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Ost und West · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 1117 - 1118

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Die Israeliten in Persien
Date
1911-12-01
Page
Seite 1117 - 1118 (sequence 2)
Language
German
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1117 Mitteilungen der xYlliauce Israelite Universelle: Die Israeliten in Persien. 1118 selbständig gemacht hatte und der nun sein mühselig zusammengespartes Kapital von 2000 Francs einbüßt. Alle von mir unternommenen Schritte zur Wiedererlangung der von den Soldaten geraubten Waren sind erfolglos geblieben, und auch die übrigen an den Plünderungen beteiligten Personen sind von der Polizei nicht behelligt worden. Dem schwersten Angriff in jenen traurigen Tagen sind aber zwei unserer Hilfslehrer zum Opfer gefallen. Einer von ihnen, Mirza Jacob, ist im offenen Lager von den Mannschaften Salar-ed-Dolehs angefallen und unter dem Vorwand, daß er europäische Kleidung trage, vollständig ausgeraubt worden. Danach wurde er erbarmungslos durchgeprügelt und unter dem Wutgeschrei der Menge bis zum Palast des Gouverneurs geschleppt. Der Bruder Mirza Jacobs, unser Lehrer der hebräischen Sprache, Mirza Menahem Levy, war auf die Nachricht von dem Vorgefallenen seinem Bruder zur Hilfe geeilt. Das sollte ihm schlecht bekommen. Ein vorüberziehender Soldatentrupp bemächtigte sich seiner unter den Rufen: „Da ist schon wieder einer, der den Kopf nicht so rasiert hat, wie die Perser. Er trägt einen Leinenkragen. Das ist also ein Konstitutioneller, ein Babi — zu Boden mit dem Ungläubigen!cc In einem Nu ward auch Mirza Menahem aller seiner Kleidungsstücke beraubt, aus einem Rest von Anstandsgefühl ließ man ihm die Unterhose. Dann bearbeiteten die Soldaten unseren Lehrer mit ihren Flintenkolben und unter fortwährenden Schlägen und dem Geheul des Pöbels wurde der halbnackte Mirza Menahem ebenfalls zu dem eine halbe Stunde entfernten Palast des Gouverneurs geschleppt, wo er seinen halbtot geschlagenen Bruder vorfand. Einer unserer jüngeren Schüler hatte diese Vorgänge von weitem gesehen und machte mir Meldung davon. In aller Eile begab ich mich zum Regi-rungspalast und langte dort gerade in dem Augenblick an, da man unsere beiden Hilfslehrer zum Ehtecham-ed- Doleh, dem Vertreter Salars, schleppte. Die beiden unglücklichen jungen Leute waren nicht wiederzuerkennen. Gesicht und Körper waren von Wunden bedeckt und sie klagton über heftige innere Schmerzen. Der Gouverneur kennt den Mirza Menahem, weil er seine beiden Söhne unterrichtet. In dem traurigen Zustand, in dem die Überfallenen ihm vorgeführt worden waren, hat er den Lehrer seiner Kinder nicht wiedererkennen können. Er gab sofort Befehl, die beiden jungen Leute freizugeben und Hess sie unter guter Bewachung in ihre Wohnung bringen — aber keiner von denen, die die jungen Leute bis zu ihm geschleppt hatten, ist von ihm bestraft worden. Als ich allein beim Gouverneur zurückgeblieben war, machte ich ihm energische Vorstellungen wegen der Grausamkeiten, die an unseren Lehrern verübt worden waren. Er versprach mir, die Schuldigen ausfindig zu machen und sie exemplarisch zu bestrafen. Ausserdem übernahm er die Verpflichtung, uns alle Gegenstände wieder zuzustellen, die unseren beiden Hilfslehrern fortgenommen worden waren. Am nächsten Tage ging ich wieder zum Gouverneur und erinnerte ihn an sein Versprechen, uns sofortige Satisfaktion zu geben. Einer von den Soldaten, die Mirza Menahem am meisten mißhandelt hatten, war soeben verhaftet worden. Der Gouverneur ließ ihm auf öffentlichem Platz eine fürchterliche Bastonade geben. Die übrigen Schuldigen wären nicht herauszufinden, behauptete der Gouverneur. Nach meiner Meinung wären die anderen Schuldigen sehr leicht zu kennen und zu verhaften, aber der Gouverneur zeigt wenig Eifer in dieser Angelegenheit. Sein böser Wille in der Unterdrückung oder Verhütung solcher Rohheiten beweist mir, daß er mit den Urhebern der Unruhen im Einverständnis ist. Mir scheint, daß diese ganze Agitation gemacht worden ist, um unsere Glaubensgenossen einzuschüchtern. Er hat von ihnen 5000 Francs als Beitrag zu den Kriegsausgaben Salars verlangt, und da sie sie ihm nicht schnell genug zugestanden haben, mußten einige Läden geplündert und unsere jungen Leute mißhandelt werden. Die Gemeinde ist bei mir zu einer Beratung zusammengetreten und hat beschlossen, die vom Gouverneur verlangte Summe zu geben, um sich nicht seinem und Salars Zorn auszusetzen. Die Juden sind übrigens nicht die einzigen, die so besteuert werden, auch einige Mohammedaner sind in Kontribution gesetzt worden. Die Zahlung der von der jüdischen Gemeinde erforderten Summe ist auf die wohlhabenden Gemeindemitglieder verteilt worden und die erste Rate von 2500 Francs ist bereits abgegangen. Der Rest soll im Verlauf von drei Tagen gezahlt werden. Außerdem müssen die Israeliten 20 Francs täglich an die Soldaten zahlen, die während der Nacht das Judenviertel be- Avachen. Wie Sie sehen, sind wir wieder zu den düstersten Tagen der Geschichte unserer persischen Brüder zurückgekehrt. Bei der Anarchie, die gegenwärtig im Lande herrscht, haben wir zu unserem größten Unglück niemand, an den wir uns zugunsten unserer Glaubensgenossen wenden können. Alle Verbindungen mit der Zentralregierung sind unterbrochen. Die westlichen Provinzen sind vollständig in der Gewalt des Salar-ed-Doleh und seiner Kreaturen, die an der terrorisierten Bevölkerung für ihre eigene Ohnmacht der letzten beiden Jahre Rache nehmen. Wir haben kein anderes Mittel, als uns an Salared-Doleh direkt mit der dringenden Bitte zu wenden, unsere Glaubensbrüder vor der Grausamkeit der Soldaten und vor der Habgier des Gouverneurs zu schützen. Salar-ed-Doleh wird demnächst nach Hamadan kommen. Ich werde versuchen, mich bei ihm zugunsten unserer Glaubensgenossen zu verwenden. Die wohlwollende Aufnahme, die meine Kollegen von Seneh und Kirmanschah bei ihm gefunden haben, läßt mich hoffen, daß er meinen Bitten Gehör sebenken und seinen Vertretern sowie seinen Truppen den Befehl geben wird, die Juden fernerhin in Ruhe zu lassen. Ler^Brand in Aidin. Von dem Schuldirektor der AllianceJIsraelite Universelle in Aidin ist dem Centralcomite folgender Bericht zugegangen: Aidin, 30. August 1911. Hiermit bestätige ich Ihnen ganz ergebenst den Empfang Ihrer Telegramme vom 26. und 28. d. M. und der verschiedenen telegraphischen Geldsendungen. Trotz dreitägiger ununterbrochener Arbeit ist es uns noch nicht gelungen, aus der großen Verwirrung herauszukommen und etwas Ordnung zu schaffen. Geschrei, Klagen, Verzweiflungsausbrüche, Ansprüche aller Art nehmen kein Ende. Wem soll man zuerst antworten, um was soll man sich zuerst kümmern? Das in unserer Schule eingerichtete Hilfsbureau ist begreiflicherweise der Mittelpunkt der Tätigkeit ge-

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