Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Dekoratives Panneau [Illustration]
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 209 - 210 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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209 210 LEO BAKST. Dekoratives Panneatu PARIS. LEO BAKST. (Vergleiche den Artikel in Ko. 9, Jahrg. XII von „Ost und West".) Am 15. Februar ist im Kunstsalon von Paul Cassirer eine Ausstellung von Werken, von Leo Bakst eröffnet worden. Wie es so manchem Russen ergeht, so musste auch Bakst in Paris berühmt geworden sein, damit ihm Berlin seine Tore öffnet; diesmal sogar auch in London, wo seine Aquarelle, gleichwie in Paris, „reissenden Absatz" gefunden, von Museen, Privatgalerien, Liebhahern erworben werden. Man bekommt etwa 140 seiner Aquarelle zu sehen, die ursprünglich ganz bescheiden „Figurinen" sein wollten, Entwürfe zu Kostümen für das russische Ballett, Dekorationsskizzen . . . Unter seiner Hand sind die Sachen zu köstlichen Kunstblättern ausgewachsen, haben die unverkennbare Handschrift und Kalligraphie dieses Künstlers bekommen, wenn er auch jüngst Nachahmer gefunden. Auch sein anspruchsvolles Kolossalgemälde „Terror antiquus", auf das der Künstler grosses Gewicht legt, erblickt man hier. Leider zeigt er nur Werke aus seiner letzten Pariser Periode. Es wäre interessant, wenn auch nicht durchaus nützlich, hätte er daneben Werke aus seiner Petersburger Zeit vorgeführt. Laim könnte man ersehen, wie not es diesem Künstler und Juden tat, sich aus den Petersburger Nebeln und der Petersburger Seelenmisere zu befreien, wie er erst, unter südlicheren Himmeln und in freierer Luft, in Paris, sich selbst gefunden, zu dem geworden, was er LEO BAKST. hat werden müssen, wie sein Sinn für Farbe und Form und Fleisch frei geworden und jene Schönheit erreicht hat, die uns gegenwärtig so not- und wohltut. Seine Juden haben das Freie, Selbständige, Breite der biblischen Juden, sind so, wie er sie in Petersburg wohl schwerlich;empfunden hätte. Aber selbst freier geworden, als Mensch und als Künstler, ist er farbiger, prächtiger geworden und in seinem nationalen Bewussl.sein historisch-stolzer, biblisch. Bei dieser Gelegenheit kann ich es mir nicht versagen, daran zu erinnern, dass im. vorigen Jahre Leo Bakst, der bereits in Frankreich und England als grosser russischer Künstler gefeiert war und auch durch seine Kostüme und Dekorationen dem russischen Ballett in ganz Europa zu grossen Triumphen verholten hatte — bei seiner Ankunft in Petersburg seinen Pass sofort mit dem berüchtigten „roten Stempel" zurückerhalten hat, — die Residenz innerhall) 24 Stunden zu verlassen und den Ansiedlimgsrayon aufzusuchen. r.. Und .„erst nachdem von Freunden und Verehrern seiner Kunst alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden (zuerst ergebnislos) und als sich dann hohe Persönlichkeiten verwandt hatten, gestattete man dem unliebsamen Juden den „vorübergehenden" Aufenthalt in der Hauptstadt. Bekanntlich ist es vor ein paar Jahren einem andern russischen Künstler, der in Paris lebt, ebenso ergangen: als der Bildhauer Aronson nach Petersburg- Zeichnung. PABIS. kam, um an der Konkurrenz