnen. Sie leben grösstenteils, sei es auch in ungeheizten Ateliers, unter Büchern, Bildern, Musik und allen anderen Kulturerrungenschaften der Grossstadt. Abel Pann aber war ein kleiner Judenjunge in einem kleinen jüdischen Städtchen und wusste wohl selbst nicht , was er wollte. Doch er ahnte es, weil er es musste. Er musste — Gesichter malen, so bunt und farbig, wie er sie sah A^oll heiterer Lebensfreude. Zwar stand ihm in seiner Heimat keine Akademie, auch keine Schule zur Verfügung, aber er fand doch einen Lehrer. Sein erster ■ unvergesslic'h er Lehrer war seines1 Zeichens Schildermaler in Dwinsk, ein biederer Handwe ker! Viel konnte er hei ihm nicht lernen, aber sein eigenes Streben trachte ihn weiter. E $ folgten Wanderjahre, die ihn nach Odessa und Wien führten, Misserfolge wechselten mit Erfolgen, Zweifel mit Hoffnungen. Dann kehrte er in seine Heimat zurück und versuchte sein Glück dort 'mit einer auf eigene Faust veranstalteten Ausstellung, die ihm eine Enttäuschung mehr brachte; denn gleichzeitig hatte in dem Orte ein Wander- A. PFEFFERMANN-PANK, zirkus seine Bude aufge- Das Konzert. schlagen, und die Leute zogen es vo:1, hier ihre Schaulust zu befriedigen. Pann geht nach Paris und findet do:'t in Charles Mapou, einem Neffen des berühmten hebräischen Romanschriftstellers, einen edlen Freund und Gönner. Hier hat er seine ersten grossen Erfolge und wird bald der Liebling des kunstverständigen Publikums. Seine „panneaux" werden überall bewundert, und die ersten Witzblätter werben um ihn. Eines seiner letzten Bilder wurden vom französischen Staat für das Luxembourg-Museum angekauft. Abel Pann malt Gesichter von zwingender Komik, alle Kategorien der Menschen fallen seinem Sarkasmus zum Opfer, vom ersten Menschenpaar in den seligen Gefilden des Paradieses bis zur modernen Chansonette. Alltagsphysiognomien verwandelt er in Karikaturen, jpiessbürgerlichc Eitelkeit und stumpfsinnige Kunstbegeistemng, ja seihst die, ernsten Situationen des Schmerzes veranlassen ihn, seinen Humo? walten zu lassen. Sogar der Bauer in seinem mühseligen Handwerk wird nicht verschont — ein Lachen geht durch all diese Werke, ein gesundes lehenbejahendes Lachen, ein Humor* des anspruchslosen Frohsinns. PARIS.