Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1913)
- Article
- Adolf Eduard Herstein
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 29 - 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Emil Pottner: Adolf Eduard Herstein. 30 jugendliche Frische, Unabhängigkeit des Sehens und strenges, ehrliches Streben. Dieser Welt, die er uns dort zeigte, ist er treu geblieben für den Sommer. Seine Erlebnisse sind schöner Art. Eine idyllische Landschaft, das behagliche Sinnesleben der Haustiere, ohne Anekdote in dem ganzen malerischen Reiz erfasst und mit reifem Können wiedergegeben. Aber im Winter, da ist er musikalisch, da ist er fröhliche Sinnlichkeit und immer anregend dem Strebenden ein guter Kamerad. Wenn er wichtig davon spricht, dass sein nächstes Aktbild irgend welche urmenschlichen Beziehungen enthalten soll (was weiss ich), sitzt ihm der Schelm im Nacken, denn für ihn gibt es ja doch nur die ewig malerische Erscheinung eines leuchtenden Körpers und er braucht sich nicht um mythologische Titel für seine Werke zu bemühen; jeder kann sich sein Teil dazu denken, wenn es ihm Bedürfnis ist. Dabei ist er rastlos tätig, seine Kunst zu bereichern. Seine Farbe ent- A. E. HERSTEIN. Kühe auf der Weide. BERLIN. A. E. HERSTEIN. Samson und Delila. wickelt sich immer mehr zu grosser Leuchtkraft und Lebendigkeit und seine Komposition wird einfacher. In den letzten Jahren hat er sich auch der Radierung zugewendet und eine Anzahl Blätter sind entstanden, die teils Akte, teils Ziegen darstellen und künstlerisch wie technisch vollendet sind. Yerni-mou. Aetzung und kalte Nadel in schöner Abwechslung und vollster Hingabe an den Geist der Radierung, in der richtigen Erkenntnis, dass Radieren nicht Bildermalen heisst. So sehen wir ihn gerne jedes Jahr in den Ausstellungen auftreten, können seine Aufwärtsentwicklung verfolgen und sein Künstlertum soll helfen die Menschheit zu erheben, ihm und uns zur Freude. Hier verlasse ich ihn, da er den meisten inzwischen ein guter Bekannter geworden ist, und die Werke eines Künstlers uns viel besser von ihm erzählen, als wir es vermögen. BERLIN. _________