Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Zwei junge Graphiker
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 371 - 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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371 Karl Schwarz Zwei junge Graphiker. 372 HUGO KRAYN. BERLIN". Leipziger Platz. (Nach einer Radierung.) sächlich der jüngeren Gefolgschaft, dem zukunftsreichen Nachwuchs, zuzuwenden. So zeigen wir heute den Lesern zwei junge Berliner Graphiker, die mit ihren ersten, erfolgreichen Arbeiten hervorgetreten sind und yon denen wir einige Proben in Abbildung vorführen. Hugo Rrayn, der. auf der Berliner Kunstgewerbeschule unter Orlik seine Ausbildung erfahren hat, äussert sein Talent besonders in dekorativer Art. Reizend stilisiert ist das kleine Exlibris, eine feine Radierung in zierlichen Formen, ein wirkliches Buchzeichen von intimem Charakter. An ei'ster Stelle wäre das Blatt „Leipziger Platz" zu nennen. Das unruhig Zuckende der Bewegung, das Wogen eines Grossstadtplatzes in greller Mittagssonne ist mit wenigen Strichen sicher und überzeugend gegeben. Leider entbehren die Farbenholzschnitte in der Reproduktion der belebenden Farbe, die diese Blätter in feingefühlten Akkorden aufweisen und die in der originalen Grösse gerade das dekorative Geschick des jungen Künstlers erkennen lassen. Es braucht bei diesen Werken kaum erwähnt zu werden, dass sich Hugo Krayn auch der Plakatkunst widmet, auch der Buchschmuck verdankt ihm bereits schöne Schöpfungen. Was aber in diesen Reproduktionen nicht so zum Ausdrucke kommt, aber ganz besonders erwähnt zu werden verdient, ist das erstaunliche Zeichentalent dieses Künstlers, das Erfassen momentaner Situationen, bewegter Szenen und flüchtiger Erscheinungen mit wenigen charakteristischen Strichen. Einen Schüler von Hermann Struck lernen wir in dem jungen Landschafter Gustav Schneider kennen, der nach eifrigem Studium des graphischen Handwerks in dem Atelier des Berliner Meisters, in Italien von Paul Baum geleitet, hauptsächlich südliche Motive in wohlgelungenen Ausschnitten gibt. Wie sich die Darstellungskraft und Bildwirkung in seinen Blättern konzentriert, zeigen deutlich die beiden Radierungen mit den Zypressen. In dem Bildchen aus Rapallo, das bereits vor 6 Jahren, entstanden ist, waltet noch eine gewisse Aengstlichkeit in der Strichführung, während sich in dem Landschaftsbilde aus der Florentiner Gegend die hohen Stämme in ihren dunklen Silhouetten majestätisch und eindrucksvoll von der sonnendurch gl übten hügeligen Ebene abheben. Gespensterhaft wirken die steilen Mauern von San Gimignano in Rom, lieblich und wie von zartem Frühlingshauch umwoben grüsst das Kirchlein in Chamonix aus der Ebene hervor, während im Hintergrund die Höhenzüge mit lichten Strichen angedeutet sind. Auch mit der Lithographie hat sich Gustav Schneider beschäftigt, wovon ebenfalls eine Probe hier erscheinen möge. Das dänische Landhaus erinnert in seiner Technik an Paul Baum, den Meister des Pointiiiismus. Alles in allem aber haben wir in dem jungen Künstler eine Erscheinung, die uns für die Zukunft mit schönen Hoffnungen erfüllt, einen Künstler, der den Förderungen seiner Lehrer folgend, nach gründlicher, technischer Schulung seine Bahn gefunden hat, auf der er in stetem Anstieg zu immer grösserer Vollendung schreitet. — Von dem Streben der jungen Generation hängt das Wohl und Wehe unserer Kunstentwicklung ab. Die Saat der grossen Anreger und Führer soll in ihnen erblühen und durch sie weitergepflanzt werden. Der grosse Aufschwung der graphischen Künste wird fortbestehen und gedeihen, wenn strebsame Kräfte, wie die hier gezeigten, in den begonnenen Bahnen weitergehen und wenn ihr Talent, angeregt durch den Beifall und das Interesse des Publikums, sich fortentwickeln wird. HUGO KRAYN. ' BERLIN". Landweg. (Nach einem Farbenholzschnitt.)