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Ost und West · 1913-02-01 · Heft 2 (Februar 1913) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 2 (Februar 1913)
Date
1913-02-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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^£3» Tfsismß sr. ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFt\/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. lieft 2. Februar 1913. XIII. Jahrg. „FUENFZIG JAHRE GESCHICHTE." Von A. Benesra. Sehr zur rechten Zeit erscheint die Geschichte der Alliance Israelite Universelle seit ihrer Begründung vor einem halben Jahrhundert, von ihrem Präsidenten Herrn Narcisse Leven erzählt.*) Gerade unserer Zeit mit ihrer Zerrissenheit, ihren Spaltungen innerhalb des Judentums, ihrem lauten Parteihader und ihren latenten Abfallsbestrebungen, mit ihrem grundlosen, aber immer tiefer um sich fressenden Pessimismus, mit ihren Legionen von ungebetenen und ungerufenen Erlösern und Führern und Rettern des jüdischen Volkes — gerade unserer Zeit soll diese schlichte, ruhige und ehrfurchtgebietende Stimme erzählen, wie die erste und bedeutendste universelljüdische Gesellschaft entstanden, geworden und gewachsen ist, was sie erstrebt und was sie geleistet und erreicht hat. Aus den Stimmungen unserer Zeit heraus betrachtet, nehmen sich die Anfänge der Alliance wie ein Märchen aus. Siebzehn junge Leute kamen zusammen, berieten und debattierten, und nach einem Jahre der Schwankungen, der Versuche und der Vorstudien entstand die Alliance Israelite Universelle. Was hatte diese jungen Leute getrieben? „Es gab im französischen Judentum eine für die Freiheit erglühende Jugend; sie hatte die Revolution von 1848 erlebt und in Erinnerung bewahrt. . . In ^der Affäre Mortara erblickte sie ebenso eine Herausforderung der zivilisierten Welt als auch einen dem Judentum angetanen Schimpf. Alle dem Judentum zugefügten Leiden und Ungerechtigkeiten erwachten in ihrer Erinnerung und versetzten sie in Aufruhr. Sie schienen ihnen unerträglich. Und sie betrachteten es als *) Cinquante ans d'histoire. L'Alliance Israelite Universelle (1860—1910). Par N. Leven. Tome Premier. Paris. Librairie Felix Älcan 1011. (552 Seiten). ihre Pflicht, sie zu bekämpfen. Indem sie das taten, gehorchten sie den Ueberliefer.ungen ihrer eigenen Geschichte und denen der französischen Revolution. Die Propheten Israels, in deren Geist und an deren Schriften diese Jugend erzogen worden war, hatten geweissagt, dass Israels Leiden ein Ende nehmen werden in einer Zukunft, welche allen Menschen Frieden und Gerechtigkeit bringen würde. Die Revolution von 1789 erschien als die Erbin des prophetischen Geistes, denn sie arbeitete im Dienste der Menschheit. Die Revolution von 1848 hatte das Werk fortgesetzt. Diese Erinnerungen und Vorbilder trieben die Jugend zur Aktion." Das war die Stimmung und der Geist, von dem die Jugend von damals beseelt war. Es war, wie man sieht, eine Synthese der besten Elemente der jüdischen Lehre und der europäischen Kultur, in der diese jungen Leute atmeten. Ihrer siebzehn wählten aus ihrer Mitte einen Ausschuss von sechs, die mit der Aufgabe betraut wurden, den Plan einer Organisation zur Hebung des Judentums auszuarbeiten. Es waren: der Rabbiner Elie Aristide Astruc, der Redakteur der Archives Israelites Isidore Cahen, der Ingenieur Jules Carvallo, der Advokat Narcisse Leven, der Professor Eugene Manuel und der Kaufmann Charles Netter. Der unmittelbare Anlass aber zur Gründung der Alliance war der berühmte Fall Mortara vom Jahre 1858. In dem italienischen Städtchen Bologna, das zum Kirchenstaat gehörte, hatte die christliche Magd einer jüdischen Familie den ihrer Obhut anvertrauten Säugling heimlich in die Kirche gebracht und ihn taufen lassen. Als der Knabe 8 Jahre alt ward, besetzte die päpstliche Gendarmerie das Haus der Familie Mortara und entriss den verzweifelten Eltern das Kind, um es

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