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Ost und West · 1913-07-01 · Heft 7 (Juli 1913) · p. Seite 579 - 580

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 7 (Juli 1913)
Article
Bericht des Schulleiters in Mossul
Date
1913-07-01
Page
Seite 579 - 580 (sequence 1)
Language
German
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579 580 AUS DEN ALLIANCE-SCHULEN. Bericht des Schulleiters in Mossul. Ich beehre mich, Ihnen mitzuteilen, class Seine Exzellenz der neue Vali von Mossul in Begleitung des Direktors des öffentlichen Unterrichtswesens unseres Wilajets am 13. März unsere Schulen besucht hat. Die Herren trafen um 9 Uhr morgens in der Schule ein, die sie erst um 11 Uhr weder verliessen, nachdem sie alle Knaben- und Mädchenklassen besichtigt und unsere Kinder der oberen Klassen in Geschichte, Geographie, Rechnen und Orthographie längere Zeit geprüft hatten. Auf alle in türkischer und arabischer Sprache gestellten Fragen gaben unsere Schüler gewandte und deutliche Antworten. Der Vali, der unsere Schüler zum erstenmal sah, war über ihre guten Kenntnisse in der ottomanischen Geschichte und Geographie besonders erfreut. Mehrfach drückte er sein Erstaunen darüber aus, in Mossul eine so gute Sehlde zu finden, die seit ihrer erst kürzlich erfolgten Einrichtung so grosse Fortschritte gemacht habe. Zum Schluss der Prüfung richtete einer unserer Schüler an den Vali einige Begrüssungsworte, worauf ein zweiter eine kleine Ansprache in Türkisch verlas, in der er den patriotischen Empfindungen Ausdruck gab, die ihn und seine Kameraden beseelten, seitdem ihnen gelehrt worden sei, wie grossmütig und gastfreundlich die Türkei sich gegen ihre Vorfahren gezeigt habe. Der natürlichen Liebe zu unserem Geburtsland," sagte er, ,,gesellt sich das Gefühl unendlicher Dankbarkeit; denn niemals werden wir vergessen, dass, während alle Völker uns verbannten, die Türkei uns grossherzig ihre Pforten öffnete und unseren Vätern gestattete, im. Lande zu leben und sich friedlich zu entwickeln." Die Ansprache, die mit Gebet und Segenswünschen für die Türkei schloss, hat auf den Vali und den Unterrichtsdirektor tiefen Eindruck gemacht. Vor seinem Fortgang sprach mir der Vali seine Anerkennung aus und versprach für die Weiterentwicklung Ihres humanen Werkes seine Mithilfe. Den Kindern sprach er seine Zufriedenheit über ihre türkische Sprachkenntnis aus und versicherte, dass es ihm Freude bereiten wird, sich bald wieder mit ihnen zu unterhalten. Er ermahnte sie zur Arbeitsamkeit, damit sie dereinst der Schule wie dem Vaterland zur Ehre gereichen. Bericht des Schulleiters in Rhodus. Im Januar besuchte der General Ameglio, Befehlshaber der Besatzungstruppen von Rhodus, unsere Schule. In seiner Begleitung befanden sich sein Generaladjutant, ein Dolmetscher, der Zivilkommissar von Rhodus, der Vorsteher der Stadtverwaltung und einige andere italienische militärische Notahle. In meinem Bureau hatte sich der Präsident des Gemeinderats und die angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde eingefunden, um den General zu empfangen. Um 11 Uhr traf der General mit seiner Eskorte im Automobil vor der Schule ein. Schon beim Eintritt schien der General von dem imposanten Anblick unseres Schulgebäudes überrascht, dessen Front mit der deutlichen Aufschrift „Alliance Israelite Universelle" verselien ist. Als der General mit seinem Gefolge in mein Bureau getreten war, kam einer unserer Schüler, um ihm im Namen seiner Kameraden den Willkommensgruss zu entbieten und einen Blumenstrauss zu überreichen. Der General war so erfreut, dass er den Kleinen herzlich umarmte. Da er den Wunsch aussprach, r'ie Kinder in den Klassen zu besuchen, führte ich ihn dorthin und fragte auf seine Bitte die Schüler, die er selbst mir bezeichnete. In einer Klasse, in der gerade Türkisch unterrichtet wurde, forderte der General seinen Dolmetscher auf, einige Fragen in dieser Sprache an die Kinder zu richten. Er war erstaunt, mit welcher Leichtigkeit sie auf die gestellten Fragen antworteten. Besonders in der ersten Klasse hielt sich der General längere Zeit auf. Er stellte selbst Fragen in Geschichte, Geographie, Mathematik und sogar in jüdischer Geschichte. Einen Schüler fragte er nach dem Ursprung der türkischen Israeliten, und zu welcher Zeit sie sich im Lande niedergelassen haben; einen anderen fragte er nach dem Ursprung der Juden des Jemen und Abessiniens, das ihm, wie er sagte, von seiner Expedition nach Eritrea bekannt sei. Alle diese Fragen haben unsere Kinder auf das genaueste beantwortet. Der General war darüber so erfreut, dass er ihnen von seiner eigenen Schulzeit erzählte, von seinem Betragen in der Klasse, von den Strafen, die ihm auferlegt wurden und eine Menge kleiner Geschichten und Scherze, über die unsere Schüler laut lachen mussten. In jeder Klasse hatte er einen Schwank zu erzählen oder eine Erinnerung mitzuteilen, die die Kinder interessierte. Der Besuch des Generals dauerte eine Stunde, und wenn die Mittagsglocke ihn nicht an seine anderen zahlreichen Pflichten erinnert hätte, würde er, wie er sagte, ,,noch länger inmitten der aufgeweckten X f V' . ■ ■ ': ' Für Kayedicre!;: NeueinfuhrunQ^ (Ja^ghedSßs Cnffle^ jJOSrtfci^itj^ Örieni. Tabak- \x. Citfardrenfabrik.. V JYenidze" Dresden. Inh.HuQö Triste. Trustfrei!

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