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Ost und West · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 1119 - 1120

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Der Brand in Aidin [Nachricht]
Date
1911-12-01
Page
Seite 1119 - 1120 (sequence 2)
Language
German
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1119 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Notizen. 1120 worden und ist den ganzen Tag voller Menschen aus den verschiedensten Bevölkerungsklassen. Der eine verlangt, man solle sich sofort um eine Frau kümmern, die unter einem Zelt in Kindesnöten liegt; andere bitten um ein Obdach, denn die vorhandenen Zelte und die Schulräume genügen nicht zur Beherbergung aller Obdachlosen. Dazu kommen die Gesuche um Bröl, um Leibwäsche, um warme Decken. Wir geben uns alle Mühe, möglichst viele Leute zu befriedigen, aber wenn wir endlich einen Augenblick aufatmen wollen, werden wir wieder mit neuen Anliegen überlaufen. Ein Geschäft, das uns sehr viele Unannehmlichkeiten bereitet, ist die Verteilung von Gegenständen, die während des Brandes von gewissenlosen Leuten gestohlen worden waren und die wir wiedergefunden haben. Für jeden gestohlenen Gegenstand fanden sich zehn Personen, die ihn als ihr Eigentum wiedererkennen. Wie soll man den wirklichen Besitzer herausfinden? Nach vielen Mühen, Untersuchungen und Zeugenaussagen ist es uns endlich gelungen, all die Sachen los zu werden, die wir wiedererlangt und aufbewahrt hatten, aber es lagert noch eine ganz.» Menge auf dem Polizeikommissariat. Seit dem Unglückstage bis heute haben wir zu fünf verschiedenen Malen Brot und Oliven verteilt. Die Verteilung von Strohmatten, von denen ungefähr hundert Stück schon ausgegeben sind, wird heute fortgesetzt. Mehrere wohlwollende Personen haben uns bereits ein paar leichte Wolldecken, einige Hemden und vierzig Paar Strümpfe zur Verfügung gestellt, weil sie annahmen, daß für den Augenblick solche Dinge noch notwendiger wären als Brot. Auch unsere Tätigkeit ist jetzt auf die Versorgung der vom Brand Betroffenen mit Kleidung und warmen Docken gerichtet und wir haben dafür einen großen Teil der Summen ausgegeben, die Sie uns übermittelt haben und für di; ich Ihnen von ganzem Herzen dankbar bin. Diese Verteilung von Naturalien muß aber bald aufhören. Kleider und Decken sind ja sehr nötig, aber ein ganz Teil ist sehen beschafft und weitere werden wir nocli bekommen — was aber vor allen Dingen nottut, das sind Wohnungen, Häuser oder Baracken. Meine Absicht geht deshalb dahin, die kompakten Gruppen der Obdachlosen etwas zu zerstreuen und die einzelnen Familien in kleinen Häuschen oder Baracken unterzubringen, die auf dem Grund und Boden des alten Judenviertels aufgeführt werden müßten. Das kann natürlich nicht in einem Tage, auch nicht in einem oder zwei Monaten gemacht sein, aber es ist dringend nötig, diese Angelegenheit so schnell wie möglich zu erledigen. Brandkatastrophcn in Russland. Eine Anzahl im Ansiedlungsgebiet Russlands liegender Ortschaften ist in neuester Zeit von furchtbaren Brandkatastrophen heimgesucht worden. Das Central-Comite in Paris hat zur Unterstützung der Israeliten, die dadurch zum grössten Teil ihr Hab und Gut eingebüsst haben, den Betrag von zusammen 20 000 Francs als Beihilfe für folgende Ortschaften bewilligt: Puchelaty, Beisagola Retowo, Lawkowo (Gouvernement Kowno), Tschetschersk, Jurawitschi, Kostinkowitschi (Gouvernement Mohilew), Koden, Laskarjew (Gouvernement Siedletz), Turow (Gouvernement Minsk), Boleslawitz (Gouvernement Kaiisch), Makarof (Gouvernement Kiew). * * * Verzeichnis der im Oktober bei dem Deutschen Bureau eingegangenen Beiträge und Spenden. Cüstrin 5.—; Dürkheim 76.80; Eydtkuhnen7.—; Germeishcim 5.—; Goldap 33.—: Griesheim 5.—; Halle 7.—; Hamm 110.—; Heilbronn 365.20; Heldenbergen 55.—; Hohcnsalza 353.80; Ingweiler 7.—; Königshütte 189.25; Konstanz 345.70; Kosten 55.—; Landau 64.80; Landsberg a. W. 53.50; Linz 29.70; Leobschütz 20.—; Lobsenz 3.—; Loslau 55.—; Rendsburg 10.—; Riesenburg 4.80; Schildberg 10.—; Schivelbein 10.—; Sondershausen 5.—; Soldin 15.—; Strasburg Wpr. 88.—; Wiesbaden 200.—; Zabrze 310.—; Berlin 643.25. Wir machen unsere geehrten Mitglieder darauf aufmerksam, dass die Zustellung von „Ost und West" spätestens am 6. eines jeden Monats erfolgen muss. Sollte die Zustellung bis dahin nicht erfolgt sein, so bitten wir dringend, bei dem zuständigen Bestellpostamt zu reklamieren, das verpflichtet ist, die Nachlieferung zu bewirken.

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