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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. Seite 151 - 152

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Article
Meine Beichte
Date
1913-02-01
Page
Seite 151 - 152 (sequence 2)
Language
German
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151 iJinjniiiin Scgrl: kleine liciclitc 152 genannt. Man sieht, es genügt nicht, sein Herz zu entdecken, um gleich ein Prophet in Israel zu sein. Es schadet nicht, wenn man sich in den alten Folianten und verstaubten Büchern mal umsieht. Das wäre alles. Vielleicht bin ich nun rehabilitiert? Erwiderung. Herr Segel revanchiert sich für die ihm im Dezemberheft gewordene Aburteilung, indem er. gegen mein Büchlein jüdischer Sprüche Sturm läuft. Herr Segel sucht vorzutäuschen, ich hätte geistiges Eigentum gestohlen! Seine Argumentation würde zutreffen, wenn ich erklärt hätte: Diese Sprüche sind nicht etwa von mir g e s a in m e 11 worden — sie sind von mir verfasst! Seilt! Ich habe euch Juden 500 Sprüche geschenkt! Und nun käme Herr Binjamin Segel und erklärte: Landsherger ist ein Schwindler. Er gibt die Sprüche, die ich verfasst habe, als sein geistiges Eigentum aus! (Etwa: Ich schriebe, Karl der Grosse hat von 768—814 regiert — und nun käme Herr Binjamin Segel und sagte: Plagiat! diese Zahlen hat Landsberger aus Schlossers Weltgeschichte gestohlen). In Wahrheit aber habe ich im Vorwort ein halbes Dutzend oder mehr Quellen angegeben, aus denen ich geschöpft habe. „Bernsteins Sammlung" — die mir nachweislich vorlag — ..ist die reichhaltigste", heisst es da. Und ich habe gemeinsam mit Herrn Hermann Blumenthal, der ebenfalls im Vorwort genannt wird, diejenigen Sprüche herausgesucht, die uns, nicht Herrn Binjamin Segel, typisch erschienen. Aber diese Sammhing — und das verschweigt Herr Binjamin Segel mit Bedacht — ist nie in deutscher Sprache erschienen. W a s also will He r r B i n j a m i n S c g e l eigentlich?? Dass „Ost und West" — was ich bedaure — nicht erwähnt war, mag seinen Grand darin haben, dass mein bereits genannter Mitarbeite!*, Hermann Biuinenthal, die „Ost und West" entnommenen Sprüche auch bei der später erschienenen Sammlung von Bernstein gefunden hat. Ich kann das Urteil also nach alledem dem Leser überlassen, ob sich die Kritik, die Herr Binjamin Segel meinem „Sprüchwörterbuch" angedeihen lässt, auf einem höheren Niveau bewegt als die der „Judentaufen". Dr. jnr. Artur Landsberger. Anmerkung der Redaktion. Getreu unserem Grundsätze, allen Parteien die vollste Redefreiheit zu gewähren, haben wir der Kontroverse zwischen Segel und Herrn Dr. Artur Landsberger Raum gegeben. Dass der Angriff des Segel so stark und gravierend, die Verteidigung des Herrn Landsberger so schwach, ja förmlich ausweichend ausgefallen ist, ist wohl nicht unsere Schuld. Merkwürdig genug ist es überdies, dass die Erwiderung des Herrn Landsberger neues Belastungsmaterial enthält. Herr Landsberger bedauert nunmehr, dass sein „Mitarbeiter" bei den „Ost und West entnommenen (!) Sprichwörtern" die Quelle verschwiegen habe, sucht ihn aber zu entschuldigen: er, der Mitarbeiter, habe diese Sprichwörter auch in der Sammlung von Bernstein gefunden. Aber Herr Landsberger verschweigt, mit Bedacht oder aus Unkenntnis, dass diese Sammlung nicht von Bernstein allein, sondern von Bernstein und Segel herrührt, eben demselben Segel, der in „Ost und West"' eine Reihe von Arbeiten über das jüdische Sprichwort veröffentlicht hat. Man darf übrigens nicht denken, dass Herr Landsberger oder sein Mitarbeiter diese Quelle stiefmütterlich behandelt hätte; Landsberger Buch zeigt Anlehnungen, wo nicht Entlehnungen, in Hülle und Fülle. Wir sind auch in der angenehmen Lage, den strikten. Beweis dafür zu erbringen, ohne gezwungen zu sein, die Leser auf das Buch des Herrn Landsberger hinzuweisen. Herr Landsberger hat uns in einer Selbstanzeige seines Buches im ,.Zeitgeist", Beiblatt zum „Berliner Tageblatt" vom 14. Oktober v. J., unter dem Titel Volkssprüche" eine Auslese seiner jüdischen Sprichwörter geboten — 15 an der Zahl. Folgende Gegenüberstellung dieser von Herrn Landsberger selbst, also gewiss ohne böse Absicht, ausgewählten Sprichwörter mit den von Segel in „Ost und, West" publizierten dürfte daher nicht uninteressant sein. L a n d s b e r g e r: Drei Hoffnungen hat der Arme: entweder wird er so reich sein wie sein Nachbar; oder sein Nachbar wird so arm werden wie er; oder — sie werden beide Hungers sterben. Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt — vom Unglück zum Glück — eine ganze Strecke. Zum Traualtai'(!) lässt man sich führen; zur Scheidung läuft mau selbst. Wenn der Arme ein Huhn isst, ist e r krank oder das H u h n. Eine Mutter muss eine grosse Schürze haben, um die Fehler ihrer Kinder verdecken zu können. Wenn ein Geizhalz leichtsinnig wird, isst er zur Suppe Torte. Segel: .Der Arme hat drei Hoffnungen: entweder er wird einmal so reich wie sein Nachbar, oder sein Nachbar wird einmal so arm wie er. oder aber sie sterben beide ah arme Teufel. (Ost u. West. Jahrg. 1903, Seite 480.) Vom Glück zum Unglück ist ein Schritt — vom Unglück zum Glück — ein weiter Weg. (Ost u. West, Jahrg. 1904, Seite 387.) Zur Chuppa (Tra.uung.sbaldachin) muss man sie führen; zur Scheidung laufen sie selber. (Ost u. West, Jahrg. 1903, Seite 171.) Isst ein Armer ein Huhn — so ist er krank oder das Huhn. (Ost u. West, Jahrg. .1903, Seite 479.) Die Mutter braucht eine breite Schürze, um des Vaters Missetaten und der Kinder Laster zu verhüllen. (Ost u. West, Jahrg. 1903, Seite 174.) Wird ein Knauser freigebig, so kocht er Grütze mit Graupen. (Ostu. West, Jahrg. 1903 Seite 470.)

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