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Ost und West · 1913-07-01 · Heft 7 (Juli 1913) · p. Seite 535 - 536

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 7 (Juli 1913)
Article
Dow Ber Meisels
Date
1913-07-01
Page
Seite 535 - 536 (sequence 1)
Language
German
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535 536 DOW BER MEISELS. (Ein Beitrag zur Geschichte der polnischen Juden in den Jahren 1861—63.) Von N. M. Gelber. (Schluss.) Inzwischen hatte Muchanow, dem die Verbrüderung der Polen mit den Juden als eine bedenkliche Sache für die russische Regierung erschien, die Bauern gegen den Adel und die niederen Volksschichten zu hetzen begonnen. Unter den Bauern Hess er verbreiten, dass der Adel keinesfalls die Absicht hätte, ihnen Freiheiten zu geben, sondern im Gegenteil, sie zu unterdrücken. Die Juden aber informierte er dahin, dass die Polen nur deshalb mit ihnen jetzt so liebevoll umgehen, um Geld von ihnen zu entlocken. Diesem musste man aber entgegenarbeiten. Meiseis suchte die Juden davon zu überzeugen, dass die Polen das Wohl der Juden im Auge haben. Er bestrebte sich auch, vermittels der Juden, die auf dem Lande wolmten, die Bauern aufzuklären, dass die Absichten des Adels gut gemeint seien und dass sie den seitens der Russen betriebenen Hetzereien keine Beachtung schenken sollen. Zu diesem Zwecke schickte er im März an die Juden zwei hebräische Rundschremen. Im ersteren versichert er abermals, dass die Polen das Wohl der Juden im Auge haben, und deshalb sei es Pflicht der letzteren, sich denselben voll und ganz anzuschliessen. „Vereinigt euch also, Brüder," — heisst es in diesem Aufrufe — ,,mit den Polen, weil diese Menschen uns gegenüber aufrichtig sind und unser Wohl wünschen. Wenn ihr nun gehorchen werdet, dann sollt ihr das Wohl des Landes geniessen, widrigenfalls aber das Gegenteil. Wir sind aber überzeugt, dass unsere jüdischen Brüder, ein kluges und verständiges Volk, dies auffassen und verstehen und ihr Ohr zu unseren Worten neigen werden. Wisset nun, die polnischen Herren haben uns versprochen, die Handelshäuser aufzulösen, sobald nur Gott ihr Unternehmen begünstigen wird, weil sie jetzt ihre Augen geöffnet und eingesehen haben, dass Muchanow und Lesznowski mit ihren Anhängern zusammen, ihnen zugeredet haben, nicht zum Wohle des Landes, sondern um Zänkereien und Neid unter den Bewohnern hervorzurufen. Seid stark, seid Männer, und Gott wird mit uns sein."15) Im zweiten Aufrufe fordert er von den Juden, die Bauern genau über die Sachlage zu belehren, dass der polnische Adel edle Absichten habe in bezug auf die Umwandlung der Leibeigenschaft in Zins und des Zinses in Amortisationsanleihen.16) Meiseis hatte damit den Polen grossen Dienst geleistet. Denn die jüdischen Dorfschenker, Krämer warnten die Bauern vor den Einflüsterungen der russischen Behörden.17) Meiseis beschränkte sich aber nicht nur auf Russisch-Polen. In Galizien fanden zu dieser Zeit Landtagswahlen statt und hier waren die Juden noch keineswegs geneigt, die Polen zu unterstützen. Meiseis aber lag viel daran, die Verbrüderung auch auf Galizien auszudehnen. Er glaubte als gewesener Krakauer Rabbiner auch auf die galizischen Juden einen diesbezüglichen Einfluss ausüben zu können. In einem hebräischen Aufrufe, den er an die galizischen Judengemeinden schickte,18) forderte er die Juden auf, bei den bevorstehenden Wahlen Hand in Hand mit den Polen zu gehen und ihre Bestrebungen zu unterstützen. Wie wir also sehen, entfaltete Meiseis eine umfangreiche und teilweise auch erspriessliche Tätigkeit. Die Polen Warschaus brachten ihm auch deshalb grosse Verehrung und Wertschätzung entgegen. Als die Delegation am 23. März unter Verminderung ihrer Mitgliederanzahl in einen Munizipalausschuss umgewandelt wurde, wurde Meiseis hineingewählt. Der Munizipalausschuss konnte aber die nötige Ruhe zur friedlichen Tätigkeit nicht mehr finden, die revolutionäre Stimmung im Volke war allzustark, um sich auf legale Reformen zu verlassen. Ja, selbst die meisten Mitglieder, unter ihnen auch Meiseis, unterstützten ostentativ die revolutionäre FRIEDRICH BEER. DUERER ALS KIXD. 15) Dieser Aufruf ist in polinscher Sprache im „Kwartalnik" 1. c. Heft II, S. 143—147 abgedruckt und ^-ilsrspriclit dem Obau erwähnten Briefe an Caro. ") Allgemeine Zeitung deä Judentums, Jg. 1861 (Correspondenz au» Warschau), S. 227. ") A. Giller: Dzieje Delegacyi Warszawskiej v. 1861 r. in „Materyaly", Bd. I, S. 236. lä) Allgem. Zeitung des Judentums j Jg. 1861, S. 227.

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