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Ost und West · 1913-04-01 · Heft 4 (April 1913) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 4 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 4. April 1913. XIII. Jahrg. GELD UND GOTT. Von Binj a inin Segel. (Schluss.) Uebcr die Psychologie und den Ursprung der jüdischen Religion, namentlich des Monotheismus, ist sehr viel Gelehrtes und Geistreiches gesagt worden. Renan hat bekanntlich die Theorie von einer'psychischen Disposition der Semiten für den Monotheismus aufgebracht, die aber unhaltbar ist angesichts der Tatsache, dassmir ein einziges semitisches Volk, die Juden, den Monotheismus als Yolksreligion geboren hat und ihm treu geblieben ist. Die Araber haben sich erst eineinhalb oder zwei Jahrtausende nach den Juden zum Monotheismus, und zwar unter dem Einüuss der Bibel und einer starken jüdischen Propaganda bekehrt. Alle andern semitischen Völker sind bis an ihr seliges Ende Polythcisten geblieben, nur in Babylonien scheint die höchste Priesterschaft einen Monotheismus als esoterische oder Geheimlehre gepflegt zu haben, was übrigens auch bei den Indern und Aegy])tern, vielleicht auch bei Kelten und Germanen der Fall war. Das Geistvollste und Klarste haben wohl in dieser Sache \V. Robertson Smith und Pf leiderer gesagt, die den angeblichen „semitischen Hang zum Monotheismus" auf soziale Ursachen zurückführten. In Vorder - asien haben terrestrische und historische Vorgänge die Entstehung einer starken desjDotischen Königsmacht begünstigt, während in Griechenland und im übrigen Europa Ursachen derselben Natur eine aristokratische Regierungsform begünstigten. Da nun für den antiken Menschen Religion und Staatsform zusammenfielen, so bildete sich bei den Semiten die Neigung zur Anerkennung eines Gottes, während die Indogermanen dem Polytheismus zuneigten. Das klingt sehr plausibel und hochmodern, ist aber ebenso falsch. Denn das einzige semitische Volk, welches seit Menschengedenken monotheistisch war, hatte für seine Monarchen blutwenig Respekt; die biblischen Geschichten behandeln die Könige ganz wie andere Sterbliche (man denke an Eliah) und beurteilen ihren Wert nur nach dem Grad ihrer Befolgung der Gesetze Gottes. Der einzige König, dem sie eine wahre Yer- . ehrung widmeten, war David, und dies nicht weil, sondern trotzdem er König war, weil er in der Erinnerung des Volkes als kühner, ritterlicher Held und grosser Sänger lebte, dem alle die wunderschönen, im Volke entstandenen Gedichte zugeschrieben wurden. -Aber seine Streiche vergass man ihm nicht, und noch der Talmud suchte Miideruiigsgründe für ihn und sagte: ,,wer David für einen Sünder hält, irrt sich bloss". Alle diese Gelehrsamkeit ist leider völlig unnütz und philosophiert am eigentlichen Problem nur vorbei. Es ist gerade, wie wenn jemand den Parthenonfries, den Apollo vom Belvedere oder den Altar von Pergamon aus der geochemischen Beschaffenheit des Herstellungsmaterials restlos „erklären" zu können vermeinte, —obgleich ja, wie z. B. die ägyptische Plastik zeigt, die Konsistenz des Marmors für die Entwicklung der bildenden Kunst von hoher Bedeutung ist. Die Sache ist nämlich die, dass die Hauptbedeutung des Judentums in der Religionsgeschichte der Menschheit gar nicht im Monotheismus liegt. Nicht der Monotheismus ist das Einzigartige, Unterscheidende, Neue, Revolutionierende, welches durch das Judentum in die Welt gekommen ist, sondern die Theophilie ist es. Diese war etwas Unerhörtes, vorher nie Dagewesenes und auch ganz Unverstandenes. Dass das Weltall von einer einzigen Urkraft beherrscht und gelenkt, das wurde, wie schon erwähnt, auch anderwärts erkannt, wenn auch nicht verkündet (sondern eher geheim gehalten). Zu diesem

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