Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 8 (August 1913)
- Article
- Zurück vom Markt [Illustration]
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 607 - 608 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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607 608 A. PFEFFERMANN-PAXN". - k ' PARIS. Zurück vom Markt. ABEL PANN (PFEFFERMANN). Von Dr. Leo Glaeser-Paris. Abel Pann ist eine der seltenen Erscheinungen unter den jüdischen Künstlern. Er ist der Verkünder einer frohen Botschaft, des unbedingten lebenbejahenden Humors, der den Schmerz zu lösen oder doch zurückzudrängen vermag. Das schlichte, heitere Lachen, das Lachen des anspruchslosen Frohsinns, das uns so nottut,, haben wir Juden längst verlernt. Durch die Oecle der Jahrhunderte gebückt, starrten wir auf den Staub unserer Füsse und versenkten unsere Blicke in die tiefsten Lebensabgründe. Wir erhoben unsere Augen zu den Himmelshöhe'n, um Hilfe zu erflehen oder auch nur um eine Antwort zu ertrotzen. So wurden wir mit dem Tiefsten und Höchsten vertraut, für die Ebene aber hatten wir kein Auge mehr; die Fälligkeit, die Schönheiten der vor uns ausgebreiteten Natur zu erfassen und zu geniessen, ist uns abhanden gekommen. Wir haben das harmlose Lachen eingebüsst und dafür den hohlen, spitzen Witz eines Saphir eingetauscht, im besten Falle die verletzende Satire, das gellende Lachen eines Heine, das die Wunden aufreisst, anstatt sie zu heilen. Der Cbassidismus, der uns die Lebensfreude wiedergeben wollte, schillerte eine Zeitlang an unserem Horizonte wie ein blasser Regenbogen am sturmbefreiten Himmel, um . bald den schweren Gewitterwolken zu weichen und wieder zu zerrinnen. Nun sind wir beim sentimentalen Humor bejahung sein, soll eines Scholem-Alechem. angelangt, der, ein Kind der Tränen, eine Weile aufleuchtet und ein Lächeln auf unseren Lippen hervorruft, um uns hinterher zu Tränen oder zu stummer Resignation zu zwingen. Anders Abel Pann. Er verkündet uns die Lehre: Ein gefoltertes Volk, das allen und allem zum Trotze lebt und leben will, muss sich den unmittelbaren, bedingungslosen Frohsinn zurückerobern, um leben zu können. Es muss die Fähigkeit zum harmlosen Lachen wiedergewinnen. Sein Lachen soll der Ausdruck der Lebens- Zeugnis ablegen von seiner aus a^lem Martyrium siegreich hervorgegangenen Lebensenergie. Abel Pann, ein echtes Kind seines Volkes, bietet uns in seinem eigenen Lebensschicksale den glänzendsten Beweis dafür, dass wir Juden das vermögen. Ist er ja selbst durch einen langen Leidensweg voller Entbehrungen . und Kämpfe gegangen, ohne seinen Frohsinn einzubüssen. In Kre>- lawka, einem Städtchen in Russland, als Sohn eines armen Rabbiners geboren — schon dies mag jeden, der die Verhältnisse einigermassen kennt, ahnen lassen, welch weiten Weg Pann zurücklegen, welchen ungeheuren Schwierigkeiten er Herr werden musste, bis es ihm gelang, sich zur freien, künstlerischen Tätigkeit durch-, zu ringen. Not und Entbehrungen sind ja auch vielen Künstlern anderer Völker nichts Fremdes. Aber A. Pfeffermann-Pann.