Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 373 - 374

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Kleinstadt [Illustration]
Date
1913-05-01
Page
Seite 373 - 374 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2584033-2584039-2604594--14486-2604674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

373 374 HUGO KRAYN. Kleinstadt. BERLIN. (Nach einem Farbcnholzschnitt.) DOW BER MEISELS. (Ein Beitrag zur Geschichte der polnischen Juden in den Jahren 1861- Von X. M. Gelber. 63.) Nach dem Sturze des polnischen Reiches lebte in allen Volksschichten der Glaube fort, dass Polen wieder seine Selbständigkeit erlangen wird, und sobald sich Gelegenheit bot, versuchten die Polen ihr Volksideal zu verwirklichen und das fremde Joch abzuschütteln. Doch alle diese Aufstände wurden unterdrückt. Seit dem letzten Aufstände (1830/31) waren nun volle dreissig Jahre verstrichen und die national gesinnte Intelligenz glaubte, dass sieh die Volksmassen inner - halh dieses Zeitraumes entwickelt haben und nun fähig seien, die Wiederherstellung ihres heissgeliebten Vaterlandes zu erringen. Die Gelegenheit dazu bot sich m zu Beginn der Regierung Alexanders IL, als er die erhofften Reformen nicht gewährte. Die gedrückte Lage der Polen, sowie das Erstarken des polnischen Nationalgefühls durch die Geistlichkeit, iiatte die Entstehung von Parteien zur Folge, die die Befreiung Polens vom russischen Joche anstrebten. Einig wollten sie jetzt vorgehen, um den Unwillen der Volksmassen gegen die russische Regierung zugunsten der von ihnen vertretenen Volkssache auszunützen. Ohne übrigens ein klares Programm zu haben, traten sie heran, das Volk zu Demonstrationen anzueifern, um die Regierung zur Schaffung einer besseren verfassungsrechtlichen Lage zu zwingen oder auch eventuell im geeigneten Momente das gesamte Volk zu einem Aufstande aufzufordern. Demzufolge musste ja auch die zahlreiche Bauern- und Judenschaft herangezogen werden; wenn auch Ex libris. die letztere in ihrer sozial-religiösen (Xacn einer Radierung.) HUGO KRAYN. Struktur vom polnischen Volke stark differierte, wollte man sie jetzt für dieRevolutionsbestrebimgen gewinnen. Es galt einen Fehler zu vermeiden, der sich bei den früheren Ausständen arg gerächt hat. Als im Jahre 1830 der Aufstand ausgebrochen war und eine kleine Gruppe von Juden sich anschliessen wollte, wurde sie vom General Chlopicki schmählich abgewiesen. Das indifferente, ja feindselige Verhältnis der Aufständischen zu den Juden hatte zur Folge, dass die Juden in ihrem eigenen Interesse sich an die Russen anschlössen und somit gegen die Polen handeln mussten. Dessen eingedenk, versuchten jetzt die Revolutionsparteien eine Annäherung der Juden an die Polen zustande zu bringen. Dieses musste spontan geschehen, da der Boden für diesen Zusammenschluss keineswegs geebnet war. In dem Verhältnisse der polnischen Gesellschaft zu den Juden hatte sich nämlich im Laufe der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts gar wenig geändert. Der Judenhass dauerte noch , in allen Schichten des polnischen Volkes fort, man kann sagen, in demselben Masse wie im XVIII. Jahrhundert. Abgesehen von dem feindlichen Verhalten der polnischen Aufständischen im Jahre 1830 und in dem darauffolgenden polnischen Landtage, der den Juden die Aufnahme in die Nationalarmee versagte, damit sie dann, im Falle, der Befreiung Polens, keine Ansprüche auf Emanzipation hätten, begegnen wir bis zum Jahre 1861 zahlreichen Ausbrüchen, die von einem glühenden Hass. gegen die Juden getragen sind. In nationaler Hinsicht sahen die Polen in BERLIN.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.