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Ost und West · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 1051 - 1052

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Das jüngste Bild von Judentum
Date
1911-12-01
Page
Seite 1051 - 1052 (sequence 6)
Language
German
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1051 Dr. Max Eschelbacher: Das jüngste Bild vom Judentum. 1052 4. R. Eleasar hat gesagt: Daraus geht hervor, dass die Gerechten ihr Geld mehr lieben, als ihren Körper. Und warum das? Weil sie ihre Händeni cht ausstrecken n a ch geraubtem Gut. 4. Talmud Sota 12 a. Es heisst „Da nahm Moses Mutter für ihn ein Kästchen von Rohr". Warum insbesondere von Rohr? R. Eleasar hat gesagt: Daraus geht hervor, dass die Gerechten (Frommen) ihr Geld mehr lieben als ihren Körper. Die Belege Hessen sich noch beträchtlich vermehren, wie Sombart den Worten des Sirach oder des Talmud wesentliche Stücke abgeschnitten hat, und zwar gerade die, die ihnen den „kapitalistischen" Charakter nehmen, den er in ihnen nachweisen will. Was er aus ihnen beweisen wollte, hat er selber erst in sie hineingelegt, aber er hat sie verstümmeln müssen, bis sie in seinem Sinne aussagen. Die Zitate 2 und 4 sagen im Original so ziemlich das Gegenteil von dem, was Sombart aus ihnen macht. An anderen Stellen wieder verändert er den Text und flickt ihm selbsterfundene Zusätze an, ohne sie kenntlich zu machen. Auch hierfür eine Probe. Er will bei dem Gläubigen „rechenhafte Gemütsverfassung'' bis in die subtilsten Regungen der Seele hinein nachweisen. Den Beweis führt er aus dem Talmud, und zwar so: Sombart. Als Mar Ukba starb, verlangte er seine Rechnung, d. i. die Summe der Almosen, die er gegeben. Sie betrug 7000 Sus. Da e r n i c h t glaubte, dass diese Summe zu seiner Rechtfertigung ausreiche, d. h. s e i n e Uebertretungen ausgleiche, so verschenkte er noch sein halbes Vermögen, um sicher zugehen. Auch in diesem Fall sind Sombarts Wege klar. Im Original gibt der Satz „Der Vorrat ist Talmud (Kethuboth 67 b). Als Mar Ukba auf dem Totenbette lag, verlangte er die Berechnung der Almosen, die er gegeben hatte. Da fand sich, dass davon 7000 Denare verzeichnet waren. Da sprach er „Der Vorrat ist so gering und der Weg so weit" und er verschenkte die Hälfte seines Vermögens. so gering und der Weg so weit" der ganzen Erzählung ihren Charakter. So kann in der Tat ein frommer Mensch sprechen, wenn er bedenkt, dass die Ewigkeit vor ihm liegt und dass er im Leben nicht genug Gutes getan hat. Und gerade diesen Satz, der das Wesentliche enthält, hat Sombart gestrichen. Die Sätze „da er nicht glaubte usw." und „um sicher zu gehen" sind seine eigene Erfindung; er selber hat sie erst in den Talmud hineingebracht, um nun die „rechenhafte Gemütsverfassung" in ihm nachweisen zu können. An anderen Stellen wieder erreicht er das gleiche Ergebnis durch die Art seiner Uebersetzung. Die Sprüche der Väter sagen einmal, dass die Taten des Menschen nicht vergehen, dass wir, nach Hiobs Wort, die Sünden unserer Jugend erben. Sie drücken das so aus: „Wisse, dass alle Deine Taten in ein Buch eingeschrieben werden." Sombart übersetzt zunächst richtig, fügt aber dann hinzu „Jeder hat sein Konto. Alle Worte des Menschen werden ihm darin gebucht." „Konto" und „buchen"sind terminitechnici der kaufmännischen Buchführung, im Original steht nichts davon, erst in Sombarts Paraphrase finden sie ihre Stelle und Sombart hat es so sich leicht gemacht, „rechenhafte Gemütsverfassung", das wichtigste Symptom kapitalistischen Denkens, in den Quellen der jüdischen Religion nachzuweisen. Irrtümer und Fehler haben wir so bei Sombart in reichem Masse gefunden. Wie hat er die Dokumente des Judentums verändern, entstellen müssen, bis er sie als Zeugen für seine Erzählung heranziehen konnte! Und wie manchen falschen und krummen Schluss mag sein Buch noch bergen, ohne dass wir, wie bei den Zitaten, ein Mittel zur Kontrolle besitzen! Jetzt schon dürfen wir sagen, das Judentum, wie es in Wirklichkeit ist, widerspricht völlig dem Bild, das er gezeichnet hat. Aber mit dem Aufspüren von Fehlern soll unsere Kritik nicht enden. Das Judentum selbst wollen wir prüfen, und Sombarts Angriff, denn ein Angriff ist es, wenngleich in den Formen wissenschaftlicher Objektivität, soll uns dazu führen, von neuen Seiten und von neuen Gesichtspunkten aus es zu betrachten. Dann wird sich zeigen, was es ist, ob eine Anweisung, reic1. zu werden, wie Sombart meint, oder ob es heute noch ist, was es immer war, die Quelle von Trost und Freude für Leben und Sterben.

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