Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 175 - 176

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Sammlung für die Juden der Balkanländer
Date
1913-02-01
Page
Seite 175 - 176 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2584033-2584036-2604214--14253-2604290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

175 Sammlungen für du; Juden der Unlkiinlsimler. 17& Consta n/. .... . 20.— Hannover . . . . . .10.— Langenselbold . . . 10.— »Saulheim . . . . . 4-Ö.— Corback .... 60.— Heinebaeli . . . . SO.— Langwalde . . . 4;- Simmern . . . . Crefelcl..... . 20.— Hörde..... 7.— Leipzig..... ö.--- Staden ..... . 10,— Dertingen .... .'>.— Hörslieini . . . . ä, — Magdeburg . . .! 3,— Dierdorf .... . 35,35 Hohenhameln . . . 20.— Neersen..... . 28,— Suhl...... 5.____ Dresden .... 10,— Jüchen..... J .50 Neuenbürg. . . . . 73,50 Tholey..... .' 30.— Essen ...... . 30,— J ülich..... . 10.— Niederolmen . . . . 30 — Vegesack . . . . 1.— Exin...... . lö......- Kattowitz . . . . . 20.— Nürnberg .... ö.— Vreden ..... . 35.— Flehi ngen .... . 33.— ö,— Dettingen .... 111,25 Wehlau..... 10.— Frankershausen . . 00,— Ivolmar i. P. . . . 24,80 Osnabrück . . . 3,05 Wille badessen . . . 10.— Fürth ..... 10.— Koschmin . . . . — Plauen..... 20,— Wien...... . 10.— 11,— Kro tose hin . . . 3. — Reh bürg..... . 12,— Zabrze..... . 10. — Grosseicholzheim . . 00,— Labischin . . . . '. 30,— »Sehmalleniugken . 5,— Zürich..... . 40. Habelschwerdt . . 5,— Lampspringe . . . 20,— Sehmieheim . . . 2,_ Die Alliancc hat stets, sobald sie von der traurigen Lage der Juden im Orient Kenntnis erhielt (wasgemeinhin wegen der schwierigen Postverb in du ng durch lakonische Telegramme geschah), den betroffenen Gemeinden Unterstützungen zukommen lassen. Sie hat gleichzeitig an die Israeliten der ganzen Welt einen dringenden Aufruf gelichtet, um sie zur Teilnahme an dem notwendigen Hilfswerk aufzufordern. Ihre Comites haben überall das lebhafteste Solidaritätsgefühl feststellen können. Dank der gesammelten Summen ist es möglich gewesen, den Tausenden von Unglücklichen die erbetenen Lebensmittel, Kleider und Unterkunft zu verschaffen. Aber das Hilfswerk ist noch lange nicht zum Ahschluss gelangt. Es geht von Tag zu Tag weiter und erfordert bedeutende Opfer. Weitere und noch beträchtlichere Opfer werden verlangt werden, sobald dieser gegenwärtigen unruhvollen Zeit eine Periode der Rulie folgt, in der es sich darum handeln wird, die Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückzuführen, ihnen wieder einen häuslichen Herd zu schaffen, Handwerkszeug zur Verfügung zu stellen und ihnen die Mittel an die Hand zu geben, sich einem neuen Erwerb zuzuwenden. Auch für die Witwen und Waisen wird eine wirksame Hilfe erforderlich sein. Die Alliancc bittet alle ihre Mitarbeiter, sich nach Kräften bei dieser neuen Betätigung jüdischer Solidarität zu beteiligen. DIE ISRAELITEN IN MAROKKO. Der Schuldirektor von Hille in Mesopotamien hat den Auftrag gehabt, die in der Nachbarschaft belegenen, von Juden bewohnten Ortschaften zu besichtigen, und hat dem Central-Comite folgenden Bericht über die Israeliten in Kefil und in Hindye zugehen lassen: Kefil ist ein Dorf von ungefähr 3000 Einwohnern, das vierzig Kilometer südlich von Hille am Euphrat belegen ist. Mit seinen zahllosen, von Palmen eingefassten Kanälen und mit seiner üppigen Vegetation bietet es aus der Ferne einen sehr angenehmen Anblick, in Wirklichkeit aber ist es ein arabisches Dorf in seiner schmutzigsten Bedeutung. Es gibt keine Strassen und fast gar keine Häuser, nur steinige Pfade mit elenden, aus Binsen erbauten Hütten, die von einem halbkreisförmigen Dach überdeckt werden. Der .Marktplatz ist zwar klein, aber ziemlich belebt; viele Bauern der Umgegend, die an ihren sonnverbrannten Gesichtern und an ihren über den Schultern hängenden Flinten zu erkennen sind, pflegen Iiier ihre Einkäufe zu besorgen. Im Vorübergeben erkenne ich an ihrer Kopfbedeckung einige unserer Glaubensbrüder, die in ihren Läden berumhocken. Alle lassen ihre Geschäfte im Stich, um an der Versammlung teilzunehmen, die über die Zukunft ihrer Kinder entscheiden soll. Die jüdische Bevölkerung von Kefil besteht aus etwa vierzig Familien mit 300 Seelen. Vier kleine Kaufleute, die mit Stoffen und Weisswaren handeln, und drei Spezereiwarenhändler sind die einzigen leidlich wohlhabenden Leute. Vierzehn Rabbinerfamilien leben von der Jeschiba; die übrigen Juden haben keinerlei Arbeit und sind auf die Almosen der durchreisenden Pilger angewiesen, die zu der Grabstätte des Ezechiel wandern. Es gibt keinerlei Gemeindeorganisation, keine Fleischsteuer. Da die mohamedanische Bevölkerung aus Schiiten besteht, ist kein Absatz für Fleisch vorhanden. Deshalb werden nur bei aussergewöhnlichen Gelegenheiten, wie zum Beispiel am Vorabend von grossen Festen, Hammel geschlachtet. Die Synagoge kann in dieser armen Gegend natürlich keinerlei Einnahmen haben. Es würde nicht einmal einen ,.Slad'£, einen arabischen Glieder geben, wenn nicht mildtätige Juden aus Bagdad die nötigen Mittel dafür gespendet hätten. Ich habe den ,,Stad" besichtigt und will Ihnen die Beschreibung ersparen, die Ihnen schon aus den wiederholten Berichten bekannt ist: ein luftloser Raum, abstossender Schmutz, auf Matten oder auf der blossen Erde hockende Kinder, die durcheinander brüllen. Es ist hier aber noch viel schrecklicher, als es irgendwo anders sein kann. Ein unerträglicher Geruch legt sich gleich beim Eintreten auf die Brust: 50 Kinder sind bei 45 Grad im Schatten in dieser Höhle zusammengepfercht. Wie überall im Irak ist auch dips eine gemischte Schule, in der ich ungefähr 40 Knaben und ein Dutzend Mädchen gezählt habe. Wenn man die Kinder dazu rechnet, die auf der Strasse herumlaufen, käme man auf einen Bestand von 60 bis 65 Schülern. Wie schon oben erwähnt, fehlt der Gemeinde jede Organisation und auch jegliches Einkommen. Trotzdem habe ich den jüdischen Einwohnern klar gemacht, dass sie nur dann auf Ihre. Hilfe rechnen können, wenn sie sich selbst Opfer auferlegen. Sie haben sich auch meinem Standpunkt angeschlossen und sind bereit, auf eigene Kosten ein neues Schulhaus zu bauen. Es ist inzwischen schon damit begonnen worden und das Haus wird sehr bald fertiggestellt sein. Auch ein Budget für Ausgaben und Einnahmen der Schule ist bereits aufgestellt; zum'Ausgleich dieses Budgets ist es unumgänglich nötig, dass die Alliance der Gemeinde Kefil einen kleinen Zuschuss gewährt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.